Erstmals seit Juli notiert die Rheinmetall-Aktie wieder im dreistelligen Kursbereich unter der 1.000-Euro-Marke. Mit einem Minus von rund zwei Prozent ist der Rüstungskonzern am Donnerstag im frühen Handel der stärkste Verlierer im DAX. Eine negative Analystenstudie belastet, doch der Abverkauf geht darüber hinaus.
JPMorgan hat Rheinmetall mit „Negative Catalyst Watch“ eingestuft und damit für Verkaufsdruck bei der Aktie gesorgt. Die Experten zeigen sich vor dem anstehenden Kapitalmarkttag im November skeptisch. Befürchtet wird ein neuer Mix bei den Umsatzzielen, was mit weniger Erlösen bei den traditionellen Rüstungsgütern wie Munition oder bemannten Fahrzeugen einhergehen könnte. Diese seien aber profitabler als die neuen Produkte aus den Bereichen Drohnen, autonome Waffensysteme und Weltraum. Zudem würden die Erlöse hier eher aus Gemeinschaftsunternehmen stammen, weshalb JPMorgan von geringeren Ergebnissen in der Konzernbilanz ausgeht.
Ein weiterer Belastungsfaktor bleibt der deutliche Sieg der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt. Auch auf Bundesebene kommt die Partei derzeit auf rund 28 Prozent. Steigt der Einfluss der AfD, könnte dies für einen weiteren Abverkauf bei Rheinmetall und Co sorgen. Hintergrund: Die Rechtsaußenpartei steht zwar für eine Aufrüstung der Bundeswehr ein. Die Ukraine-Hilfen lehnt sie aber ab. Sanktionen gegen Russland sollen gelockert werden und auch gegen das Sondervermögen für die Bundeswehr hatte die Partei gestimmt.
Hinzu kommt, dass der russische Staatschef Wladimir Putin zuletzt erklärt hat, dass US-Präsident Donald Trump „bereit für eine positive und konstruktive Zusammenarbeit“ sei. „Es besteht die Chance auf konstruktive Friedensgespräche.“ Da gerade in der Ukraine im Gegensatz zum Iran-Krieg, bei dem vor allem Drohnen und Flugabwehr gefragt sind, eine enorme Nachfrage nach Munition und gepanzerten Fahrzeugen herrscht, drückt das bei Rheinmetall ebenfalls auf die Stimmung.
Die AfD, die Ukraine und vorsichtiger werdende Analysten sind eine toxische Mischung für eine Branche, die jahrelang an der Börse nur den Weg nach oben kannte. Durch das Unterschreiten der 1.000-Euro-Marke hat sich das Chartbild weiter eingetrübt. Vor einem Neueinstieg sollten Anleger frische Impulse abwarten. Investierte Anleger beachten den Stopp bei 750 Euro.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Autor hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Rheinmetall.
Heute, 09:05
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