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09.04.2021 Nikolas Kessler

Bitcoin & Co: Die dunkle Seite der Kryptowährungen

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Bitcoin

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind angetreten, die (Finanz-) Welt zu revolutionieren. Wer frühzeitig auf die bahnbrechende Technologie gesetzt hat, konnte damit bereits unglaublich viel Geld verdienen. Doch der Krypto-Boom hat auch Schattenseiten – allen voran den enormen Energieverbrauch. Ausgerechnet aus China droht deshalb nun Gegenwind.

Die Blockchain-Technologie hinter dem Bitcoin und vielen weiteren Kryptowährungen ist revolutionär: Sie kommen ohne Notenbanken oder Kontrollinstanzen aus, sondern sind vollständig dezentral. Das sogenannte Mining, bei dem Bitcoin-Transaktionen verifiziert und neue Einheiten der Kryptowährung geschaffen werden, ist allerdings wahnsinnig energieintensiv. Nach Berechnungen der University of Cambridge verschlingt der Betrieb des Bitcoin-Netzwerks aktuell rund 128,8 Terrawatt-Stunden pro Jahr – was den Energiebedarf ganzer Länder wie Argentinien und der Ukraine übertrifft.

In den Anfangstagen konnte jeder mit einem handelsüblichen PC in seinem Wohnzimmer eigene Coins schürfen, doch inzwischen ist daraus eine Milliardenindustrie geworden. Heute erfolgt das Mining in gigantischen Rechenzentren, wo tausende spezialisierte Rechner rund um die Uhr kryptografische Berechnungen lösen. Mehr als 75 Prozent dieser Mining-Pools stehen in China, wo Energie günstig und der Zugang zur erforderlichen Hardware einfach ist. Doch genau das könnte nun zum Problem werden.

Um Ziele zu erreichen, müsste China durchgreifen

Laut einer Untersuchung von Forschern aus China, Großbritannien und den USA, die in dieser Woche im Fachjournal Nature Communications veröffentlich wurde, könnte das exzessive Krypto-Mining die Klimaziele der chinesischen Regierung gefährden. Die sehen laut Präsident Xi Jinping vor, dass die Spitze des CO2-Ausstosses im Jahr 2030 erreicht und das Land bis 2060 CO2-neutral wird.

Dass der Energieverbrauch der chinesischen Mining-Farmen laut der Studie bis 2024 auf fast 300 Terrawatt-Stunden und der daraus resultierende CO2-Aussoß auf 130 Millionen Tonnen steigen wird, könnte diese Ziele torpedieren. Ohne „angemessene Intervention“ der Regierung würde das die chinesischen und globalen Anstrengungen zur Emissionsreduktion untergraben, warnen die Forscher.

Tatsächlich werden in der Inneren Mongolei erste Mining-Farmen geschlossen und der Bau neuer Projekte untersagt, weil die Region im Jahr 2019 die Vorgaben aus Peking zum Energieverbrauch nicht einhalten konnte. Gut möglich also, dass die chinesische Regierung auch in anderen Regionen durchgreift.

Alles halb so wild?

An der Studie gibt es allerdings auch Kritik. Andere Forscher und Branchenvertreter bemängeln, dass wichtige Daten fehlten – beispielsweise zum konkreten Energie-Mix in den betreffenden Regionen. Viele Mining-Firmen siedeln sich gezielt in regenreichen Regionen des Landes an, wo billige Energie aus Wasserkraft und anderen erneuerbaren Quellen im Überfluss zur Verfügung steht.

Zudem ist fraglich, ob die chinesische Regierung tatsächlich ein Interesse an einem Mining-Verbot hat. Entsprechende Pläne gab es im Jahr 2019 schon einmal, sie wurden allerdings schnell wieder gekippt. Hinzu kommt, dass das Mining für chinesische Unternehmen durchaus lukrativ ist. Noch einen Schritt weiter ging Tech-Investor Peter Thiel, der im Bitcoin sogar eine potenzielle „chinesische Finanz-Waffe gegen die USA“ sieht (DER AKTIONÄR berichtete).

Meldungen und Spekulationen über Krypto- oder Mining-Verbote gibt es immer wieder. Sie sorgen für Unsicherheit unter den Marktteilnehmern und tragen zur vergleichsweise hohen Volatilität des Bitcoin bei. Auch denn die Energiebilanz der Kryptowährung sicher ausbaufähig ist, hält DER AKTIONÄR an der spekulativen Kaufempfehlung für den Bitcoin fest.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Bitcoin.

Autor Nikolas Kessler ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Bitcoin.

Aktien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "AKTIONÄR Depot" von DER AKTIONÄR.

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