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Exklusivinterview mit MDAX‑Aufsteiger Elmos: „Eine echte Win‑win‑Situation“ (Teil 2)

Exklusivinterview mit MDAX‑Aufsteiger Elmos: „Eine echte Win‑win‑Situation“ (Teil 2)
Foto: Elmos
Elmos Semiconductor SE -%
Marion Schlegel Heute, 18:00 Marion Schlegel

Die AKTIONÄR-Top-Empfehlung Elmos Semiconductor steigt in den MDAX auf: Mit Wirkung zum 22. Juni werden die Aktien des Chipkonzerns neu in den MDAX aufgenommen, wie die Deutsche-Börse-Tochter ISS Stoxx am späten Mittwochabend mitteilte. DER AKTIONÄR hat die Gelegenheit für ein Exklusivinterview mit Elmos-CEO Dr. Arne Schneider genutzt. Teil 1 des Interviews lesen Sie hier. Im Folgenden finden Sie den zweiten Teil des Interviews, in dem Schneider unter anderem über die weiteren Perspektiven spricht.

DER AKTIONÄR: Kommen wir zum operativen Geschäft: Ist das starke Umsatzwachstum von über 20 Prozent im ersten Quartal als Rückkehr der „echten Nachfrage“ nach der Destocking-Phase zu sehen?

Dr. Arne Schneider: Nach der Destocking-Phase im automobilen Halbleitermarkt in den vergangenen zwei Jahren beobachten wir eine weitestgehende Normalisierung des Bestellverhaltens unserer Kunden und eine spürbare Zunahme des Auftragseingangs. Das geplante hohe Wachstum von 12 Prozent in diesem Jahr zeigt, dass die zugrunde liegende Nachfrage nach unseren Produkten intakt ist und sich nun wieder stärker in den realen Abrufen widerspiegelt. Diese positive Entwicklung wird von den langfristigen Wachstumstreibern der Automobilelektronik unterstützt. Der Halbleiteranteil pro Fahrzeug steigt kontinuierlich – getrieben durch Fahrerassistenzsysteme, autonomes Fahren, Elektrifizierung, intelligente Sensorik und softwaredefinierte Fahrzeuge. In diesen wachstumsstarken Feldern ist Elmos hervorragend positioniert. Als einer der weltweit führenden Spezialisten für Analog-Mixed-Signal-Halbleiter verfügen wir über ausgezeichnete Voraussetzungen, um von dieser Entwicklung nachhaltig zu profitieren.

Sie sprechen vom steigenden Halbleiteranteil pro Fahrzeug. Wie groß ist das Wachstumspotenzial für Elmos?

Unsere Innovationskraft in Kombination mit dem kontinuierlich steigenden Halbleiteranteil in modernen Fahrzeugen ist ein wesentlicher Treiber unseres langfristigen Wachstums. Bereits heute sind im Durchschnitt in jedem neu produzierten Fahrzeug weltweit rund zehn Elmos-ICs verbaut. In Premiumfahrzeugen können es sogar bis zu 70 Elmos-ICs sein. Mit der nächsten Generation software-definierter und zunehmend autonomer Fahrzeugplattformen sehen wir das Potenzial von bis zu 200 Elmos-ICs je Fahrzeug. Das verdeutlicht, dass unser Wachstum nicht allein von der Anzahl produzierter Fahrzeuge abhängt. Gleichzeitig eröffnet sich mit Robotics ein weiterer hochattraktiver Zukunftsmarkt. Auch hier sehen wir langfristig das Potenzial für deutlich über 100 Elmos-ICs in einem Humanoiden Roboter.

Die Bruttomarge hat trotz höherer Material- und Lieferantenkosten überraschend stark zugelegt. Welche konkreten Effizienzmaßnahmen waren hier ausschlaggebend – und wie viel weiteres Potenzial sehen Sie noch?

Die Verbesserung der Bruttomarge ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Ein wesentlicher Treiber waren Skaleneffekte infolge des gestiegenen Umsatzvolumens. Darüber hinaus profitieren wir von den erfolgreich umgesetzten Effizienzmaßnahmen bei Material und Personal. Zusätzlich haben im ersten Quartal auch einzelne Bewertungseffekte die Bruttomarge beeinflusst. Grundsätzlich sehen wir aber weiterhin Potenzial für zusätzliche Optimierungen. Als Fabless-Unternehmen arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Kostenstrukturen, Beschaffungsprozesse und unser Produktportfolio weiter zu verbessern. Gleichzeitig werden wir von Skaleneffekte aufgrund des zukünftigen Wachstums profitieren. Vor diesem Hintergrund sind wir zuversichtlich, unsere Profitabilität langfristig auf einem attraktiven Niveau weiterzuentwickeln.

Ihre EBIT-Marge nähert sich inzwischen strukturell der 25-Prozent-Marke. Halten Sie noch höhere Margen dauerhaft für erreichbar oder profitieren Sie aktuell überproportional von einem günstigen Produktmix?

Die Verbesserung der EBIT-Marge gegenüber dem Vorjahr resultiert nicht primär aus einem günstigen Produktmix, sondern vielmehr von dem höheren Volumen. Skaleneffekte und die Erfolge aus der konsequenten Umsetzung der Effizienzmaßnahmen waren entscheidend. Wie bei der Bruttomarge profitieren wir beim EBIT auch zukünftig von Skaleneffekten und weiteren Optimierungspotenzialen entlang unserer Wertschöpfungskette. Unser mittelfristiges Ziel ist eine EBIT-Marge von 25 Prozent vom Umsatz, wir sehen aber durchaus Potenzial für eine nachhaltige EBIT-Marge oberhalb von 25 Prozent. Unser Anspruch ist es, profitabel zu wachsen und die hohe Ertragskraft von Elmos langfristig weiter auszubauen.

Elmos Semiconductor (WKN: 567710)

Der Free Cashflow war im ersten Quartal 2026 außergewöhnlich stark, allerdings auch aufgrund sehr niedriger Capex und höherer Lieferanten-Verbindlichkeiten. Wie nachhaltig ist diese Cash-Generierung wirklich?

Aufgrund der niedrigen Investitionen und dem Abbau von Working Capital erreichte der bereinigte Free Cashflow im ersten Quartal 40,7 Millionen Euro oder sehr starke 26,7 Prozent vom Umsatz. Aufgrund des positiven Jahresstarts haben wir unsere Gesamtjahresprognose für den operativen bereinigten Free Cashflow daher auf nun 19 Prozent ± 2-Prozentpunkte vom Umsatz angehoben. Besonders positiv ist, dass sich unsere Cash-Generierung strukturell verbessert hat. Durch eine disziplinierte Investitionspolitik, konsequentes Working-Capital-Management sowie Steueroptimierungen schaffen wir die Voraussetzungen für eine nachhaltig hohe Cash Conversion. Unser Fokus auf einen starken Cashflow erhöht unsere finanzielle Flexibilität und ist die Grundlage für eine attraktive Kapitalallokation und langfristige Wertentwicklung für unsere Aktionäre.

Die Nachfrage aus dem KI-Sektor bindet zunehmend Kapazitäten bei Foundries und treibt die Kosten in der Halbleiterindustrie nach oben. Wie reagiert Elmos auf diese Situation?

Aktuell sehen wir insbesondere durch die sehr hohe Nachfrage aus dem KI-Bereich eine zunehmende Auslastung und teilweise Engpässe bei 8-Zoll-Waferkapazitäten. Da auch alle Elmos-Produkte auf 8-Zoll-Wafer basieren, beobachten wir diese Entwicklung sehr genau. Foundries werden ihre Kapazitäten künftig stärker auf KI-Anwendungen ausrichten. Das wird dazu führen, dass für Automotive-Anwendungen weniger freie Kapazitäten zur Verfügung stehen und zugleich die Kosten entlang der Lieferkette steigen – sowohl bei Foundries als auch bei OSAT-Partnern. In diesem Umfeld werden wir Kostensteigerungen unserer Fertigungspartner – wie in der Vergangenheit – fair an unsere Kunden weitergeben. Es ist daher zu erwarten, dass die Preise für Automotive-Halbleiter steigen werden – mehrere Wettbewerber von Elmos haben bereits Preiserhöhungen angekündigt. Wir haben während der langen Allokationsphase 2021 bis 2023 bewiesen, dass wir auch in einem angespannten Kapazitätsumfeld sehr gut handlungsfähig sind. Wir erwarten durch die aktuelle Situation daher keine wesentlichen Risiken für Elmos. Im Gegenteil, wenn Kapazitäten knapper werden, verbessert sich grundsätzlich auch das Umfeld für selektive Preisanpassungen.

Blicken wir zum Abschluss etwas weiter in die Zukunft: Der MDAX-Aufstieg wird am 22. Juni umgesetzt, wäre ein weiterer Halbleiterwert im DAX nicht auch eine Verlockung für Elmos?

Zunächst einmal freuen wir uns über die Aufnahme in den MDAX. Das ist ein wichtiger Meilenstein und eine schöne Bestätigung der positiven Entwicklung von Elmos in den vergangenen Jahren. Ob irgendwann auch der DAX ein Thema werden könnte, hängt letztlich von der langfristigen Entwicklung des Unternehmens und seiner Marktkapitalisierung relativ zu den anderen Index-Kandiaten ab. Grundsätzlich eröffnet ein höherer Streubesitz zusätzliche Möglichkeiten, die Attraktivität unserer Aktie für Investoren weiter zu steigern. Gleichzeitig befindet sich die Halbleiterindustrie in einem fortlaufenden Konsolidierungsprozess. Sollte sich in Zukunft die Gelegenheit ergeben, durch wertsteigernde Akquisitionen oder andere strategische Maßnahmen die Entwicklung von Elmos zu beschleunigen, würden wir diese selbstverständlich prüfen. Heute liegt unser Fokus jedoch klar auf profitablem organischem Wachstum. Alles Weitere wäre zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation.

Herr Schneider, vielen Dank für das Interview.

Die Aktie von Elmos hat sich in den vergangenen Monaten bereits extrem stark entwickelt. AKTIONÄR-Leser liegen seit der Empfehlung bereits gut im Plus. DER AKTIONÄR bleibt weiterhin optimistisch, was die weitere Entwicklung angeht. Der Aufwärtstrend der Aktie dürfte in den kommenden Wochen fortgesetzt werden.

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