FRANKFURT (dpa-AFX) - Die jüngste Kurserholung der Rüstungswerte zeigt deutliche Risse. So blieben die Aktien des deutschen Branchenprimus Rheinmetall
Analyst Jens-Peter Rieck von MWB Research strich nach dem Nato-Gipfel seine Kaufempfehlung für die Anteilsscheine der Düsseldorfer. Die Verteidigungsallianz verlagere ihre Prioritäten und Ausgaben. Traditionelle Landstreitkräfte sind Rieck zufolge zwar immer noch wichtig, aber die Mittel flössen vor allem in Luftverteidigung, weitreichende Waffen, Drohnen und Überwachung.
Der Markt taxiere zudem das sogenannte Projekt Arminius viel zu hoch, fuhr der Experte fort. Dabei handelt es sich um das größte Beschaffungsvorhaben in der Geschichte der Bundeswehr. Es geht um die Lieferung von Radpanzern des Typs Boxer.
Mit seinem auf 1.150 Euro gekappten Kursziel liegt Rieck nur knapp über dem Erholungshoch vom Dienstag. Der Rekord vom Oktober 2025 liegt bei 2.008 Euro.
Die Schlüsselfrage für Rheinmetall ist laut den Experten der US-Bank Goldman Sachs, ob der Konzern seine Auftragsbücher so effizient abarbeiten kann, dass das Vertrauen nach den jüngsten Unsicherheiten wiederhergestellt werden kann. Zuletzt hatte die Stornierung des milliardenschweren Programms für die Fregatte F126 für Unsicherheit unter den Anlegern gesorgt.
Auch im MDax
Hensoldt empfahl Rieck jetzt zum Verkauf. Hoffnungen auf Vertragsabschlüsse hätten die Papiere vor dem Nato-Gipfel deutlich angetrieben, doch es sei dann letztlich kein neuer Auftrag vergeben worden.
Hensoldt ist laut Rieck zwar im Sensorbereich stark aufgestellt, aber nicht der automatische Gewinner bei Land- und Seeplattformen. Und bei landgestützten Systemen, dem Kern seiner Anlage-Story, fielen die Genehmigungen durch die deutschen Behörden nach wie vor spärlich aus. Deshalb betrachtet der Experte die kommenden Ausschreibungen mit größerer Vorsicht.
Raphael Thuin, Leiter Kapitalmarktstrategie des Vermögensverwalters Tikehau Capital, ist weiter zuversichtlich für die europäischen Rüstungsunternehmen. Zwar hätten sich deren Aktien seit Beginn des Iran-Kriegs kontraintuitiv unterdurchschnittlich entwickelt. Diese Konsolidierung jedoch stelle die langfristig positiven Aussichten nicht infrage.
Zuletzt haben die jüngsten Entwicklungen in den internationalen Krisen Thuin zufolge Fragen hinsichtlich der Fähigkeit etablierter europäischer Akteure aufgeworfen, sich an eine stärker technologiegetriebene Form der Kriegsführung anzupassen. Diese sei durch die wachsende Rolle von Drohnen, Luftabwehr und Raketen gekennzeichnet. Dennoch glaubt der Experte, dass die Fundamentaldaten intakt bleiben. Zudem sei die Planungssicherheit außergewöhnlich hoch, fuhr er fort. So betrage der Auftragsbestand von Rheinmetall fast das Achtfache des Umsatzes der letzten zwölf Monate./la/ag/jha/
Quelle: dpa-AFX