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08.03.2020 Martin Mrowka

DAX und Co zwischen Schnäppchen-Jägern und Corona-Panik-Verkäufern

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DAX
Trendthema

War's das allmählich? Die Abgaben der Börsianer, die aufgrund der Coronavirus-Epidemie eine massive Eintrübung der Geschäfte der Unternehmen befürchten, könnten zumindest vorübergehend Schnäppchen-Käufen weichen. Für eine Entwarnung ist es zwar wohl noch zu früh. Aber eine Gegenbewegung am Aktienmarkt erscheint nach dem Ausverkauf fällig. Ein Wochenausblick.

An den Börsen herrscht seit Tagen die Angst vor den Folgen der Viruskrise. Von einem nachhaltigen Entspannungssignal ist noch nichts zu sehen. Immerhin schöpfen die Märkte aber ein wenig Hoffnung: Die angedeuteten stützenden Maßnahmen für die Wirtschaft sorgten bereits am vergangenen Freitag in den USA für ein Abbremsen der Kurstalfahrt.

So wird in der weltweit führenden Volkswirtschaft eine weitere Leitzinssenkung durch die US-Notenbank (Fed) erwartet. Diese hatte bereits am Dienstag überraschend und deutlich gehandelt und den US-Leitzins um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. Weltweit sind mittlerweile mehr als 106.000 Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus bestätigt, fast 850 davon in Deutschland.

16 Prozent in drei Wochen

Der DAX schloss eine weitere Minus-Woche am Freitag bei 11.541 Punkten. Auf Wochensicht bedeutet dies einen Verlust von 2,9 Prozent. In nur zwei Wochen verlor der deutsche Leitindex damit mehr als 2.000 Punkte. Vom Rekordhoch Mitte Februar bei 13.795 Punkten hat er mittlerweile mehr als 16 Prozent eingebüßt.

Die Finanzmärkte hätten mittlerweile eine deutliche wirtschaftliche Abschwächung eingepreist, wenn nicht mehr, schrieb Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. Auch der starke US-Arbeitsmarktbericht für Februar sorgte bereits für ein Abbremsen der Verkäufe. Charttechnisch betrachtet könnte der Abwärtsdruck ebenfalls abnehmen. Der DAX nähert sich nun einer Unterstützungszone, die bei etwa 11.300 bis 11.400 Punkten verläuft. Dort könnte sich ein "Corona-Boden" bilden.

DAX (WKN: 846900)

Der MDAX der mittelgroßen Börsentitel war zum Wochenschluss auf 24.750 Punkte gesunken - ein Wochenminus von 2,4 Prozent.

In der neuen Woche könnten Schnäppchenjäger für eine Erholung sorgen, doch insgesamt werden sich die Anleger wohl auf eine erneut unruhige Woche einstellen müssen. "Solange die globale Corona-Ausbreitung anhält, dürften die Aktienmärkte trotz weiterer Stützungsmaßnahmen seitens der Notenbanken und der Politik weiterhin stark schwanken", sagte der Chefstratege der Münchner Privatbank Merck Finck, Robert Greil.

EZB-Entscheid am Donnerstag

Wegen der Gefahren für die Wirtschaft durch den Virus-Ausbruch hatte die US-Notenbank ihren Leitzins vor wenigen Tagen in der ersten außerplanmäßigen Aktion seit der Lehman-Pleite 2008 um 0,50 Prozentpunkte gesenkt. Börsianer spekulieren nun, ob, wann und wie weitere Zentralbanken nachziehen. So steht denn auch am Donnerstag der neuen Woche der Leitzinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) besonders im Fokus. Ob sie ihren Einlagensatz für Banken noch einmal weiter senken wird von derzeit minus 0,5 auf minus 0,6 Prozent, ist fraglich.

Marktteilnehmer spekulierten aber darauf, dass die EZB ihr monatliches Anleihekaufvolumen ausweiten und den Banken bei der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen, die mit den Folgen des Coronavirus zu kämpfen haben, helfen könnte, schrieben die Ökonomen der Landesbank Helaba. Die Erwartungen an die Zentralbanken seien hoch und es dürfte immer schwerer fallen, diese zu erfüllen, hieß es.

Ob Notenbanken-Maßnahmen oder auch milliardenschwere Hilfsprogramme einzelner Länder die Aktienkurse stützen können, ist ebenfalls fraglich, wurden solche Aktionen am Markt zuletzt nämlich teils als Zeichen der Schwäche interpretiert, nach dem Motto: "Dann muss es wohl schlimm sein".

Gute Einstiegsmöglichkeiten

Die Experten der St. Galler Kantonalbank Deutschland sehen derweil in der extremen Zunahme der Volatilität auch Positives, denn es eröffneten sich gute Einstiegsmöglichkeiten: "Wer langfristig orientiert ist, tut jedenfalls gut daran, sich nicht von der allgemein herrschenden Hektik anstecken zu lassen."

Ungeachtet dessen erwartet DZ-Bank-Ökonom Bielmeier anhaltende Prognoserevisionen der Unternehmen. "Bis sie die aus dem Corona-Virus resultierenden Negativeffekte offenlegen, vergehen wohl noch einige Wochen. Ein Großteil der Folgewirkungen dürfte erst Anfang April nach Abschluss des Jahresauftaktquartals feststehen und bekanntgegeben werden", so Bielmeier.

Weitere Quartalszahlen

Gleichwohl dürften sich in der neuen Woche zahlreiche Unternehmen im Zuge der Vorlage ihrer Jahreszahlen zu den Auswirkungen des Virus auf ihre Geschäfte äußern. Aus dem DAX berichtet am Dienstag die Deutsche Post über das abgelaufene Jahr. Bereits vor wenigen Tagen hatten die Bonner ihre Gewinnziele für 2020 wegen der Coronavirus-Epidemie und Sonderbelastungen beim Elektro-Lieferwagen Streetscooter kassiert.

Am Mittwoch rücken die Zahlen des Sportartikelherstellers Adidas in den Blick. Auch die Herzogenauracher hängen stark am China-Geschäft. Der Versorger RWE, dessen Aktien sich in der aktuellen Virus-Krise als vermeintlich defensiver Wert bislang vergleichsweise gut geschlagen haben, ist mit der Vorlage seiner Jahreszahlen am Donnerstag an der Reihe.

Auf die neuesten Verkehrszahlen von Fraport dürften Anleger ebenfallsam Donnerstag achten, bevor der Flughafenbetreiber seine Jahreszahlen dann am Tag darauf vorlegt. Die Sorgen über die wirtschaftlichen Folgen der Virus-Krise belasteten das Papier bereits wie den gesamten Reise- und Freizeitsektor schwer. Fast ein Drittel der Marktkapitalisierung hat Fraport in den zurückliegenden zwei Wochen nun schon eingebüßt.

Konjunkturdaten

Bevor Unternehmenszahlen veröffentlicht werden, können sich Anleger schon an diesem Wochenende (Samstag) ein neues Bild machen von der Wirtschaft in China, wo das Coronavirus ja bekanntlich zuerst ausbrach. Laut der DZ Bank dürfte bei den chinesischen Aus- und Einfuhren die Statistik gegenüber dem Vorjahr den stärksten Rückgang seit mehr als zehn Jahren ausweisen.

Am Montag stehen hierzulande Daten zur Industrieproduktion auf der Agenda. Ein Ende der Schwächephase sei nicht in Sicht, so die DZ Bank. US-Konjunkturdaten von Interesse sind die Verbraucherpreise für Februar zur Wochenmitte sowie das von der Universität Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen für März mit Veröffentlichung am Freitag. (Mit Material von dpa-AFX)

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