01.10.2018 Benedikt Kaufmann

Kein Ende der Krise in Sicht – Facebook auf dem gesellschaftlichen Prüfstand

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Die große Entschuldigungs-Kampagne und die Auseinandersetzung mit dem US-Kongress nach dem Cambridge-Analytica-Skandal können es nicht verbergen: Facebook steckt in der Krise. Neben der Forderung zur Aufspaltung und der Schattenprofile gesellt sich nun ein Datenhack.

Am Freitag erklärte Facebook, dass das Unternehmen von einem massiven Hackerangriff betroffen sei. Bis zu 50 Millionen Nutzerkonten seien betroffen. Der Angriff wurde dabei schon am Dienstag entdeckt. Nach aktuellem Erkenntnisstand ist jedoch nicht ersichtlich, ob tatsächlich Daten wie Name, Geschlecht oder Wohnort gestohlen wurden.

Datenkrake ohne Kontrolle

Der Hack ist dabei nur eine von vielen Negativ-News die aktuell auf Facebook einprasseln. Das Thema Datenschutz frisst sich regelrecht in Bilanz und Aktienkurs des Konzerns. So erstellt Facebook unter anderem Schattenprofile in denen Werbende anhand der Telefonnummern nach Menschen suchen können, die selbst überhaupt nicht im Sozialen Netzwerk angemeldet sind. Zudem werden Daten wie die Telefonnummer für die Zwei-Faktor-Authentifizierung auch für Werbezwecke verwendet. Da wundert es nicht, wenn sowohl von europäischen als auch amerikanischen Politikern der Ruf nach einer Aufspaltung der Datenkrake laut wird.

Ob eine Aufspaltung überhaupt Sinn ergeben würde, ist bei Experten allerdings stark umstritten. Doch angesichts der zahlreichen Datenskandale könnte Facebook Gegenstand einer Strafandrohung durch die EU-Kommission werden. Strafhöhe: bis zu vier Prozent des jährlichen Umsatzes.

Am Ende der Fahnenstange

Facebook ist nicht nur mittelfristige aufgrund eines schlechten Managements unter Druck. Der Konzern steht auf dem gesellschaftlichen Prüfstand. Die endgültige Frage dürfte sein: Ist das Produkt Facebook qualitativ den Verkauf Ihrer Daten wert? Die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Drittel der Amerikaner und Europäer diese Frage mit „Ja!“ beantworten, hält DER AKTIONÄR dabei für eher unwahrscheinlich. Die Folge: schrumpfende Nutzerzahlen, Verlust von Werbe-Reichweite und schwächeres Wachstum. Ein Szenario, vor dem sogar die Geschäftsführung seit Jahresanfang warnt. Hier will kein langfristig orientierter Anleger investieren. Finger weg!