03.12.2018 Börsen. Briefing.

Fonds- und ETF-Anleger aufgepasst: Was passiert, wenn ...

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Deutsche Bank
Trendthema

Wer ETF- oder Fonds-Anteile erwirbt, hat vor allem eines im Sinn: Er will Gewinne erzielen, bestenfalls über Marktniveau. Die dabei anfallenden Gebühren? Ein notwendiges Übel. Man nimmt sie hin, weil jemand anderes einem die Arbeit abnimmt. Dass ein ETF 0,25 Prozent pro Jahr "kostet", ein aktiv gemanagter Fonds bisweilen 1,50 Prozent – das hat Gründe, aber nicht immer nachvollziehbare. Jetzt beginnt das Gebührenmodell zu kippen. Mit dramatischen Folgen. 

Die Disruption macht bekanntlich auch vor der Finanzwelt nicht Halt. Abzulesen ist das allein schon beim Blick auf die Kurstafel in Frankfurt. Mit Wirecard hat im Herbst ein Unternehmen Einzug in Deutschlands Auswahlindex gehalten, das Banken-Platzhirschen wie Deutsche Bank und Commerzbank den Rang abläuft. Nicht nur operativ, sondern auch in anderer Hinsicht. Wirecard etwa ist heute in etwa so viel wert wie die Deutsche Bank. Aber das ist eine Geschichte für sich. 

Hier geht es um ETFs und aktiv gemanagte Fonds. Auch sie werden jetzt disrupted, wie es neudeutsch so schön heißt. Überraschenderweise jedoch nicht von außen, sondern aus ihrem Innersten heraus. Die US-Fondsgesellschaft Fidelity hat die Gebühren für eine Reihe von ETFs auf 0,0 Prozent gesenkt. Branchenvertreter befürchten, was Beobachter erwarten: Dass bald die nächsten Anbieter nachziehen, auch hierzulande. ETFs umsonst? Ja, was drüben heute schon Realität ist, wird auch hier eintreten. Aus gutem Grund: ETFs bilden die Entwicklung eines bestimmten Index ab. Die Arbeit übernimmt ein Computer. Der kostet wenig. Also darf er folgerichtig auch nichts verdienen. Oder? 

Was auf den ersten Blick begrüßenswert ist und die Netto-Rendite von Anlegern steigen lässt, hat auch Nachteile. Etwa den: Weil die hinter einem ETF stehende Gesellschaft ihr Gewinnstreben mit der Gebühr nicht gleich mit an den Nagel hängt, intensiviert sie andere Geschäfte, beispielsweise die Wertpapierleihe. Oder sie setzt den Spread hoch und verdient so (wenn auch nur einmalig bei Kauf und Verkauf) an der Transaktion. Dadurch wird der ETF-Kauf nur noch scheinbar günstiger, der wahre Preis intransparenter. 

Wirklich verändern wird die Null-Zins-Gebühr-Politik aber vor allem und insbesondere eines: Die Transparenz des Kunden. Um Profit aus ihm zu ziehen, werden Banken und Fondsgesellschaften gezwungen sein, ihm andere, ergänzende Produkte zu verkaufen. Damit sie das gezielt und damit möglichst effizient tun können, werden Sie ihn – den Kunden – auswerten. Big Data und Data Analysis sind die Schlagworte, mit denen sie sich auseinandersetzen. Dann regeln die Computer nicht mehr länger nur den ETF- und Fonds-Handel, sondern durchleuchten auch mehr und mehr das Investmentverhalten der Privatanleger. Ob das den Null-Zins wirklich attraktiv macht? Die Zeit wird zeigen, ob Anleger wirklich gewinnen, nur weil sie an einer Stelle weniger zahlen.

Dieser Beitrag ist erschienen im Börsen.Briefing. – dem neuen täglichen Newsletter des Anlegermagazins DER AKTIONÄR. Registrieren Sie sich jetzt kostenfrei für das Börsen.Briefing. und starten Sie täglich bestens informiert in den Handelstag.

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