19.11.2018 Martin Weiß

Facebook: So viel Geld hat der Kurseinbruch der Aktie Mark Zuckerberg bislang gekostet

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DAX

Es gab Jahre, da konnte Mark Zuckerberg nichts falsch machen: Facebook wuchs unaufhörlich und die Menschen und Anleger feierten den smarten Selfmade-Milliardär für seinen Geschäftssinn und seine Vision einer vernetzten Gesellschaft. Von dieser Euphorie ist 2018 nichts übrig geblieben – mit Folgen nicht nur für die Aktie.

Was ist passiert?

Die Aktie von Facebook ist am Freitag um weitere 3 Prozent im Wert gesunken und notiert bei 139,53 Dollar auf dem niedrigsten Stand seit April 2017. Seit Veröffentlichung der Zahlen für das zweite Quartal 2018 büßte die Aktie 79,09 Dollar an Wert ein, die Marktkapitalisierung des Sozialen Netzwerks rauchte um 226 Milliarden Dollar auf. Der Verlust entspricht dem Wert der DAX-Titel  Allianz, BASF, Bayer und Beiersdorf!  

Weshalb ist das relevant?

Die Talfahrt der Facebook-Aktie ist nicht ausschließlich der schwachen Marktverfassung geschuldet. Mit den Q2-Zahlen verringerte der Konzern die langfristigen Wachstumsprognosen. Neben den Problemen im operativen Geschäft kämpft das mit zwei Milliarden aktiven Nutzern größte Soziale Netzwerk mit massiven Imageproblemen: Fake-Accounts, Datenskandale und der Vorwurf der US-Behörden, die Plattform würde von ausländischen Mächten (vor allem Russland) zur Beeinflussung von Wahlen genutzt, setzen der Aktie ebenfalls zu.

Firmengründer und Vorstandschef Mark Zuckerberg macht mit seinem Krisenmanagement keine gute Figur. Kritiker werfen dem 34-Jährigen vor, nur halbherzig auf die Probleme zu reagieren. Weil der Manager zuletzt einen aggressiveren Führungsstil adaptierte, verprellt er laut Market Watch nicht nur viele Führungskräfte im Unternehmen, sondern gerät auch immer häufiger mit seiner Nummer Zwei, Sherryl Sandberg, aneinander.

Finanziell ist der Absturz der Facebook-Aktie für Zuckerberg auch privat ein Desaster. Laut Bloomberg sank sein Vermögen im laufenden Börsenjahr um 17,4 Milliarden Dollar. Seit dem Rekordhoch im Juli beträgt das Minus nicht minder atemberaubende 30 Milliarden Dollar.

Trotz des Verlustes plagen Mark Zuckerberg vermutlich dennoch keine Existenzsorgen. Berechnungen zufolge ist der Facebook-Gründer mit einem Vermögen von 55 Milliarden Dollar noch immer der sechstreichste Mensch auf dem Planeten.

Das große Ganze

Facebook hat nicht nur ein Problem im operativen Geschäft, sondern auch mit seinem Image. Schafft es Zuckerberg nicht, das Ruder herumzureißen, könnte der Konzern zukünftig Probleme beim Anheuern von Talenten bekommen. Wer will sich schließlich schon für seinen Arbeitgeber schämen? Die Aktie ist in einem intakten Abwärtstrend, Anleger sollten daher vorerst die Finger von dem Papier lassen.

Buchtipp: Die Facebook-Gefahr

Facebook ist in die Kritik geraten. Bots, Trolle und Fake News sind Synonyme für die Pro­bleme des Konzerns. Spätestens seit Brexit und Trump sehen Nutzer die Reichweite und die Algorithmen mit Argwohn. Einer von Ihnen: Roger McNamee. Einst stolz darauf, zu den ersten Facebook-Investoren zu gehören, ist der Kapitalgeber und Tech-Experte nun zum scharfen Kritiker geworden. In seinem Buch rechnet er mit Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg ab. Ihre Reaktion auf den Missbrauch des sozialen Netzwerks ist seiner Ansicht nach völlig unzureichend und geht am Kern des Problems vorbei: der Bedrohung unserer demokratischen Grundordnung. „Die Facebook-Gefahr“ ist ein nicht zu überhörender Weckruf – für das Silicon Valley, für die Politik, für uns alle.

Autoren: McNamee, Roger
Seitenanzahl: 400
Erscheinungstermin: 21.11.2019
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-662-2