Der politische Wind in den USA dreht sich. Nach den jüngsten Zwischenwahlen übernehmen die Demokraten die Kontrolle im Kongress. Das verändert die Lage für die Krypto-Branche schlagartig. Statt schneller Deregulierung und maßgeschneiderter Gesetze droht Unternehmen nun wieder Gegenwind aus der Hauptstadt.
Bekannte Krypto-Kritiker wie Sherrod Brown aus Ohio kehren in den Senat zurück. Auch Senatorin Elizabeth Warren behält ihren Einfluss auf die Finanzpolitik. Der Fokus verschiebt sich spürbar. Während die Industrie auf klare Leitplanken durch den sogenannten Clarity Act hoffte, rücken nun Kontrollen in den Mittelpunkt. Die Demokraten dürften vor allem Donald Trumps persönliche Krypto-Verflechtungen ins Visier nehmen, darunter das Projekt World Liberty Financial.
Der Grund: Die Branche hatte nach Trumps Wahlsieg 2024 auf einen schnellen Durchmarsch gehofft und mehr als 200 Millionen Dollar in die Midterms investiert. Dieser Plan gerät ins Wanken. Jaret Seiberg, Analyst beim Bankhaus TD Cowen, rechnet in den kommenden zwei Jahren mit keinem Durchbruch mehr für den Clarity Act. Die Gesetzgebung zur Marktstruktur könnte sogar bis 2028 blockiert bleiben.
Millionen-Einsatz zeigt trotzdem Wirkung
Ganz verloren ist der politische Einfluss der Krypto-Firmen dennoch nicht. Entsprechend gelassen reagieren einige Branchenvertreter auf das Wahlergebnis. Kara Calvert, Politikchefin bei Coinbase, verweist auf ein verändertes Parlament mit vielen neuen Gesichtern.
Nach Zählung der Initiative Stand With Crypto zogen 19 Krypto-Befürworter in den Senat ein, während acht als Krypto-Kritiker gelten. Im Repräsentantenhaus stehen 228 Unterstützer 106 Skeptikern gegenüber. Auch das Krypto-Aktionskomitee Fairshake verbuchte Erfolge: Die Gruppe gewann 29 von 34 finanzierten Wahlkämpfen. Dante Disparte, Chefstratege beim Stablecoin-Herausgeber Circle, betont deshalb den überparteilichen Rückhalt. Der Weg zu neuen Gesetzen dauere nun länger, doch Krypto sei längst in beiden Lagern verankert.
Infrastruktur setzt sich durch
Auch die technologische Entwicklung lässt sich kaum per Dekret stoppen. Bereits im Januar tritt der parteiübergreifend beschlossene Genius Act in Kraft, der feste Standards für Stablecoins setzt. Joseph Chalom, Chef der Krypto-Finanzfirma Sharplink, sieht zudem gute Chancen für die Tokenisierung klassischer Aktien unter den bestehenden Regeln der Börsenaufsicht SEC. Geringere Kosten und eine schnellere Abwicklung überzeugen Banken und Profi-Investoren unabhängig vom Ausgang einzelner Wahlabende.
Der Sieg der Demokraten stoppt die Träume von einer schnellen Sonderbehandlung der Krypto-Branche. Der Clarity Act wandert vorerst in die Schublade, während politische Untersuchungen gegen Donald Trumps Krypto-Deals drohen. Dennoch steht der Sektor besser da als vor zwei Jahren. Mehr als 200 gewählte Krypto-Befürworter im Abgeordnetenhaus und feste Regeln wie der Genius Act verhindern einen Totalabsturz. Das Tempo verlangsamt sich, doch die Integration in das traditionelle US-Finanzsystem bleibt Realität.
05.11.2026, 21:20
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