LVMH und Co: „Das hat uns gerade noch gefehlt“

LVMH und Co: „Das hat uns gerade noch gefehlt“
Foto: ChatGPT / Sora
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Sarina Rosenbusch Heute, 13:47 ‧ Sarina Rosenbusch
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Die Bilder aus Paris sind schwer zu verdauen. Eingeschlagene Schaufenster, leergeräumte Flagship-Stores, Vitrinen, hinter denen sonst Taschen für mehrere tausend Euro liegen. Und das Ganze mitten in der Hauptstadt der Mode. Wie groß ist der Schaden für die Luxushäuser?

Die Dimension ist größer, als man denkt. Am Wochenende traf es in Paris und anderen Städten Frankreichs vor allem die Prachtmeilen: Rue Saint-Honoré, Boulevard de la Madeleine, Avenue Montaigne. Burberry, Dior, Louis Vuitton, Céline und Lacoste gehörten zu den betroffenen Häusern. Die Zahlen schwanken je nach Quelle stark. Der Handelsverband FCD sprach zunächst von rund 1.500 Geschäften, die Regierung zählte am Montag bereits 3.000 beschädigte Läden. 

„Das hat uns gerade noch gefehlt“, so ein Manager gegenüber Vogue Business. Der Chef des Handelsverbands FCD, Carrefour-Vorstand Alexandre Bompard, schätzt den Schaden für den Handel auf mehrere hundert Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Unruhen 2023 verursachten versicherte Schäden von rund 793 Millionen Euro. 

Beute taucht schon im Netz auf

Auf Second-Hand-Plattformen wie Vinted tauchten Smartphones, Kosmetika und eine neue Louis-Vuitton-Jacke für rund 540 Euro auf. Auch in Lille und Bordeaux wurden Apple-Stores leergeräumt. Der Konzern sperrte die Geräte, sie lassen sich nicht mehr nutzen. Vinted hat verdächtige Angebote gelöscht und kündigt Kontosperren an.

Für die Luxuskonzerne selbst ist das überschaubar. Ein geplünderter Laden ist für LVMH oder Kering ärgerlich, aber kein Bilanzrisiko. Versicherungen greifen, und die Konzerne haben Reserven. Die eigentlichen Kosten tragen kleine Boutiquen und unabhängige Labels. Sie haben oft nur eine Police ohne Betriebsunterbrechungsschutz und bleiben deshalb auf entgangenen Umsätzen sitzen.

Die Burberry-Filiale in der Rue Saint-Honoré nach dem Vandalismus am Samstag
Quelle: Vogue Business
Das Ausmaß in einem Bild: Eine zerstörte Burberry-Filiale in der Rue Saint-Honoré nach dem Vandalismus am Samstag.

Schlechter Zeitpunkt

Die Stimmung ist das eigentliche Problem. Die Branche hat in den vergangenen Jahren viel Preisdisziplin verspielt. Wer seine Kundschaft über Jahre mit Preiserhöhungen strapaziert hat, sieht sich nun mit einer Protestbewegung konfrontiert, die genau dieses Gefälle zwischen Luxus und Alltag anprangert. Das ist kein Imageproblem, das man mit einer PR-Kampagne löst. Staatspräsident Macron spricht von Randalierern aus linken Randgruppen und Kriminellen und kündigte an, dass die Verantwortlichen zahlen müssen. Die Frage ist, ob die Proteste ein politisches Ventil bleiben oder die Stadtzentren dauerhaft verändern.

Dazu kommt, dass Frankreich für die Luxushäuser kein Randmarkt ist. Auf die Region entfielen zuletzt acht Prozent des LVMH-Umsatzes in den ersten neun Monaten 2026 und 9,2 Prozent des Hermès-Umsatzes im ersten Halbjahr. Zusammen mit Italien ist Frankreich der wichtigste Markt für Luxus in Europa.

Mehrere Gewerkschaften haben für den 5. November einen landesweiten Streik- und Demonstrationstag ausgerufen. Gleichzeitig läuft die Pariser Modewoche, und Art Basel Paris öffnet für das Publikum. Wenn Händler ihre Läden schließen, Personal verlegen und Ware einlagern, fehlt Umsatz, und zwar im wichtigsten Geschäftsquartal.

Die Plünderungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Schwäche in Europa ohnehin sichtbar ist. Kurzfristig ist es zwar kein Crash-Auslöser, langfristig aber ist es ein Warnsignal. Genau diese Woche veröffentlichen Moncler, Kering, Hermès, Zegna und Prada ihre Zahlen zum dritten Quartal vor. Bei den Calls dürfte die Frage nach dem Schaden im französischen Geschäft im vierten Quartal eine Rolle spielen. DER AKTIONÄR favorisiert derzeit die Papiere von Zegna und Ralph Lauren.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH, Hermès, Kering.

Die Autorin hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH.

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