Sieben neue Highflyer: Nach Apple, Tesla & Co
16.09.2020 Fabian Strebin

Zahlensalat? Denkste! Börsen-Know-how Teil 1

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DAX

Die Fundamentalanalyse bildet das Rüstzeug zum Anlageerfolg an der Börse. DER AKTIONÄR stellt in einer neuen Serie die wichtigsten Kennzahlen vor.

Cooles Geschäftsmodell, hippe Werbung – gekauft? Anleger sollten bei der Aktienanlage nicht nur auf ihr Bauchgefühl setzen. Zwar gilt: The trend is your friend! Aber mindestens ebenso wichtig wie Charttechnik oder gesellschaftliche Trends ist der Blick auf die Bewertung der einzelnen Aktien. Langjährige Leser wissen, dass die Redaktion bei allen Anlageempfehlungen des Magazins einen Schwerpunkt auf die Fundamentalanalyse legt, ausgewählte Kennzahlen finden sich in den jeweiligen Infoboxen. In der Statistik ab Seite 80 gibt es noch mehr Bewertungsparameter zu den bekanntesten Aktien.

Unterbewertete ­Firmen identifizieren

Eine der ältesten Kennzahlen ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Es ergibt sich aus der Division des Börsenwerts, also der Marktkapitalisierung, und dem bilanziellen Buchwert des Eigenkapitals. Bei einem Wert von 1,0 ist eine Aktie in der Regel fair bewertet. 

Gerade Value-Investoren wie Warren Buffett verwenden das KBV, um unterbewertete Unternehmen zu finden. Dabei eignet sich die Kennzahl eher zur Analyse von Industrieunternehmen und weniger von Technologiekonzernen. Denn immaterielle Vermögenswerte wie Patente berücksichtigt das KBV nicht. Wachstumsunternehmen können durchaus höhere Kurs-Buchwert-­Verhältnisse aufweisen. Gerade bei Geschäftsmodellen mit volatilen Gewinnen ist es zur Bewertung geeignet. Anleger sollten aber, wie Warren Buffett einmal sagte, nicht blind versuchen, einen Euro Unternehmenswert für 50 Cent zu kaufen, also bei einem KBV von 0,5 zuzuschlagen. Das KBV sollte immer im Zusammenhang mit anderen Kennzahlen – wie zum Beispiel dem Kurs-Gewinn-Verhältnis – betrachtet werden. Denn ein Wert unter 1,0 kann auch andere Gründe als eine Unterbewertung haben.

Amazon zeigt, dass Wachstumsunternehmen oft in eine hohe Bewertung hineinwachsen. In zehn Jahren erzielte die Aktie knapp 2.350 Prozent, aber wegen steigender Gewinne sanken die KGVs.

Die beliebteste Kennzahl

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist die meistbeachtete Kennzahl, wenn es um die Bewertung geht. Es setzt den aktuellen Aktienkurs ins Verhältnis zum Nettogewinn je Anteilschein. Bedeutend sind vor allem die KGVs auf Basis der Gewinnpro­gnosen für das laufende oder das kommende Geschäftsjahr. Wann ein Unternehmen aufgrund seines KGV als günstig zu bewerten ist, hängt stark von der jeweiligen Branche und der Peergroup ab. Traditionell werden beispielsweise etwa der Technologiebranche höhere Werte zugebilligt als Industriekonzernen. Aktuell sind die Bewertungen bei zahlreichen Unternehmen gemessen am KGV historisch hoch. Aufgrund der niedrigen Zinsen finden die Anleger jedoch kaum Alternativen zu Aktien – Anleihen sind noch höher bewertet. Und so wird zur Bewertung häufig der Peergroup-Vergleich bemüht.

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Kein Gewinn? Dann KUV!

Für die Berechnung des KGV ist entscheidend, dass ein Unternehmen Gewinne erzielt. Aber wie wird eine Aktie bewertet, wenn eine Firma gar keine Gewinne macht? Das ist gerade bei Start-ups und Unternehmen, die sich noch am Anfang der Expansionsphase befinden, nicht unüblich. Doch auch hier gibt es eine Kennzahl, die helfen kann: das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV). 

Der Kurs wird hier ins Verhältnis zum Umsatz, meist dem für das laufende oder nächste Geschäftsjahr, gesetzt. Und auch hier gilt: Die Bewertung nach KUV ist stark branchenabhängig. Der Vorteil der Kennzahl liegt aber nicht nur in seiner Einfachheit: Das KUV ist zudem weniger leicht durch Bilanzkosmetik zu verfälschen. Gerade für zyklische Unternehmen sollte die Kennzahl herangezogen werden, denn Umsätze schwanken in der Regel weniger stark als Gewinne. Isoliert sollten Anleger das KUV aber nicht betrachten. Sofern vorhanden, sollten andere Parameter die Bewertung ergänzen.

Dieser Artikel ist in DER AKTIONÄR Nr. 38/2020 erschienen, welches Sie hier als PDF gesamt herunterladen können.

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