Ein politisches Scheitern sorgt an den Krypto-Märkten für Erleichterung. Eigentlich sollte das Scheitern des sogenannten Clarity Act die Kurse nach unten drücken. Das Gegenteil ist passiert.
Der Senat stoppte das Gesetzesvorhaben am 15. September denkbar knapp. 49 Senatoren stimmten dafür, 50 dagegen. Viele Händler rechneten danach mit einem Einbruch. Doch die Verluste blieben aus.
Der gesamte Kryptomarkt stieg stattdessen von 2,65 Billionen Dollar auf rund 2,95 Billionen Dollar. Das ist ein Zuwachs von fast elf Prozent. Während Bitcoin um knapp elf Prozent kletterte, legte Ether um rund zwölf Prozent zu. Kleinere Krypto-Assets stiegen oft noch stärker.
Giftpillen im Gesetzestext vermieden
Matt Hougan, Chefanlagestratege beim Krypto-Vermögensverwalter Bitwise, liefert die Erklärung für das Phänomen. Der Grund: Die Branche verpasste zwar ein bundesweites Gesetz, entging aber schmerzhaften Einschnitten.
Der Entwurf hätte Börsen untersagt, Kunden Zinsen auf Stablecoin-Guthaben auszuzahlen. Durch das Aus können Anbieter wie Coinbase ihre Ertragsmodelle im Rahmen bestehender Regeln weiterführen. Auch etablierte Krypto-Börsen profitieren. Das Gesetz hätte Konkurrenten den Markteintritt durch nationale Lizenzen erleichtert und zugleich das Geschäftsmodell großer Plattformen beschnitten.
Behörden schaffen schnell Fakten
Entsprechend pragmatisch reagieren nun die Aufsichtsbehörden. Sowohl die Wertpapieraufsicht SEC als auch die Derivateaufsicht CFTC füllen das Vakuum mit überraschend marktnahen Entscheidungen.
Nur Tage nach der Senatsabstimmung gewährte die SEC eine fünfjährige Ausnahmegenehmigung für den Handel mit tokenisierten Aktien auf Blockchains. Kurz darauf folgte die nächste Erleichterung. Kündigt ein bestehendes Krypto-Netzwerk den Rückkauf eigener Token an, stuft die Behörde diesen Schritt nicht automatisch als regulierten Wertpapiervertrag ein.
Ein Vorteil mit Verfallsdatum
Hougan warnt allerdings vor den Nebenwirkungen dieser Entwicklung. Künftige Regierungen können Entscheidungen von Behörden schnell wieder kassieren. Ein Bundesgesetz hätte dauerhafte Sicherheit gebracht. Vorläufig gilt laut Hougan: Die Branche opferte langfristige Gewissheit für bessere, schnellere Regeln.
Das Scheitern des Gesetzes erweist sich kurzfristig als Glücksfall für die Krypto-Branche. Börsen und Anleger entgehen harten Restriktionen und profitieren von zügigen Schritten der Aufsicht. Doch der Preis dafür ist hoch. Solange die Regeln nicht gesetzlich festgeschrieben sind, bleibt die Politik das größte Klumpenrisiko für den Markt. Anleger bleiben an Bord.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
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