30.07.2015 Florian Söllner

Tesla-Angriff: Das ist die Antwort von Daimler

-%
Daimler
Trendthema

Das Elektroauto Model S gilt als das beste Auto seiner Preisklasse. Ab Herbst startet zudem der Verkauf des SUV Model X. Der ganz große Angriff startet ab Ende 2017 mit dem Mittelklasse-Auto Model 3. Nachdem Tesla im Juni selbst in Deutschland mit seinen Verkäufen am 7er-BMW und am Porsche Panamera vorbeigezogen war, hat DER AKTIONÄR die deutschen Auto-Giganten gefragt: Wie und wann reagiert man auf die Neuerfindung des Automobils?

Auch Daimler hat erkannt: „Die Zukunft liegt definitiv in der Elektrifizierung des Antriebs. Wir sehen aber, dass speziell in Deutschland das Geschäft mit den Elektroautos nicht so in Fahrt kommt wie wir uns das wünschen.“ Auch die Hybridtechnologie spiele eine wichtige Rolle. Der Plug-In Hybrid wird sogar als „zentrale Antriebstechnologie mindestens für die nächste Dekade gesehen“. (Experte Dudenhöffer ist hier anderer Meinung)

DER AKTIONÄR hat gefragt: Kann man ähnliche Reichweiten, Leistungsdaten und ein Preis-Leistungsverhältnis wie Tesla/Panasonic erreichen?

Daimler antwortete: „Die Leistungsdichten heutiger Lithium-Ionen-Batteriezellen unterscheiden sich lediglich marginal. Die eigentliche Intelligenz der Batterie steckt vor allem im Gesamtsystem bestehend aus Zellen, Steuerungselektronik, Software, Kühlung und dem auf das Fahrzeug maßgeschneiderten Gehäuse. Wir verfügen als einziger europäischer Automobilhersteller über das Know-how zur Entwicklung und Fertigung dieses Gesamtsystems und wir bauen die Produktion bei unserer 100% Tochtergesellschaft ACCUMOTIVE dahingehend deutlich aus.“

Doppelte Reichweite bis 2020

Der deutsche Autohersteller ist zuversichtlich: „Durch Mixturen von Kohlenstoff und Silizium auf Anodenseite und mit steigendem Siliziumanteil bis 2020 lässt sich die Ionenspeicherfähigkeit und somit die Energiedichte einer Batterie erhöhen. Für einen mehr oder weniger gleichen Batteriepreis könnte man dann eine nahezu doppelte Reichweite im gleichbleibenden Bauraum erzielen“ Hintergrund: Der Preis für Lithium-Ionen-Batteriesysteme liegt derzeit zwischen 330 und 380 Euro pro Kilowattstunde und wird 2016 laut Experten auf 280 Euro pro kWh fallen.

Doch was passiert konkret, um das Model 3 von Tesla abzuwehren? (angebliche Reichweite 400 bis 500 Kilometer)

Daimler weist darauf hin: „Wir sind davon überzeugt, dass die 200 km Reichweite der B-Klasse Electric Drive (bereits seit 2014 im Markt) für die meisten Anforderungen des Alltags absolut ausreichend sind. Darüber hinaus bieten wir unseren B-Klasse Electric Drive Kunden ein beliebiges, anderes Mercedes-Benz Pkw-Modell etwa für Urlaubsfahrten an. Und mit den weiteren Entwicklungsschritten bei der Batterietechnologie wird sich in den nächsten Jahren in Sachen Reichweite noch einiges tun."

Auch wenn gerade im Hinblick auf die passende Elektroauto-Strategie gegen Tesla Fragen offen bleiben - für die Deutsche Bank bleibt Daimler ein Top-Pick.

Buchtipp: Der letzte Führerscheinneuling

Feierabend. Bei Uber einen selbstfahrenden Tesla bestellt, der mich fünf Minuten später am Büro abholt und nach Hause bringt. Danach verschwindet das Elektroauto lautlos in der Nacht. Klingt nach Zukunft. Ist es auch. Aber sehr nahe Zukunft. Was bedeutet die Kombination aus autonomem Fahren, Elektromobilität und Sharing Economy für Taxifahrer, Lkw-Fahrer, Arbeiter bei VW und BMW oder Betreiber von Parkhäusern? Wie sehen die Städte der Zukunft aus und welche Herausforderungen bringen sie mit sich? Silicon-Valley-Insider Dr. Mario Herger über eine der größten Umwälzungen seit der Dampfmaschine.

Autoren: Herger, Mario
Seitenanzahl: 512
Erscheinungstermin: 12.10.2017
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-538-0