Die Hoffnung auf ein Ende des Irankriegs hat seit Freitagabend einen herben Dämpfer erhalten. Nur wenige Stunden nach Signalen der Entspannung hat der Iran die strategisch lebenswichtige Straße von Hormus wieder komplett abgeriegelt. Damit dürfte sich die Volatilität der vergangenen Handelstage auch in der neuen Woche fortsetzen.
Das diplomatische Tauziehen zwischen Washington und Teheran gleicht einer Achterbahnfahrt. Nachdem US-Präsident Donald Trump noch am Freitag optimistisch verkündet hatte, ein Friedensdeal sei „sehr nah“ und die Straße von Hormus bereits „offen“, folgte am Wochenende die Ernüchterung. Teheran revidierte die Entscheidung zur Öffnung in weniger als 24 Stunden.
Teheran reagiert auf US-Blockade: „Töricht und ignorant“
Der Grund für die erneute Schließung: Die USA halten ihre Seeblockade iranischer Häfen aufrecht. Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf bezeichnete das Vorgehen Washingtons als „töricht und ignorant“. Die Konsequenz ist drastisch: Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben das Kommando in der Meerenge wieder übernommen und drohen offen mit Angriffen auf jegliche Schiffe, die sich der Passage nähern.
Dass dies keine leeren Drohungen sind, zeigte ein Zwischenfall am Samstag: Iranische Kanonenboote nahmen einen Tanker rund 37 Kilometer nordöstlich von Oman unter Beschuss. Die britische UKMTO bestätigte den Vorfall. Die Botschaft der Revolutionsgarden ist unmissverständlich: Jede Annäherung an die Straße von Hormus werde als „Kooperation mit dem Feind“ gewertet.
Für die Energiemärkte ist die Straße von Hormus das Nadelöhr schlechthin – rund ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs passieren diese Route. Die erneute Blockade sorgt für massive Unsicherheit. Bereits am Donnerstag brach ein Konvoi aus 20 Handelsschiffen, darunter Riesen der französischen Reederei CMA CGM, den Versuch ab, die Passage zu durchqueren. Sollte die Straße von Hormus gesperrt blieben dürfte dies die Ölpreise, die zuletzt deutlich nachgegeben hatten, erneut steigen lassen.
Donald Trump ließ die jüngsten Provokationen aus Teheran nicht unkommentiert. Am Rande einer Veranstaltung im Weißen Haus erklärte er: „Sie können uns nicht erpressen.“ Trump drohte zudem unverhohlen damit, die aktuelle Waffenruhe, die am kommenden Mittwoch ausläuft, nicht zu verlängern. „Dann werden wir leider wieder anfangen müssen, Bomben zu werfen“, so der US-Präsident. Die US-Seeblockade gegen iranische Häfen werde in jedem Fall bestehen bleiben. Für die Ölmärkte ist dies ein klares Signal: Die Risikoprämie bleibt nicht nur bestehen, sie könnte sich in den nächsten 72 Stunden drastisch erhöhen.
Nachdem die Wall Street am Freitag ihre Rekordjagd fortgesetzt hat, könnte man Montag Ernüchterung folgen. Der Broker IG taxiert den Nasdaq 100 am Sonntag rund 0,7 Prozent tiefer. Auch der DAX wird am Wochenende rund 0,5 Prozent schwächer taxiert. Kurzum: Der Irankrieg hat die Märkte weiter in Griff und dürfte erneut für wilde Kursausschläge sorgen.
Heute, 13:13