Mega‑Boom‑Aktien: Früh dran sein, Chancen nutzen!
22.09.2020 Fabian Strebin

Werkzeuge für die Börse - Börsen-Know-how Teil 2

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DAX

Im zweiten Teil der Einsteigerserie geht es unter anderem um die Dividende. Anleger erfahren, warum nicht nur die absolute Höhe attraktiv ist.

In der vergangenen Ausgabe startete DER AKTIONÄR eine Artikelreihe zu den verschiedenen Bewertungskennziffern von Aktien. Dabei wurden mit dem Kurs-Buchwert-Verhältnis, dem Kurs-Umsatz-Verhältnis und dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) die bekanntesten und traditionellen Kennziffern vorgestellt. In diesem Teil wird das KGV mit der Price/Earnings to Growth Ratio ergänzt. Außerdem sprechen wir über die Dividende.

Dem KGV Beine machen

Das KGV wurde vergangene Woche bereits als die am häufigsten verwendete Kennzahl vorgestellt. Dabei wird der aktuelle Kurs ins Verhältnis zum Nettogewinn je Anteilschein gesetzt. Bildlich gesprochen gibt das KGV an, wie viele Jahre es dauert, bis der Kaufpreis der Aktie durch die jährlichen Gewinne des Unternehmens wieder vereinnahmt wird. Ebenfalls besprochen wurde, dass die Kennzahl immer im Peergroup-Vergleich betrachtet werden sollte. Value-Investoren wie Warren Buffett bevorzugen beispielsweise niedrigere KGVs. Aber ein hohes KGV alleine ist noch kein Grund, eine Aktie links liegen zu lassen, da Wachstumsunternehmen häufig höhere KGVs zugebilligt werden. Der Grund dafür ist die Annahme, dass die Firmen in die höhere Bewertung hineinwachsen können.

Immer auf die Peers schauen

Hier knüpft die Price/Earnings to Growth Ratio (PEG-Ratio), zu Deutsch Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnis, an. Es ergänzt das klassische KGV, das mit dem erwarteten Gewinnwachstum der kommenden Jahre ins Verhältnis gesetzt wird. Dabei werden meist die kommenden drei bis fünf Jahre herangezogen, was das Gewinnwachstum angeht. 

Ein Wert von 1 bedeutet demnach, eine Aktie ist nach der PEG-Ratio fair bewertet. Folglich wäre eine Aktie mit einem Wert unter 1 unterbewertet und damit ein Kauf. Die PEG-Ratio zeigt also, dass eine Aktie mit einem vergleichsweise hohen KGV – zum Beispiel höher als der Peergroup- Schnitt – nicht überbewertet sein muss. Höhere Gewinnwachstumsraten als bei den Konkurrenten können dazu führen, dass die Aktie nach einer gewissen Zeit ein niedrigeres KGV aufweist als die Peergroup. Die PEG-Ratio eignet sich grundsätzlich für junge Wachstumswerte – hier kann es bei der Interpretation des KGV hilfreich sein. Weniger eindeutige Signale ergeben sich bei reifen Unternehmen. Wie bei allen Kennzahlen eignet sich die Ratio am besten in der Peergroup-Analyse zusammen mit dem KGV.

Der neue Zins: Die Dividende?

Der DAX ist der bekannteste deutsche Börsenindex, doch es gibt nicht den einen DAX. Das Kursbarometer, das in aller Munde ist, ist der Performance-Index. Er misst die Performance der Kurssteigerungen plus reinvestierter Dividenden. Seit 1988 stehen hier 1.050 Prozent zu Buche. Eine Investition in den DAX-Kursindex – ohne Dividenden – hätte nur knapp über 400 Prozent eingebracht. Das Beispiel zeigt: Dividenden machen mitunter einen guten Teil der Gewinne an der Börse aus. Doch worauf müssen Anleger hierbei achten?

So kommen Sie an die Kohle

Dividenden sind ausgeschüttete Gewinne. Sie werden in Deutschland meist jährlich, in den USA häufig vierteljährlich gezahlt. Die Hauptversammlung, auf der Aktionäre ein Stimmrecht haben, entscheidet über den Dividendenvorschlag des Vorstandes. In Deutschland folgt nach der Hauptversammlung der Ex-Tag, die Aktie notiert mit Dividendenabschlag an der Börse. Zeitnah wird die Ausschüttung an die Aktionäre ausgezahlt. In der Regel müssen Anleger eine Aktie zum Zeitpunkt der Hauptversammlung besitzen, um in den Genuss der Dividende zu kommen.

Doch ein Anrecht auf Dividenden haben Aktionäre nicht. Viele Unternehmen gerade aus wachstumsintensiven Branchen oder junge Firmen investieren ihre Gewinne lieber in die weitere Expansion der Geschäfte. Beispielsweise zahlt Amazon immer noch keine Dividende, obwohl der Konzern hohe Überschüsse einfährt.

Die viel beachtete Dividendenrendite in Prozent ergibt sich aus der Division der Dividende mit dem Aktienkurs mal 100. In den vergangenen Jahren sind Dividendenaktien zunehmend beliebter geworden, da sich aufgrund der Niedrigzinsen mit Anleihen meist nichts mehr verdienen lässt.

Auch wenn es bei Aktien kein Anrecht auf Dividenden gibt, so zahlen einige Konzerne – vor allem in den USA – seit Jahrzehnten Dividenden. Unternehmen, die 25 Jahre ununterbrochen die Ausschüttungen erhöht haben, werden Dividendenaristokraten genannt. Dividendenkönige sind dagegen Procter & Gamble oder Coca-Cola. Sie haben seit mehr als 50 Jahren die Dividende jährlich angehoben.

In Deutschland gehört die Munich Re zu den attraktivsten Dividendenwerten. Seit 1969 wurden die Ausschüttungen nicht mehr gekürzt.

Eine hohe Dividendenrendite alleine ist kein Kaufargument

Unabhängig davon, dass andere Kennzahlen zur Bewertung einer Aktie herangezogen werden sollten, kann es mehrere Gründe geben, die bei einer hohen Ausschüttung gegen einen Kauf sprechen. Da die Dividendenzahlung stichtagsbezogen ist, könnte sich eine hohe Rendite ergeben, wenn die Aktie zuvor stark gefallen ist, der auszuzahlende Betrag aber gleich geblieben ist.

Einige Unternehmen schütten auch mehr als den aktuellen Gewinn aus. Die Ausschüttungsquote liegt dann bei über 100 Prozent. Auf Dauer kann es nicht gut gehen, immer mehr aus der Substanz auszuschütten. Anleger sollten immer die Ausschüttungsquote – gezahlte Dividende durch Nettoeinkommen des Jahres – im Peergroup-Vergleich beachten.

Eine hohe Wachstumsrate der Dividende über die Zeit ist indes ein Indiz für einen guten Dividendenwert, wenn die Ausschüttungen nicht dauerhaft aus der Substanz kommen.

Dieser Artikel ist in DER AKTIONÄR Nr. 39/2020 erschienen, welches Sie hier als PDF gesamt herunterladen können.

Lesen Sie hier Teil 1 der Einsteigerserie.