Der deutsche Aktienmarkt hat am Pfingstmontag den Turbo gezündet. Nach den jüngsten Sorgen um den Iran-Konflikt kehrten die Käufer mit voller Kraft zurück. Der Dax schloss mit einem deutlichen Plus von 2,01 Prozent bei 25.389 Punkten. Damit fehlen dem deutschen Leitindex nur noch wenige Zähler bis zu seinem Rekordhoch von Mitte Januar bei 25.508 Punkten. Auch in der zweiten Reihe herrschte Feierstimmung: Während der MDax um 2,18 Prozent auf 32.807 Punkte kletterte, markierte der SDax mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent sogar einen neuen historischen Höchststand.
Der Grund für den plötzlichen Optimismus liegt in Washington und Teheran. US-Präsident Donald Trump signalisierte über seine Plattform Truth Social Fortschritte bei den Verhandlungen zur Beendigung des Iran-Kriegs. Ein Rahmenabkommen sowie die Wiederöffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus stünden demnach kurz bevor. Trump mahnte zwar zur Geduld, doch am Markt überwog die Erleichterung. Entsprechend reagierten die Rohstoffmärkte: Die Ölpreise gaben spürbar nach, was die Inflationssorgen der Anleger dämpfte. Experten wie Timo Emden von Emden Research bleiben jedoch vorsichtig. Zu oft hätten geopolitische Rückschläge in der Vergangenheit kurzfristige Rallys wieder abgewürgt.
Reiseaktien heben ab
Besonders deutlich profitierten Unternehmen, deren Geschäftsmodell sensibel auf den Ölpreis reagiert. Sinkende Kerosinkosten beflügelten die Luftfahrtbranche. Der Triebwerksbauer MTU setzte sich mit einem Plus von 6,1 Prozent an die Spitze des Dax. Auch Airbus legte um 2,8 Prozent zu. Im MDax zeigten Lufthansa und der Reisekonzern Tui mit Zuwächsen von 3,6 und 4,9 Prozent eine starke Performance. Anleger wetten darauf, dass die Normalisierung der Lage im Nahen Osten die Reiselust weiter ankurbelt und die Kostenstrukturen der Airlines entlastet.
Bieterkampf um Delivery Hero
Abseits der Weltpolitik sorgte eine handfeste Übernahmeschlacht für zweistellige Kursgewinne. Die Aktie von Delivery Hero schoss um fast 12 Prozent auf 37,60 Euro nach oben. Auslöser ist das massive Interesse aus den USA. Nachdem Uber bereits ein Angebot von 33 Euro je Aktie angedeutet hatte, bringt sich nun offenbar auch der Rivale Doordash in Stellung. Marktberichten zufolge könnte Uber bereit sein, bis zu 38 Euro zu zahlen, um den Konkurrenten auszustechen. Für Delivery Hero war es der elfte Gewinntag in Folge. Innerhalb von nur zwei Wochen hat sich der Börsenwert des Essenslieferanten damit fast verdoppelt.
Bayer gerät in Brasilien unter Druck
Nicht alle Titel konnten an der Rally teilnehmen. Die Papiere von Bayer verloren 0,3 Prozent und bildeten das Schlusslicht im Dax. Der Grund: In Brasilien droht neuer juristischer Ärger um den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat. Die dortige Staatsanwaltschaft strebt ein Verbot des Mittels an und hat Klage gegen die Behörden und die Regierung eingereicht. Für den Chemiekonzern ist dies ein weiterer Dämpfer in einer ohnehin schwierigen Gemengelage aus US-Rechtsstreitigkeiten und operativen Herausforderungen.
Heute, 18:03