Neustart: Das 100.000 Euro Depot
19.01.2020 Nikolas Kessler

Türöffner zur Kryptowelt: CoinIX-CEO Dr. Christoph Lymbersky im AKTIONÄR-Interview

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Kryptowährungen und Projekte mit Bezug zur Blockchain-Technologie sind lukrativ, aber für Privatanleger oft nur schwer zugänglich. Die Beteiligungsgesellschaft CoinIX will das ändern.

Das Hamburger Unternehmen hat sich auf virtuelle Währungen sowie Unternehmen mit Bezug zur Blockchain-­Technologie spezialisiert. Neben der Beratung von Unternehmen, die in diesem Bereich durchstarten wollen, beteiligt sich CoinIX auch selbst an vielversprechenden Projekten und investiert direkt in Kryptowährungen. Dabei setzt CoinIX Kapital ein, das die Aktionäre zur Verfügung stellen – und deren Kreis soll in Zukunft kräftig wachsen. Anfang Dezember wurde die Aktie von CoinIX im Freiverkehr der Börse Düsseldorf gelistet und ist somit nun auch für Privatinvestoren handelbar (WKN A2LQ1G). Noch bis zum 31. Januar können Anleger die knapp vier Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung im Oktober 2019 zum Ausgabepreis von einem Euro pro Stück direkt vom Unternehmen beziehen.

Auch an der Spitze von CoinIX hat sich etwas getan: Seit Mitte November ist Dr. Christoph Lymbersky als CEO und weiterer Geschäftsführer an Bord. Zuvor war er als Unternehmensberater, Fondsmanager und Start-up-Gründer aktiv und bringt umfassende Erfahrung im Bereich Venture Capital mit. DER AKTIONÄR hat sich bei ihm nach dem Stand der Dinge erkundigt.

DER AKTIONÄR: Wie hebt sich CoinIX von klassischen Fonds ab, die ja ebenfalls im Blockchain-Bereich investieren?

Dr. Christoph Lymbersky: Ein klassischer Investmentfonds ist anders strukturiert als wir. Wir sind eine Kommanditgesellschaft auf Aktien, unsere Aktionäre sind also an einem Unternehmen beteiligt. Es gibt keine festgelegte Anlagestrategie, keine feste Laufzeit und keine Anteilscheinrückgabe. Wer unsere Aktien kauft, glaubt an die langfristige Vision und kann seine Aktien im Düsseldorfer Freiverkehr wieder verkaufen. Der Markt der Blockchain-Projekte und Kryptowährungen ist extrem schnelllebig. Als Kommanditaktiengesellschaft haben wir die Flexibilität, auf Trends einzugehen – wir sind zum Beispiel der einzige deutsche Investor an der ersten in England zugelassenen digitalen Aktie. Dies wäre für einen Fonds sehr schwierig, der erst klären müsste, ob solche digitalen Assets überhaupt in den Katalog der zugelassenen Anlagen gehören. Auch gibt es bei uns kein Minimum-Investment. Aktionäre können jederzeit beliebig viele Aktien kaufen, bei der aktuellen Zeichnung neuer Aktien gelten allerdings Höchstgrenzen für nicht qualifizierte Anleger.

CoinIX wurde 2017 gegründet zu einer Zeit, als der bevorzugte Investmentweg über ICOs führte. STOs, so genannte Security Token Offerings, waren damals noch gar nicht bekannt und klassische Equity-Beteiligungen noch sehr selten möglich. Wenn wir damals einen Fonds aufgelegt hätten, müssten wir heute immer noch in ICOs investieren. Wir wissen nicht, wie der Markt in fünf Jahren aussieht, und werden unseren Fokus daher immer wieder anpassen müssen.

Wie wählen Sie die Projekte und Beteiligungen aus, in die Sie investieren? Können die Anleger das nicht auch selbst machen?

Der Markt der Blockchain- und Kryptoinvestments ist noch nicht so strukturiert und erschlossen, wie das zum Beispiel bei klassischen Fintech- oder Tech-Investments im Venture Capital der Fall ist. Da der Markt noch am Anfang steht, ist das Risiko größer, aber das Potenzial ist auch höher. So gibt es zum Beispiel viele schwarze Schafe, einige große ICOs haben sich für die Investoren als Fehlinvestition erwiesen oder waren sogar Scams, also Betrugsfälle. Die klassische Venture-Capital-Branche hingegen bietet nicht die starken Wachstumspotenziale wie der Blockchain-Markt. Es ist also eine ganz andere Auswahl und Due Diligence nötig, um die richtigen Investitionen zu tätigen.

So schauen wir uns die Unternehmen, in die wir investieren, in der Regel über eine längere Zeit an. Dies hilft uns, die Spreu vom Weizen zu trennen, die Leistung des Managements zu beurteilen und das Potenzial des Unternehmens am Markt besser einzuschätzen. Während dieser Zeit sind wir oft schon beratend für die Unternehmen tätig, verhelfen Ihnen auch nicht selten zu zusätzlichen Umsätzen durch unser Netzwerk. Wenn sich das Unternehmen positiv entwickelt, steigen wir auch finanziell mit ein, dann allerdings zu einem ermäßigten Preis. Für die Zeit nach dem Investment ist es für uns wichtig, dass wir als CoinIX auch einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg des Unternehmens leisten können, denn was für unsere Portfolio-Unternehmen gut ist, ist auch für uns und damit unsere Aktionäre vorteilhaft. Privatanleger haben meist nicht die Möglichkeiten einer intensiven Due Diligence und auch nicht die Zugänge zu attraktiven Investments. Auf viele Deals werden wir nur durch unser Netzwerk aufmerksam und andere Investoren, die uns gerne als Co-Investor sehen würden, oder durch Empfehlungen von bestehenden Portfolio-Unternehmen.

Warum setzen Sie auf „klassische“ Aktien und ein Börsenlisting statt eine Blockchain-basierten Finanzierung via ICO, STO oder Ähnlichem?

Das hat verschiedene Gründe und natürlich haben wir dies auch diskutiert. Wenn man den Markt der Kryptowährungen und der Blockchain-Technologie als vielversprechend ansieht, heißt dies ja nicht notwendigerweise, dass man eine Investition auch in einer kryptografischen Verpackung benötigt. Wir beobachten den Markt der Security Token Offerings sehr genau und sehen großes Potenzial. Aber nicht jeder Investor möchte sich eine eigene Wallet anlegen und digitale Assets halten. Unsere Aktie spricht vor allem traditionelle Anleger an, die ein Exposure in das Segment aufbauen wollen, aber als Instrument mit der im Bankdepot liegenden Aktie mit einer Wertpapierkennnummer vertraut sind. Solange es für Security Tokens noch keinen stabilen Sekundärmarkt gibt, stellt das Freiverkehrslisting in Düsseldorf einen großen Vorteil dar. Wir haben gerade mit einer Bank gesprochen, die neue Aktien zeichnen will – dort wäre es sehr kompliziert, einen Token ins eigenen Buch zu nehmen. 

Auch als Team kommen wir aus der „klassischen“ Welt. Wir sind keine jungen wilden Kryptofreaks, sondern haben Erfahrungen im Banking, im Asset Management und im Venture Capital, aber haben natürlich auch das nötige technologische Know-how mit an Bord. Ich selbst zum Beispiel komme aus dem Venture-Capital-Geschäft, habe dort Fonds mit aufgebaut und geleitet. Wir wissen also, wie „klassische“ Anleger denken und worauf sie aus sind.

Zum anderen hat dies aber auch einen etwas idealistischen Hintergrund: Wir möchten gern Anlegern die Welt der Blockchain-Technologie eröffnen und sie einladen, mit uns eine spannende und potenzialreiche Reise anzutreten. Eröffnen bedeutet für uns, dass wir regelmäßig mit unseren Anlegern kommunizieren, Webinare und Präsentationen abhalten und sie in regelmäßigen Newslettern über den Krypto- und Blockchain-Markt informieren und sie damit an unserer Sichtweise und unseren Erkenntnissen teilhaben lassen. Institutionelle Investoren wie Family Offices, Unternehmen oder Banken erhalten dadurch auch einen direkten Zugang zum Management. Wir stehen den Investoren als Sparringspartner für eigene Blockchain-basierte Überlegungen oder Projekte zur Seite und teilen auch gerne unsere Erkenntnisse aus dem Markt.

Dieser Artikel ist zu erst in AKTIONÄR-Ausgabe 03/2020 erschienen.


Hinweis auf Interessenkonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: CoinIX

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