Die mögliche Übernahme von Evonik durch BASF ist konkreter geworden, aber noch nicht entschieden. BASF bestätigte in der Vorwoche Sondierungen mit Evonik und der RAG-Stiftung. Verlauf und Ausgang seien offen. Evonik sprach von einer unverbindlichen Ansprache für ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot an sämtliche Aktionäre.
Zugleich erklärte der Konzern, derzeit fänden keine Gespräche statt. Eine Schlüsselrolle kommt der RAG-Stiftung zu, die rund 43 Prozent an Evonik hält. Ohne ihre Unterstützung dürfte eine vollständige Übernahme kaum umsetzbar sein. Die Stiftung will ihre Beteiligung langfristig allerdings auf 25,1 Prozent senken.
Vorteile eines Deals lägen in der Größe und der Marktposition. BASF könnte seine globale Infrastruktur, Einkaufs- und Produktionsnetzwerke mit Evoniks Spezialchemie verbinden. Während BASF stark in Basischemikalien, Polymeren und Verbundstandorten ist, verfügt Evonik über Additive, Spezialpolymere sowie Produkte für Ernährung, Pflege und Pharma. Gemeinsame Forschung, eine bessere Auslastung und Kostensynergien wären möglich. Zudem könnte ein größerer Konzern im Wettbewerb mit chinesischen und US-Anbietern schlagkräftiger auftreten.
Dem stehen erhebliche Risiken gegenüber. BASF müsste vermutlich eine hohe Übernahmeprämie zahlen und den Deal in einem schwierigen Branchenumfeld finanzieren. Eine höhere Verschuldung könnte den Spielraum für Investitionen und Dividenden einengen. Hinzu kommen Überschneidungen bei Additiven, Materialien und Nutrition & Care. Kartellbehörden könnten deshalb Verkäufe von Geschäftsbereichen verlangen. Die Integration zweier komplexer Konzerne wäre zudem teuer und langwierig.
Ähnlich wie etwa bei der Übernahme von Covestro durch ADNOC könnten auch diesmal enorm lange Sondierungen bevorstehen. Es bleibt dabei: Investierte Anleger lassen bei Evonik die Gewinne laufen und beachten den Stopp bei 13,00 Euro. Auch BASF ist weiterhin auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR (Stopp: 39,00 Euro).
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: BASF.
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