08.05.2020 Marion Schlegel

DAX: Positive Wochen-Performance dank starkem Wochen-Endspurt

-%
DAX

Am deutschen Aktienmarkt sind die Anleger am Freitag zuversichtlich geblieben. Der sehr schwache US-Arbeitsmarktbericht für April beeinflusste die Kurse kaum, zumal die Daten des privaten Arbeitsmarktdienstleisters ADP bereits zuvor Schlimmes hatten ahnen lassen. Der DAX schloss 1,35 Prozent höher bei 10.904,48 Punkten, womit sich für den deutschen Leitindex im Wochenverlauf ein Plus von 0,39 Prozent ergibt. Für den MDAX der mittelgroßen Werte ging es am Freitag um 0,94 Prozent auf 23.965,21 Punkte nach oben.

DAX (WKN: 846900)

Die Anleger fokussierten sich vor allem weiter auf die Bekräftigung der beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China, trotz der Spannungen über den Auslöser der Pandemie an den Teilvereinbarungen im Handelskrieg festhalten wollen. Zudem nimmt "das weltweite große Wiedereröffnen Gestalt an", wie Analyst Stephen Innes vom Broker Axicorp schrieb. Denn immer mehr Staaten lockern die Restriktionen, die sie wegen der Pandemie erlassen hatten.

Gleichwohl ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den USA wegen der Coronavirus-Pandemie so verheerend wie seit Beginn des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Die Daten vom Jobmarkt seien allerdings auf den zweiten Blick nicht ganz so schlimm wie befürchtet, hieß es am Markt. Nun gelte es vor allem die Wirkung der von der Regierung ergriffenen Maßnahmen abzuwarten. "Mit einer Wiederbelebung der Konjunktur ist wohl erst in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen", schrieb Analyst Patrick Boldt von der Landesbank Helaba.

Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein ergänzte: Der Anstieg der Arbeitslosenquote von 4,4 Prozent im März auf 14,7 Prozent dürfte womöglich noch höher liegen, denn die Arbeitsämter seien momentan überfordert, die ganzen Anträge zu bearbeiten. Wesentlicher aber sei das epochale Ausmaß der Krise und das, was diese mit den US-Bürgern noch machen werde.

Hierzulande gab es zumindest einige erfreuliche Quartalsberichte von Unternehmen. Im DAX etwa zogen die Aktien von Siemens um 4,8 Prozent an. Starke Geschäfte in einigen Sparten des Industriekonzerns, ein besser als erwarteter Ausblick und eine angekündigte Ausgliederung von Unternehmensbereichen hatten die Papiere beflügelt.

Siemens (WKN: 723610)

An der DAX-Spitze schnellten die Anteilscheine von HeidelbergCement um 5,6 Prozent nach oben. Analyst Marc Gabriel vom Bankhaus Lampe sieht den Zementhersteller gestärkt aus der Virus-Krise hervorgehen.

HeidelbergCement (WKN: 604700)

Die Lufthansa-Papiere hingegen zählten mit einem Minus von rund einem Prozent zu den schwächsten Werten. Der Zwischenstand zu den laufenden Rettungsverhandlungen mit der Bundesregierung war unter anderem beim Analysehaus Bernstein nicht gut angekommen. Die Ankündigungen seien düster gewesen, allerdings versteckt in den technischen Details, urteilte der Experte Daniel Roeska. Seines Erachtens laufen die Rettungsgespräche nicht rasch genug.

Deutsche Lufthansa (WKN: 823212)

(Mit Material von dpa-AFX)

Buchtipp: Narrative Wirtschaft

„Tech-Aktien steigen immer!“ „Immobilien­preise fallen nie!“ Stimmt das wirklich? Ob wahr oder nicht, solche Narrative, oder einfacher gesagt Geschichten, beeinflussen das Verhalten von Menschen und somit auch die Wirtschaft massiv. Wie entstehen Narrative? Wie gehen sie viral, wie gewinnen sie an Einfluss, wann verlieren sie diesen wieder? Welche Auswirkungen haben sie? Und, last, but not least: Wie lassen sich mit ihnen ökonomische Zusammenhänge und Entwicklungen besser verstehen und vorhersagen? Diese Fragen untersucht Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert J. Shiller in seinem vielleicht wichtigsten Buch.

Autoren: Shiller, Robert J.
Seitenanzahl: 480
Erscheinungstermin: 16.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-666-0