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Foto: Daimler AG - Global Communicatio, Daimler AG
26.02.2018 Martin Mrowka

Daimler: Sorgenfalten im Management nach Geely-Einstieg

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Daimler

Nun also doch. Der chinesische Autobauer Geely hat sich mit knapp zehn Prozent an Daimler beteiligt und ist steigt damit zum größten Einzelaktionär beim DAX-Konzern auf. Während der Geely-Kurs zum Wochenstart in die Höhe schnellt, zeigt der Daimler-Kurs Ernüchterung. 

Obwohl seit Wochen laut darüber spekuliert wurde, sieht man im Daimler-Management derzeit viele bleiche Gesichter. Besorgnis und Verunsicherung macht sich breit, nachdem am späten Freitag die Nachricht kam, dass Milliardär, Volvo-Besitzer und Geely-Chef Li Shufu aus dem Stand heraus zum Hauptaktionär bei Daimler wird. Man hatte in Stuttgart eine Beteiligung von fünf bis sechs Prozent befürchtet - tatsächlich wurden es sogar 9,7 Prozent. "Das ist weitaus mehr, als wir erwartet hatten", zitiert das Handelsblatt einen Mitarbeiter aus dem Konzern.

Daimler kalt erwischt

Offenbar hat Geely die vorgesehenen gesetzlichen Meldeschwellen von drei und fünf Prozent komplett übersprungen. Dies sei mithilfe von Derivate-Geschäften sowie zweier US-Banken gelungen, schreibt das Handelsblatt. Li Shufu verfolge anders als die bisherigen Großaktionäre eine eigene Agenda und stelle Ansprüche. So fordere er laut Industriekreisen einen Platz im Aufsichtsrat von Daimler sowie eine Kooperation zwischen seinen Unternehmen und Daimler bei Elektroautos. Wenigstens den Aufsichtsrats-Sitz wolle der Daimler-Vorstand unbedingt verhindern. Denn in dem Gremium werde über die künftigen Strategien und die neuesten Modelle beraten. Diese Überlegungen könnten nicht mit einem Vertreter eines Wettbewerbers geteilt werden.  

Li sicherte den Schwaben ein auf Dauer angelegtes Engagement zu. Er freue sich, "Daimler auf dem Weg zu einem der weltweit führenden Anbieter von Elektromobilität zu begleiten", heißt es in einer Mitteilung lakonisch. Li begründete seinen Einstieg bei Daimler auch mit den Angriffen etwa aus der IT-Branche bei Themen wie dem autonomen Fahren und neuen Services: "Die Wettbewerber, die uns im 21. Jahrhundert technologisch herausfordern, kommen nicht aus der Autoindustrie." Damit könnte zum Beispiel das Google-Schwesterunternehmen Waymo zählen.

Nach Meinung von Li werden auf Dauer nur etwa zwei oder drei Hersteller den Wandel der Branche überleben. Deshalb habe er Zugang zu einem Konzern mit einem technologischen Vorsprung gesucht, verlautete aus seinem Umfeld. Die Bundesregierung sieht derweil keinen Handlungsbedarf. In den kommenden Tagen werde sich der Wirtschaftsberater der Bundesregierung, Lars-Henrik Röller, mit Li Shufu treffen.

Ausbau der Kooperation mit BAIC

Wozu das Ganze? Geely könnte mit Daimler zusammen den spannenden chinesischen E-Mobility-Markt aufrollen. Die Stuttgarter sind bereits eng auch mit anderen Firmen in China vernetzt. Am Sonntag hatte der DAX-Konzern seinerseits eine weitere Milliarden-Investition im Reich der Mitte angekündigt. Gemeinsam mit dem langjährigen chinesischen Partner (und Geely-Konkurrenten) BAIC will Daimler die Produktionskapazitäten der Marke Mercedes-Benz ausbauen, um die steigende Nachfrage besser bedienen zu können. Die Unternehmen investieren dazu rund 1,9 Milliarden US-Dollar (1,54 Millionen Euro), wie BAIC gegenüber der Börsenaufsicht in Hongkong mitteilte. 

Es sollen diverse Mercedes-Modelle gefertigt werden - auch Elektroautos, für die es in China mittlerweile Quoten-Vorgaben gibt. Damit soll die Produktionskapazität des Gemeinschaftsunternehmens von Daimler und BAIC - Beijing Benz Automotive - erhöht werden.

Daimler aussichtsreich

Die Daimler-Aktie $DE0007100000 reagierte am Montag in freundlichem DAX-Umfeld mit einem deutlichen Kursabschlag auf unter 70 Euro, bleibt aber langfristig aussichtsreich. Die Geely-Aktie $KYG3777B1032 hingegen schoss um gut sieben Prozent auf 2,69 Euro nach oben. Wenigstens das erste Abstauber-Limit bei 2,20 Euro war am 9. Februar erreicht worden. Engagierte Anleger geben kein Geely-Stück aus der Hand.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Aktien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR. 

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