23.02.2010 Frank Phillipps

Merck enttäuscht die Anleger

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Trendthema

Merck hat für 2009 ein mäßiges Zahlenwerk vorgelegt und die Prognosen der Experten in weiten Teilen verfehlt. Der operative Gewinn bricht ein, die Dividende soll gekürzt werden. Nun ruhen die Hoffnungen vor allem auf einem neuen Medikament.

Merck hat die Zahlen für das Geschäftsjahr 2009 vorgelegt. Im Berichtszeitraum setzte der Pharma- und Spezialchemie-Konzern 7,75 Milliarden Euro um. Dies entspricht einer Steigerung um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz lag damit knapp über den Schätzungen der Analysten. Vom Finanzdienstleister Bloomberg befragte Experten hatten im Durchschnitt mit einem Umsatz von 7,71 Milliarden Euro gerechnet.

Gewinn bricht ein

Enttäuschend fiel hingegen der operative Gewinn aus. Den Analystenprognosen von 1,1 Milliarden Euro stand zum Jahresende ein Ist-Wert von lediglich 649 Millionen Euro gegenüber. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um knapp 43 Prozent. Auch beim Gewinn je Aktie konnte Merck die Erwartungen des Marktes nicht erfüllen. Unter dem Strich blieb ein Plus von 4,44 Euro je Anteilschein - ein Minus von rund 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich unterhalb der Prognose von 4,59 Euro je Aktie.

Mauer Ausblick, Dividende wir gekürzt

Für das laufende Geschäftsjahr ist Merck nur verhalten optimistisch. Vorstandschef Karl-Ludwig Kley erklärte: "2010 wird entscheidend sein, wie stabil die wirtschaftlichen Erholungstendenzen sind". Die Umsätze sollen nach Angaben des Unternehmens um drei bis sieben Prozent zulegen. Beim operativen Gewinn sieht Merck eine Steigerung um 20 bis 30 Prozent. Darüber hinaus teilte der Konzern mit, dass die Dividende von 1,50 auf 1,00 Euro gekürzt werden soll.

Hoffen auf Cladribine

Die Erwartungen im Vorfeld waren schon nicht hoch, wurden aber noch einmal unterboten. Auch der verhaltene Ausblick dürfte kaum als Treibstoff für steigende Kurse bei der Merck-Aktie wirken. Die Hoffnung liegt nun vor allem auf Cladribine. Dem Medikament zur Behandlung von Multipler Sklerose trauen Analysten Milliardenumsätze zu. Allerdings lehnte die US-Gesundheitsbehörde Ende vergangenen Jahres die Zulassung vorläufig ab. Ein neuer Antrag soll zeitnah eingebracht werden. Für die EU wird im zweiten oder dritten Quartal mit einer Entscheidung gerechnet.

Kursziel wird gesenkt

Die Zahlen für 2009 sind eine echte Enttäuschung und dürften den Aktienkurs kurzfristig unter Druck bringen. Mittel- bis langfristig sind die Aussichten für Merck aber nach wie vor intakt. Katalysatoren sollten hier eine weiter anziehende Nachfrage nach Flüssigkristallen sowie die Mögliche Zulassung von Cladribine sein. Anleger sollten bei der Aktie dabeibleiben. Das Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten wird von 80 auf 75 Euro gesenkt, ein Stopp bei 56 Euro sichert die Position ab.