++ 5 Aktien auf Rebound-Kurs ++

Audi schlägt Tesla beim Roboterauto – First Sensor profitiert

Audi schlägt Tesla beim Roboterauto – First Sensor profitiert
Foto: Börsenmedien AG
First Sensor AG - %
Florian Söllner 08.09.2017, 15:08 ‧ Florian Söllner
Logo: DER AKTIONÄRJetzt bei Google bevorzugen
Top-Analysen. Direkt für Sie. Bei Google.
  • Unsere Analysen ganz oben bei Google
  • Kostenlos schneller informiert
  • Jederzeit anpassbar

Der tapferste Mensch wird nervös, sobald er das Lenkrad loslässt. Wer schon als Beifahrer zum Phantombremsen neigt und sich laufend fragt: „Sieht der Fahrer, dass vor uns Autos bremsen? Hat er das hüpfende Kind am Straßenrand bemerkt?“, der will auch beim Roboterauto der Zukunft ganz genau wissen: Kann ich mich an Bord zurücklehnen, Aktien traden oder schlafen – sieht das Auto wirklich alles? Ja! Viel mehr als jedes menschliche Auge. Neben hochauflösenden Kameras tasten sich Auto mit klassischem Radar durch den Verkehr. Hinzu kommt ein Laserscanner (LIDAR). Der Clou: Aus den Spektralfarben des zurückgeworfenen Lichts kann abgeleitet werden, wie weit ein Reh entfernt ist und in welche Richtung es läuft.

Der vermeintliche Vorreiter Tesla vermittelt Kunden den Eindruck, hochautomatisiertes Fahren in Level 4 und 5 primär nur mit Kameraaugen erreichen zu können, und spart sich bisher ein LIDAR-System in seinen Autos. Geht Roboterauto auch ohne LIDAR?

Audi ist überzeugt: Nein. In seinem neuesten Flaggschiff, dem Audi A8, will man wieder einmal „Vorsprung durch Technik“ beweisen: Audi nutzt für das pilotierte Fahren als erster Automobilhersteller überhaupt einen Laserscanner. Damit erreicht Audi Level 3. Das heißt, die Hände können permanent vom Lenkrad, das Auto sieht und steuert selbst. Audi zeigt sich im Hintergrundgespräch mit dem aktionär überzeugt: Einen wirklich sicheren „Autopiloten“ kann es nur mit LIDAR-Hardware geben. Auch Hedgefondsmanager Mark Spiegel sagte im Gespräch mit dem aktionär: „Alle Experten, die ich kenne, sagen: Du kannst Level 4 und Level 5 nicht sicher ohne LIDAR umsetzen.“ Gegenüber dem aktionär bestätigte der Pionier für Künstliche Intelligenz, Prof. Sepp Hochreiter: Nicht Tesla ist technologisch führend, sondern der Ansatz von Firmen wie Audi wegweisend für das Ziel, Autos hochintelligent und zum „Chauffeur“ zu machen.

Und Tesla selbst? Äußert sich zum Thema LIDAR auf Nachfrage gar nicht. Möglicher Grund: Will man heimlich doch noch auf den LIDAR-Zug aufspringen? Ein erster Testwagen von Tesla soll mittlerweile mit LIDAR-Scanner entdeckt worden sein.

Roboterauto-Boom

Sicher ist: Quasi alle großen Hersteller werden in den nächsten Jahren LIDAR-Scanner verbauen. Auf Teststrecken sind Google, Ford oder Daimler damit schon längst unterwegs. Oft dabei: Technologie aus Berlin. Zur Messung der LIDAR-Lichtpulse bietet First Sensor hochempfindliche Avalanche-Fotodioden (APD) an. Laut Aussagen des First-Sensor-Vorstands (siehe Interview oben) beherrscht First Sensor die Verarbeitung des Laserlichts besser als jeder Konkurrent. Schon jetzt machen LIDAR-Systeme zehn Prozent der Gesamtumsätze des Sensor-Spezialisten aus – eine Vervielfachung dieser Erlöse beim Hochlaufen der Massenproduktion von selbstfahrenden Autos scheint vorprogrammiert. Das Center Automotive Research etwa erwartet, dass sich der Markt für Assistenten und automatisiertes Fahren bis 2030 auf über 300 Milliarden Euro verzehnfacht.

Ergänzt um andere Produkte wie Kameras und Fahrassistenzsysteme erzielt First Sensor schon ein Drittel des Gesamtumsatzes im Bereich Mobility.

Neue Chancen sieht man bei der Ausrüstung von Drohnen. First Sensor hat hierfür mit Fotodioden/LIDAR-Kameras und Inertial (Navigation) die richtigen Produkte im Regal. „Aus Asien verzeichnen wir eine steigende Nachfrage und führen erste Gespräche“, so die Berliner, die besonders beim Einsatz von professionellen Drohnen für industrielle Inspektion (Öl, Gas, Energie, Infrastruktur, Verkehr) Perspektiven sehen.

Selbst im Weltall schwebt bald Know-how von First Sensor: Im Juli wurde gemeldet, dass der ab 2021 startende Kommunikationssatellit „Heinrich Hertz“ über eine Antenne der Berliner Kontakt zur Erde herstellt.

Ruhe vor dem LIDAR-Sturm

Solche Prestigeaufträge unterstreichen: First Sensor ist eine reinrassige Technologiefirma. Dass sie nur mit weniger als dem einfachen Jahresumsatz bewertet wird, liegt an einem operativen „Unfall“. Ein Kamera-Projekt mit einem Großkunden aus der Autobranche ist ausgelaufen, weswegen First Sensor beim Umsatz und Auftragseingang stagnierte.

Doch man muss keine Laseraugen haben, um zu erkennen: Am Horizont warten große Chancen für neues Wachstum auf die Berliner, was auch die Profitabilität erhöhen wird. First-Sensor-Chef Rothweiler will „Wachstum zeigen und gleichzeitig die Marge sichtbar erhöhen“. Bereits im zweiten Halbjahr 2017 dürfte sich die Lage spürbar aufhellen.

Mit vielversprechenden Kundengesprächen im Bereich LIDAR im Rücken blickt Rothweiler mit leuchtenden Augen nach vorne: „Wir haben den Anspruch, die Firma und Aktie weiter voranzubringen. Wir haben große Ziele.“

Gute Fahrt mit LIDAR-Weitblick

Ein kurzer Blick auf die Zahlen des alten Quartals von First Sensor: Keine Bewegung. Doch wie ein Auto mit LIDAR-Laser weit entfernte Aktivitäten erkennt, lohnt sich auch hier der Blick nach vorne: Wachstum mit LIDAR nähert sich rasant. Blind darauf vertrauen, dass die Aktie ihren Weg findet, kaufen und sich als aktionär schlafen legen, bleibt riskant. Aber einsteigen und im Level-3-Modus (gelegentliche Checks) auf First Sensor vertrauen, ist eine gute Idee.

(Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 37/2017 in der Rubrik "Top-Tipp Spekulativ" erschienen)

Behandelte Werte

Name Wert Veränderung
Heute in %
First Sensor - €
Tesla - €

Aktuelle Ausgabe

Die Rebound-Chance: 5 Tech-Aktien im Check

Nr. 46/26 8,90 €
Paypal Sofortkauf Im Shop kaufen Sie erhalten einen Download-Link per E-Mail. Außerdem können Sie gekaufte E-Paper in Ihrem Konto herunterladen.

Buchtipp: Die Hyper-Strategie

Was macht Tesla und SpaceX so erfolgreich – und was können andere Unternehmen daraus lernen?

In „Die Hyper-Strategie“ gewährt Jon McNeill Einblicke in seine Zeit als President von Tesla und stellt Elon Musks berühmtes 5-Stufen-Modell zur Problemlösung und Prozess­optimierung im Detail vor. Die fünf Schritte: Vorgaben hinter­fragen, Überflüssiges streichen, Prozesse vereinfachen und optimieren, Zykluszeiten verkürzen, zuletzt ­automatisieren. Anhand zahlreicher Fallstudien wird deutlich, wie Unternehmen jeder Größe diese Prinzipien in die Praxis umsetzen können. So entsteht ein kon­kreter Bauplan, um Tempo, Effizienz, Innovation und Wachstum zu fördern.

Ein praxisnaher Leitfaden für Führungskräfte, die den Status quo hinterfragen, Ideen konsequent verwirk­lichen und eine neue Ära der Innovation und Schaffung von Arbeitsplätzen mitgestalten wollen.

Die Hyper-Strategie

Autoren: McNeill, Jon
Seitenanzahl: 160
Erscheinungstermin: 25.02.2027
Format: Klappenbroschur
ISBN: 978-3-68932-129-1

Preis: 22,90 €