Kommt jetzt der Crash? Im Zweifel: Kaufen
Foto: Shutterstock
11.06.2021 Fabian Strebin

Commerzbank stürzt nach EZB-Entscheidung ab: Doch keine höheren Zinsen?

-%
Commerzbank

Finanzwerte gehören heute zu den schwächsten Titeln an der Börse und lasten insgesamt auf dem Markt. Schwer getroffen ist auch die Commerzbank-Aktie. Anleger verlieren nach der gestrigen EZB-Sitzung den Mut, denn eine Zinswende ist nicht erkennbar in der Eurozone. Allerdings bedeutet das nicht, dass die Renditen nicht trotzdem steigen. Das sollten Anleger nun wissen.

Die geldpolitischen Signale der Europäischen Zentralbank vom Donnerstag und die Reaktionen am Kapitalmarkt haben Zinshoffnungen der Anleger einen Dämpfer gegeben. Am Freitag gehörten entsprechend die Papiere von Banken und Versicherern europaweit zu den schwächsten. „Auf dem Parkett überwiegt die Meinung, dass sich der aktuelle Inflationsanstieg als vorübergehend herausstellen wird“, erklärte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Anders sei der stabile Rentenmarkt nicht zu erklären. „Es gibt kaum noch Furcht vor steigender Inflation und steigenden Zinsen.“ Genau diese Sorgen bedeuteten aber Ertragsfantasie für Finanzwerte und gaben ihnen zwischenzeitlich kräftig Auftrieb.

Das war es noch nicht

Die Inflation steigt in Deutschland und auch in Europa weiterhin ungebremst. Notenbanker und Experten sprechen hauptsächlich von Nachholeffekten nach der Pandemie, die im Laufe des Jahres wieder abebben sollten. Sicher ist das allerdings nicht. Deshalb ist es verfrüht, die Bankwerte abzuschreiben. Neben dem Wirtschaftswachstum, das in diesem Jahr auch in Deutschland die Marke von vier Prozent überspringen könnte, spielt die Inflation über die Anleiherenditen auch eine Rolle für die Gewinne der Banken. Auch ohne Leitzinserhöhungen werden die Finanzinstitute mit der Zeit ihre Kreditzinsen erhöhen, falls die Inflation weiterhin auf hohem Niveau verbleibt.

Commerzbank (WKN: CBK100)

Die Commerzbank gehört heute zu den größten Verlierern, Anleger bleiben aber investiert und beachten die Unterstützungszone um 6,30 Euro. Steigt die Inflation ungebremst weiter, bleibt es spannend, wie lange die EZB das noch ignorieren kann. Die Kreditnachfrage dürfte durch das höhere Wirtschaftswachstum hoch bleiben und die Erlöse aus dem Wertpapierhandel ebenso.

Hinweis auf Interessenkonflikte:


Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.


Hinweis auf Interessenkonflikte gemäß § 85 WpHG: Aktien von Commerzbank befinden sich im Aktionär-Depot von DER AKTIONÄR.

Mit Material von dpa-AFX.

Buchtipp: Die Geschichten des Geldes

Spekulationsblase am Neuen Markt, Bankenkrise 2008 und griechische Schuldenkrise – lauter Themen, die die Finanzmärkte bewegten und bewegen. Doch wer einen Schritt zurücktritt und das große Bild sieht, bemerkt: So neu ist das alles gar nicht! Die Geschichte gibt wertvolle Hinweise zum Verständnis der Gegenwart. Dass sich Geschichte wiederholt, zeigen die beiden Autoren anhand vieler Geschichten des Geldes. Infl ation, Deflation, Abwertung, irrationalen Überschwang, Bankenpleiten und -rettungen gab es immer schon: im Spanien des 16. Jahrhunderts, im Großbritannien des 17. Jahrhunderts, im Frankreich des 18. Jahrhunderts und in den USA des 19. Jahrhunderts. Lehr- und anekdotenreich vermitteln die Autoren gewissermaßen nebenbei ein tiefes Verständnis für die Ursprünge des Finanzsystems – und damit auch für seine aktuellen Kapriolen. So zeigt sich: Der Weg von der Kaurischnecke zur Kreditklemme ist nicht weit.
Die Geschichten des Geldes

Autoren: Vaupel, Michael Kaul, Vivek
Seitenanzahl: 240
Erscheinungstermin: 15.04.2016
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-327-0