28.06.2019 Thorsten Küfner

BASF: Das wird jetzt alles anders

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BASF
Trendthema

Die Meldung, die gestern über die Ticker lief, war ein echter Paukenschlag: Der Ludwigshafener Chemieriese BASF will weltweit knapp 6.000 Stellen streichen, also knapp fünf Prozent der gesamten Belegschaft. Rund die Hälfte davon soll in Deutschland wegfallen. Darüber hinaus gab es weitere interessante Ankündigungen.

Bereits im vergangenen November hatte BASF „Umstrukturierungen“ angekündigt. Nun sollen weltweit bis Ende 2021 insgesamt 6.000 Stellen wegfallen. Der überwiegende Teil der betroffenen Arbeitsplätze in Deutschland wird am Heimatstandort Ludwigshafen abgebaut. Dort zählte BASF Ende 2018 knapp 40 000 Mitarbeiter. In Ludwigshafen sind dem Sprecher zufolge nach der aktuellen und bis Ende 2020 gültigen Standortvereinbarung betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

„Schwieriges Fahrwasser“

Das Unternehmen will seine Organisationsstrukturen verschlanken, unter anderem in der Verwaltung. Zu schaffen machen BASF mehrere Faktoren, etwa die schwächelnde Konjunktur, die Autoflaute, der Handelsstreit zwischen den USA und China, im vergangenen Jahre kam noch das Niedrigwasser im Rhein hinzu. Das alles schlug sich in einem deutlichen Gewinnrückgang 2018 nieder. Der Nachsteuergewinn schrumpfte um mehr als ein Fünftel auf 4,7 Milliarden Euro.

BASF-Finanzchef Hans-Ulrich Engel hatte kürzlich festgestellt: "Wir befinden uns insgesamt in einem schwierigeren Fahrwasser, als wir das im Februar erwartet haben." Im Februar waren die Zahlen für 2018 vorgelegt worden. Bereits im November davor hatte BASF-Chef Martin Brudermüller ein umfangreiches Programm zur Umstrukturierung angekündigt. Das soll ab Ende 2021 jährlich zwei Milliarden Euro zum operativen Gewinn (Ebitda) beisteuern. Der jetzt verkündete Stellenabbau ist Teil dieses Plans.

Neue Unternehmensstruktur

Die nun angekündigte Neuausrichtung samt Stellenabbau ist des Teil der neuen Strategie und soll dem Unternehmen zufolge einen Effekt von rund 300 Millionen Euro haben. Kosten einsparen will Brudermüller etwa in der Produktion, Logistik, Forschung und Entwicklung. Außerdem verkauft BASF Teilbereiche. Nichtsdestotrotz schließt der Konzern nicht aus, in den kommenden Jahren auch wieder zusätzliche Mitarbeiter zu benötigen etwa in der Produktion oder für das Thema Digitalisierung - "jedoch abhängig von zukünftigen Wachstumsraten".

BASF (WKN: BASF11)

Ein zentrales Element in der neuen Unternehmensstruktur soll ein Corporate Center sein mit weniger als 1000 Mitarbeitern. Es soll den Vorstand unterstützen, das Unternehmen zu steuern und zentrale Aufgaben etwa bei der Strategieentwicklung, Finanzen, Recht, Personal und Kommunikation übernehmen. Neu entstehen soll eine Einheit namens "Global Business Services", ein weltweites Netz aus rund 8000 Mitarbeitern, das Dienstleistungen für die einzelnen Unternehmensbereiche erbringen soll. Die Leitung hier soll der derzeitige Leiter des Bereichs Finance, Marc Ehrhardt, übernehmen.

"Wir werden uns beim Aufbau der neuen Organisation darauf konzentrieren, konsequent Synergien zu heben, Schnittstellen zu reduzieren und mehr Flexibilität und Kreativität zu ermöglichen", erklärte Konzernchef Brudermüller. "Wir werden unsere Organisation weiterentwickeln, um effektiver und effizienter zu arbeiten."

Aktie bleibt attraktiv

Die gestrige Meldung war nach diversen Ankündigungen des Vorstands keine große Überraschung mehr. Wichtig für den Chemieriesen bleibt weiterhin eine Einigung im Handelsstreit. Kommt es dazu, sollte die Aktie kräftig zulegen. Das Chartbild hat sich ohnehin bereits deutlich aufgehellt. Anleger können bei der Dividendenperle zugreifen, der Stopp sollte bei 54,50 Euro belassen werden. 

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: BASF.