03.01.2019 Michael Schröder

AKTIONÄR Hot-Stock Cenit: Talsohle durchschritten – Chance für Anleger mit Weitblick

-%
Cenit
Trendthema

Nach der größten Übernahme der Firmengeschichte sind die Umsätze bei Cenit auf ein Rekordniveau gestiegen. Die Margen gerieten dagegen unter Druck. Der Kurs ebenfalls. Nun deutet bei dem schwäbischen Beratungs- und Softwarespezialist auf eine nachhaltige Trendwende hin.

Am Ende ist es sicher nur Zufall. Doch in den letzten beiden Jahren hat die Cenit AG jeweils im Juli eine richtungsweisende Nachricht für ihre Investoren parat gehabt. Die Auswirkungen konnten verschiedener nicht sein. Im Juli 2017 wurde die Übernahme der französischen Keonys erfolgreich abgeschlossen: immerhin die größte Akquisition der Unternehmensgeschichte. Die Umsatzprognose wurde angehoben. Die Aktie kletterte auf ein Rekordhoch. Im Juli 2018 musste Cenit die Gewinnprognosen aufgrund der Verschiebung des Umsatzmix hin zu margenschwächeren Erlösen zurückschrauben. Die Aktie geriet kräftig unter Druck. Es gibt gute Gründe, warum das aktuelle Kursniveau für Anleger mit Weitblick eine interessante Einstiegsgelegenheit bietet.

Starke Positionierung
Grundsätzlich agiert Cenit in einem stark wachsenden Marktumfeld, bei dem die Schlagworte Digitalisierung und Industrie 4.0 im Vordergrund stehen. Dabei ist die Gesellschaft in Sachen Optimierung unterwegs. Mit der Verbesserung von digitalen Geschäftsprozessen macht die Gesellschaft ihre Kunden wettbewerbsfähiger und erhöht deren Profitabilität. Der Kundenstamm der Stuttgarter kann durchaus als attraktiv bewertet werden. Die Abnehmer kommen aus Schlüsselbranchen wie der Autoindustrie, dem Maschinenbau oder aus dem Bereich Finanzdienstleistung und Handel sowie der Luft- und Raumfahrt. Seit der Gründung im Jahr 1988 haben sich die die Schwaben zu einem der führenden PLM-Beratungs- und Implementierungspartner für Fertigungsunternehmen entwickelt. Cenit wandelt die langjährige Branchenerfahrung und Technologie-Expertise der Mitarbeiter in professionelle IT-Lösungen um. Dabei veredelt die Gesellschaft die Lösungen der strategischen Partner Dassault Systèmes und SAP durch eigene Produkte.

Umsatz steigt, Marge fällt
Mit der Übernahme des Spezialisten für die Software-Integration Keonys stieg Cenit sogar zum wichtigsten Partner des multinationalen Software-Entwicklungsunternehmens Dassault auf und wurde zum europäischen Marktführer im PLM-Bereich. Der Umsatz erreichte dank der Übernahme 2017 ein neues Rekordniveau.
Nun kommt das viel zitierte „Aber“: Da Keonys vornehmlich als Integrator und Reseller von Dassault-PLM-Lösungen tätig ist, stieg vor allem der Umsatz mit der margenschwächeren Fremdsoftware, die ausschließlich aus dem Handelssegment stammt. Dem stand ein Rückgang bei den margenstärkeren Eigensoftware-Umsätzen gegenüber. Dieses Missverhältnis drückt auf die Marge.
„Das bisher starke Umsatzwachstum wurde unseres Erachtens ausschließlich durch den Einbezug der im Vorjahr erworbenen Keonys erreicht, wohingegen die bereinigte Umsatzentwicklung leicht negativ ausgefallen sein dürfte. Auch die Ergebnisentwicklung ist etwas unter den Erwartungen ausgefallen. Grundsätzlich leidet die Gesellschaft an der rückläufigen Entwicklung der margenstarken Eigensoftware-Umsätze“, stimmt GBC-Research-Analyst Cosmin Filker zu. Diesem Effekt konnte die Gesellschaft bislang nicht nachhaltig entgegenwirken. Der Verkauf eigener Software entwickelte sich im ersten Halbjahr 2018 schlechter als erwartet. Daher senkten die Stuttgarter im Juli ihre Ziele für das Gesamtjahr. Cenit erwartet nun einen Umsatz zwischen 175 Millionen und 180 Millionen Euro. Für den operativen Gewinn wird ein Rückgang auf zehn Millionen Euro (Vorjahr: 12,8 Millionen Euro) prognostiziert – statt eines operativen Gewinns auf Vorjahresniveau.
Zum Erreichen der Prognose muss die Gesellschaft im vierten Quartal eine deutliche Umsatz- als auch Ergebnissteigerung vorweisen. „Dies ist insofern realistisch, da bei Cenit das letzte Jahresquartal in der Regel das mit Abstand stärkste Quartal ist“, weiß Filker.

Talsohle durchschritten
Damit sollte die Marge am Ende bei rund 5,5 Prozent liegen. Selbst wenn so am Ende des Jahres nur ein hohes einstelliges EBIT herauskommen würde, wäre das kein Beinbruch. Denn auf Quartalsbasis ist bereits ein leicht positiver Trend bei den Eigensoftware-Umsätzen zu erkennen. Die Gesellschaft dürfte bei einer nachhaltigen Steigerung der hoch skalierbaren Eigensoftware-Umsätze die Profitabilität wieder Stück für Stück verbessern können. „Forcierte Entwicklungsaktivitäten im Bereich der Eigensoftware sowie die auf Rentabilitätskriterien hin ausgerichtete Auftragsannahme sollten mittelfristig wieder steigende Margen ermöglichen“, ist auch Filker überzeugt. Zudem dürften die Schwaben die gesamte Klaviatur an Optimierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen herunterspulen. Bereits ab dem kommenden Geschäftsjahr könnte damit der rückläufige Margentrend gestoppt und die Rendite wieder in Richtung acht Prozent getrimmt werden.
Dabei dürften die Weiterentwicklung des eigenen Lösungs- und Produktportfolios, die Realisierung von Synergien aus Kooperationen und strategischen Partnerschaften sowie die opportunistische Wahrnehmung anorganischen Wachstums im Vordergrund stehen.

Trendwende in Sicht
Cenit macht als Beratungs- und Softwarespezialist in der Regel seine Kunden wettbewerbsfähiger und erfolgreicher. Derzeit arbeiten die Schwaben aber auch daran, ihre eigene Profitabilität zu steigern. Mit einem verbesserten Produktmix sollte dies gelingen. Ziehen die Margen wieder an, dürfte sich ein Kauf auf dem aktuellen Niveau bezahlt machen – möglicherweise schon im kommenden Juli.