Der Kurs der Kryptowährung Ether zeigt sich derzeit wenig beeindruckt von den positiven Fundamentaldaten des Netzwerks. Für die britische Großbank Standard Chartered ist dies jedoch kein Grund zur Sorge, sondern eine historische Kaufgelegenheit. Die Analysten ziehen eine markante Parallele: Ethereum befinde sich heute in einer ähnlichen Lage wie Amazon nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2001.
Geoffrey Kendrick, Leiter der Digital Assets Research bei Standard Chartered, stützt seine These auf ein berühmtes Zitat von Amazon-Gründer Jeff Bezos. Dieser betonte rückblickend, dass die Aktie nicht das Unternehmen sei. Während der Amazon-Kurs damals von 113 Dollar auf 6 Dollar krachte, verbesserten sich intern sämtliche Geschäftszahlen. Kendrick sieht bei Ethereum ein identisches Muster. Der Grund: Während der Ether-Preis rund 57 Prozent unter seinem Hoch vom August 2025 notiert, bewegen sich die internen Kennzahlen des Netzwerks nahe ihrer Rekordstände.
Das Vertrauen der Bank ist massiv. Da sich die Amazon-Aktie seit dem Tief von 2001 bereinigt um das Tausendfache gesteigert hat, erwartet Kendrick eine ähnliche Aufholjagd für Ether. Es sei lediglich eine Frage der Zeit, bis der Preis den starken Fundamentaldaten folge.
Starke Zahlen hinter der schwachen Fassade
Das Transaktionsvolumen und der Gesamtwert der hinterlegten Einlagen (Total Value Locked) befinden sich auf extrem hohem Niveau. Dennoch hat das ETH-Bitcoin-Verhältnis im gleichen Zeitraum um rund 37 Prozent nachgegeben. Kendrick lässt sich davon nicht beirren und hält an seinen bullishen Prognosen fest. Er rechnet mit einem Kurs von 4.000 Dollar bis Ende 2026. Bis zum Jahr 2030 sieht er Ether sogar bei 40.000 Dollar.
Dominanz bei Stablecoins und Sachwerten
Ein zentraler Pfeiler für dieses Wachstum ist die Vormachtstellung von Ethereum bei Stablecoins und tokenisierten Sachwerten (Real-World Assets, RWA). Kendrick prognostiziert, dass der Markt für Stablecoins bis 2028 von derzeit 321 Milliarden Dollar auf rund zwei Billionen Dollar ansteigen wird. Aktuell laufen 54 Prozent aller Stablecoins über das Ethereum-Netzwerk. Diese digitalen Dollar-Pendants machen bereits ein Drittel aller Ethereum-Transaktionen aus.
Noch größeres Potenzial sieht die Bank bei den tokenisierten Sachwerten. Dieser Sektor könnte sich bis 2028 verfünfzigfachen und ebenfalls ein Volumen von zwei Billionen Dollar erreichen. Ethereum dominiert auch hier mit einem Anteil von 62 Prozent. Sollten diese Prognosen eintreffen, würde die Aktivität im Netzwerk drastisch zunehmen und den Ether-Preis zwangsläufig nach oben treiben.
Anleger brauchen derzeit Geduld, bis der Markt die inneren Werte des Netzwerks preislich honoriert. Ein Neueinstieg drängt sich beim aktuellen Chartbild allerdings nicht auf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Ethereum.
Heute, 08:45