Zweite Abstufung binnen einer Woche: HSBC sieht Netflix beim Kampf um die Fernsehzeit klar hinter YouTube und senkt das Kursziel um 21 Prozent. Die Aktie rutschte Richtung 52-Wochen-Tief.
Das Wohnzimmer hat einen neuen Hausherrn. Im Juli entfielen nach Berechnungen von HSBC 14,2 Prozent der gesamten US-Fernsehzeit auf YouTube – so viel wie nie zuvor. Netflix kam nur noch auf 7,8 Prozent, den tiefsten Wert seit Jahren. Für HSBC-Analyst Mohammed Khallouf ist das keine Delle, sondern eine Verschiebung zulasten von Netflix. Er stufte die Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ ab und senkte das Kursziel von 96 auf 76 Dollar. Wells Fargo sieht seit Freitag sogar nur noch 57 Dollar.
YouTube (Alphabet) dürfte im laufenden Jahr rund 23 Milliarden Dollar an seine Creator ausschütten – mehr, als Netflix mit etwa 20 Milliarden Dollar bar für Inhalte ausgibt. Zudem lockt die Plattform Kreative mit Direktfinanzierung, höheren Auszahlungen und bevorzugtem Marketing, wenn sie exklusiv bleiben, und baut Serienfunktionen nach Netflix-Vorbild. Das verteuert den Plan von Netflix, selbst eine Creator-Bibliothek aufzubauen. Gleichzeitig lässt das Kernprodukt nach: Die Sehstunden englischsprachiger Serien in den wöchentlichen Top 10 lagen im Juli und August rund 17 Prozent unter dem Vorjahr, die Emmy-Ausbeute war die schwächste seit dem Jahr 2016.
Die Aktie schloss am Dienstag bei 72,2 Dollar, seit Jahresbeginn ein Minus von 23 Prozent. Erster Widerstand ist die 50-Tage-Linie bei 75,7 Dollar, der große Widerstand die 200-Tage-Linie bei 85,1 Dollar. Das 52-Wochen-Tief liegt bei 65,1 Dollar. Die Aktie ist aktuell keine laufende Empfehlung. Anleger machen daher auch weiterhin einen Bogen um Netflix. DER AKTIONÄR bleibt für Alphabet nach wie vor zuversichtlich gestimmt.
Der Kampf ums Wohnzimmer wird längst von Algorithmen geführt, die festlegen, welches Video als Nächstes läuft. Der Global AI Index von DER AKTIONÄR bündelt Unternehmen, die bei Künstlicher Intelligenz vorn mitspielen, darunter natürlich Alphabet.
Statt auf einen Sieger zu wetten, setzen Anleger auf einen breiten Korb, mehr Informationen finden Sie hier.
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