Die US-Börsen kehren nach dem verlängerten Feiertagswochenende zurück, und der Blick richtet sich sofort auf die nächsten Impulse für DAX, S&P 500 und Tech-Werte. In Frankfurt bleibt die runde Marke von 25.000 Punkten im Fokus, auch wenn sie vor allem psychologische Bedeutung hat: Das Allzeithoch liegt nur knapp darüber. Nach dem Rücksetzer vom Freitag ist die Lage technisch weiterhin konstruktiv, zumal die großen Trendlinien intakt bleiben.
Für Bewegung sorgen vor allem die geopolitischen und makroökonomischen Themen. Die Verhandlungen der USA mit dem Iran laufen für 60 Tage, und daran hängen nicht nur die Ölpreise, sondern auch die Inflationsaussichten und damit die Erwartungen an die US-Notenbank. Der Ölpreis bleibt unter Druck, nachdem die 200-Tage-Linie nach unten durchbrochen wurde. Gleichzeitig warnen Analysten vor einem möglichen Überangebot im dritten oder vierten Quartal, sollte sich die Lage im Nahen Osten beruhigen und die OPEC weiter unter Druck geraten. Das Umfeld bleibt also von Unsicherheit geprägt, auch wenn die Märkte bislang erstaunlich robust wirken.
Im Aktienmarkt steht weiter das Thema KI-Infrastruktur im Vordergrund. Microsoft baut seine Datenzentren massiv aus, darunter ein Projekt mit einem Strombedarf, der angeblich 2 Millionen Haushalte versorgen könnte. Das spielt vor allem Zulieferern in die Karten: Chevron soll Gas liefern, um Turbinen zu betreiben, und GE Vernova dürfte mit seinen Turbinen ebenfalls profitieren. Auch Caterpillar bleibt in diesem Strudel ein Gewinner, wenngleich die Bewertung mit einem KGV von 45 bereits sehr ambitioniert ist. Hier mahnt die Aktie eher zur Vorsicht als zur Euphorie.
Bei den Einzelwerten liefert Apple ein gemischtes Bild. Die Aktie hat zuletzt technisch Stärke gezeigt, während Intel durch die Nachricht profitieren konnte, künftig auch Chips für Apple zu produzieren. Für Apple selbst bleibt die zentrale Frage, wie stark steigende Speicher- und Rohstoffkosten an die Kunden weitergegeben werden können, ohne das Wachstum zu beschädigen. Im Energiebereich bleibt Bloom Energy interessant, auch wenn die Aktie bereits kräftig gelaufen ist. Das Unternehmen profitiert vom Bedarf an Strom direkt am Datenzentrum, etwa über stationäre Brennstoffzellen.
Spannend bleibt auch Intuitive Surgical. Trotz eines Rückgangs von 30 Prozent sieht der Marktführer im OP-Robotikgeschäft weiterhin gut positioniert aus. Konkurrenz aus China und den USA dürfte das Geschäft zwar beleben, aber der First-Mover-Vorteil und die hohe Wechselhürde für Mediziner sprechen für das Unternehmen. Nach der Schwächephase könnte sich hier eine Chance für langfristig orientierte Anleger ergeben.
Martin Weiß, stellvertretender Chefredakteur von DER AKTIONÄR, kennt die Indikationen für den heutigen Handelstag.
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