Die Krypto-Regulierung in den USA tritt auf der Stelle. Der für diese Woche erwartete Entwurf zum Clarity Act verzögert sich weiter. Senator Thom Tillis bremste die Erwartungen und kündigte an, den Text frühestens nächste Woche zu veröffentlichen. Der Grund: Die Politik ringt hinter den Kulissen um ein Detail, das über Milliarden entscheiden könnte.
Im Kern geht es um die Frage, ob Anleger für das bloße Halten von Stablecoins Belohnungen erhalten dürfen. Laut Insidern zieht der aktuelle Entwurf hier eine scharfe Linie. Wer digitale Dollar-Münzen einfach nur im Depot liegen lässt, soll leer ausgehen. Nur für „aktive“ Tätigkeiten, etwa Transaktionen, dürften Krypto-Plattformen weiterhin Renditen ausschütten.
Hinter den Kulissen treffen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite stehen die US-Banken. Sie fürchten um ihr Geschäftsmodell. Wenn Stablecoins attraktive Zinsen abwerfen, könnten Kunden massenhaft Einlagen von traditionellen Konten abziehen. Das würde die Liquidität der klassischen Institute gefährden. Entsprechend massiv ist die Lobbyarbeit der Bankenverbände.
Coinbase und die Innovationsbremse
Auf der Gegenseite formiert sich der Widerstand der Krypto-Branche. Unternehmen wie Coinbase kritisieren das geplante Verbot scharf. Sie argumentieren, dass eine solche Einschränkung die technologische Entwicklung in den USA ersticken würde. Während der GENIUS Act aus dem Vorjahr den Herausgebern von Stablecoins Zinszahlungen bereits untersagt, befanden sich Drittanbieter bisher in einer Grauzone. Diese Lücke will der Clarity Act nun schließen.
Die Fronten sind verhärtet. Auch mehrere Treffen im Weißen Haus führten seit Jahresbeginn zu keiner Einigung. Die legislative Verzögerung hat Folgen: Das ursprüngliche Ziel, das Gesetz bis Ende 2026 vollständig unter Dach und Fach zu bringen, wackelt bedenklich. Senator Tillis und seine Kollegin Angela Alsobrooks versuchen nun, einen Kompromiss zu finden, der sowohl den Sicherheitsbedürfnissen der Banken als auch dem Wachstumsdrang der Krypto-Welt gerecht wird.
Der Clarity Act bleibt ein regulatorisches Nadelöhr. Die geplante Blockade von Zinsen auf „totes Kapital“ zeigt, wie groß die Angst des traditionellen Finanzsystems vor der digitalen Konkurrenz ist. Die Zeiten, in denen Stablecoins als einfaches Sparkonto-Ersatz fungieren konnten, könnten in den USA also bald enden. Sollte der Clarity Act wie aktuell geplant umgesetzt werden, wäre dies schlecht für Coinbase, da dann die Attraktivität des Angebots sinken würde. Vorerst bleiben Anleger daher an der Seitenline.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
17.04.2026, 08:00