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26.07.2020 Adam Maliszewski

Experte Michael Sterner zu Green New Deal: „Der Zug ist noch nicht abgefahren“

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Morgan Stanley Knock-Out Aktionaer Save the World Index

DER AKTIONÄR sprach mit Prof. Dr. Michael Sterner von der OTH Regensburg, er forscht und entwickelt seit über einem Jahrzehnt zu erneuerbarem Gas und Energiespeicher. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Europäischen Kommission zum gemeinsamen Unternehmen Wasserstoff und Brennstoffzellen (FCH JU).


DER AKTIONÄR: Erneuerbare Energien, Windkraft, Wasserstofftechnologie und E-Mobilität! Wo sollte die deutsche Regierung Ihrer Meinung nach die Schwerpunkte setzen?

MICHAEL STERNER: Wir haben das Pariser Klimaschutzabkommen unterzeichnet und damit gilt es für uns völkerrechtlich bindend. Unsere Systemmodelle, die über 350 Pfade von erneuerbaren Energien zu Elektromobilität und Wasserstoff in allen Sektoren wie Strom, Gebäude, Verkehr und Industrie umfassen und damit den kostenoptimalen Weg zur Defossilisierung abbilden, zeigen folgende Punkte:

1. Der Kohleausstieg ist der effizienteste und leichteste Weg, den wir bis zum Jahr 2030 abschließen können. Jeder in der Branche weiß: wenn wir aus Kohle und Atom aussteigen, müssen wir in die Speicher einsteigen. Die gute Nachricht: es sind alle Speichertechnologien vorhanden, die wir für die Energiewende brauchen. Das werden Tagesspeicher sein wie große Batterien oder Pumpspeicher, aber auch Gasspeicher mit Wasserstoff und erneuerbaren Gas. Für die Gasspeicher müssen wir noch die Ladegeräte bauen: die besagten Elektrolysehersteller von NEL, ITM, Hydrogenics und McPhy - alle börsennotiert und mit enormer Wertsteigerung durch die nationalen und EU-weiten Wasserstoffinitiativen.

2. Wasserstoff brauchen wir auch im Verkehr: Batterieelektrisch werden wir PKW und leichte Nutzfahrzeuge sehen, aber im Schwerlastverkehr und im internationalen Flug und Schiffsverkehr kommen wir nicht um Kohlenwasserstoffe herum, während bei LKWs der reine Wasserstoff noch denkbar ist, sehen wir bei Flug und Schiffsverkehr definitiv flüssige Kraftstoffe, also Kohlenwasserstoffe, daher werden wir zeitnah Elektrolyseure in Raffinerien sehen, die dann zuerst den fossilen Wasserstoff aus Erdgas ersetzen und dann Stück für Stück auch das Erdöl.

3. Die Industrie ist der schwierigste Brocken in der Dekarbonisierung, aber auch hier wird Wasserstoff für die Stahlherstellung, in der Chemieindustrie für Grundstoffe wie Ethen und Propen, in der Glasindustrie, etc. gebraucht.

4. In der Wärmeversorgung gibt es zahlreiche Alternativen zum Wasserstoff, hier wird vor allem die Wärmepumpe das Rennen machen.


Wohin sollten die Gelder und mit welcher Intensität fließen? Ihre Schwerpunkte?

Die Elektrolyse ist und bleibt die Kerntechnologie einer Wasserstoffwirtschaft, weil wir zum Beispiel im Flugzeug den weiter verarbeiteten Wasserstoff langfristig noch in Turbinen verbrennen werden. Daher ganz klar meine Präferenz: lasst uns in der Wasserstoffherstellung, also in der Wasserelektrolyse, viel investieren und die Kosten nach unten bringen über ein Markteinführungsprogramm und großzügige Ziele.

Wenn wir das jetzt nicht angreifen, er geht es uns wie bei der Batterieforschung: Europa war Spitzenreiter in den achtziger Jahren, dann alles verkaufen und Südostasien, und jetzt holen wir es für Milliarden wieder mühsam zurück. Das ist die falsche Strategie und sollte uns bei der Wasserstofftechnologie nicht noch einmal passieren. Wir haben hier schon sehr viel Forschungsmillionen investiert, daraus sollten wir nun Wertschöpfung und Arbeitsplätze generieren. Die Brennstoffzelle hat noch einige technische Herausforderungen zu meistern wie die Langzeitstabilität - daher Forschung ja, Markteinführung nein.

Deutschland hat die E-Mobilität mit ihren Herausforderungen lange Zeit links liegen lassen, nun ist der Druck auf die heimischen (Auto-) Zulieferer und Autobauer ins unermessliche angewachsen, haben wir noch die Chance auf eine eigene, „deutsche“ E-Batterie oder ist der Zug bereits abgefahren?

Ich führe in meinem Vergleich seit zwölf Jahren die Elektromobilität mit. Wir haben sie seit 2009 in die Energieszenarien der Bundesrepublik eingebaut. Ich kann mir diese Verzögerung beim Ausbau der Elektromobilität nur mit einer Lethargie und Bequemlichkeit der deutschen Autobauer erklären, die viel zu kurzfristig denken und lieber die kurzfristigen Profite der alten Verbrennungsmotor-Technologie mitnehmen für den nächsten Quartalsbericht, anstatt langfristig für das eigene Unternehmen, die gesamte Belegschaft, die Gewerkschaften und letztendlich den ganzen Industriezweig und damit auch ein Stück weit unser Land zu denken, zu entscheiden und zu handeln.

Nein, der Zug ist noch nicht abgefahren, aber auf ihn aufzuspringen bedeutet einen großen Kraftakt, weil andere einfach bei den Themen Connectivity, autonomes Fahren und Elektromobilität einfach wesentlich weiter sind. Ich sage seit Jahren: unter ein Tablet eine Karosserie mit ein paar Reifen dran zu bauen ist keine große Kunst. Das können andere auch gut, daher sollten wir uns darin üben, wenn wir Automobilland bleiben möchten.


Michael Sterner ist Professor für Energiespeicher und Erneuerbare Energien an der OTH Regensburg. Er hat mit Fachkollegen die „Power to Gas“ -Technologie entwickelt, bei der Wasser (H2O) mithilfe von Strom per Elektrolyse in Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O2) aufgespalten und mit CO2 zu erneuerbarem Gas weiterverarbeitet wird. Daraus entstand der Megatrend Power-to-X. -- Publikationen: Standardwerk zu „Energiespeicher - Bedarf, Technologien, Integration“, Springer, gemeinsam mit Prof. Dr.-Ing. habil Ingo Stadler und Koautoren. 2. Auflage 2017 (860 Seiten)
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Energiespeicherung auf der großen Skala ist essentiell. Wie schätzen Sie die Chancen ein, dass die von Ihnen erforschte „Power to Gas“ nun wieder in die Pläne miteinbezogen werden könnte?

Sie können es sich nicht vorstellen, welche Genugtuung aus diesen europaweiten und nationalen Wasserstoffplänen fließt. 2009 habe ich meine Doktorarbeit veröffentlicht, wir haben das Power-to-Gas Patent eingereicht und die ersten Jahre nur Spott und Hohn geerntet: Wasserstoff braucht niemand, auch nicht weiterverarbeitet zu Methan oder etwas anderem wie Kerosin, das ist viel zu ineffizient und zu teuer und wird sowieso nicht gebraucht, weil wir alles elektrisch machen werden. Es hat dann die ersten mutigen Investoren gebraucht wie Audi und E.ON, die 2012 und 2013 die ersten Großanlagen hingestellt haben, im Vertrauen auf die Politik, dass sich der Betrieb lohnt. Weil, selbst wenn sie die beiden Hauptkritikpunkte wie Wirkungsgrade und Kosten idealisierte ansetzen: 100 Prozent Wirkungsgrad, null Euro Investition, dann haben sie nach wie vor keine Rentabilität, weil sie alle Steuern, Abgaben und Umlagen auf den eingekauften Strom zur Wasserstoffherstellung zahlen. 


Sterner at al, FENES OTH Regensburg

Diesen Fakt beten wir der Politik seit 2012 vor, wir haben aber kein Gehör gefunden. 2014 haben wir eine große Speicherstudie für die Agora Energiewende veröffentlicht, in der klipp und klar drin stand, dass wir Wasserstoff brauchen. In diesem Bericht habe ich auch erstmals das Wort Power-to-X eingeführt. Die Politik hat das schlichtweg mit dem Argument: erst bauen wir die Stromnetze aus, dann kommen die Speicher, abgewiegelt. 2015 dürfte ich auf einem High Level Roundtable der EU Kommission zur Energiespeicherung meine Ideen zur Sektorenkopplung, Power-to-X, und der sektorenübergreifenden Integration erneuerbarer Energien vorstellen. Damals war das noch sehr exotisch und das Hauptthema waren Batterien und Pumpspeicher. Das ist das, an was immer gedacht wurde wenn das Wort Energiespeicher viel. 


Es wurde besser mit der Dieselkommission, in der ich die Idee eingebracht habe, neben der nat. Plattform E-Mobililtät auch eine Plattform für synthetische Kraftstoffe aufzubauen. Das wurde umgesetzt, sonst nicht viel. Aber Gottseidank haben wir seit Jahren einen wichtigen Mitstreiter: die Gaswirtschaft. Für die ist das Thema grüne Gase existenziell. Zu der Gaswirtschaft gesellten sich nun auch die Stahlindustrie, die Chemieindustrie, die Mineralölindustrie und die Automobilindustrie, weil sie erkannt haben, dass sie die Klimaschutzziele ohne Wasserstoff und Power-to-X nicht erreichen. Und nur darüber ist nun endlich der notwendigen Druck - vor allem im Bundeswirtschaftsministerium - entstanden, dass die sich die Einsicht zeigt: wir brauchen beides, Elektronen und Moleküle!


Interessante Chancen für Anleger bietet der Save the World

Morgan Stanley Knock-Out Aktionaer Save the World Index (WKN: MC834M)

Hinweis auf potentielle Interessenkonflikte gemäß §34b WpHG:

Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rechte hieran. Die Börsenmedien AG hat mit Morgan Stanley als Emittent des Finanzinstruments eine Lizenzvereinbarung geschlossen, wonach die Börsenmedien AG Morgan Stanley eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält insoweit von Morgan Stanley Vergütungen.


Brauchen wir nicht noch weitere Anreize? Kombinierte Incentive von privaten Playern und dem staatlichen Programm?

Ich bin im wissenschaftlichen Beirat der Europäischen Kommission zum gemeinsamen Unternehmen Wasserstoff und Brennstoffzellen (FCH JU). Hier läuft seit Jahren eine erfolgreiche Synergie zwischen öffentlicher Förderung und privaten Investoren. Ich hoffe das es in Zukunft davon noch mehr gibt. Große politische Beschlüsse bringen dem Klima erst etwas, wenn auch reale Anlagen gebaut werden, und das klappt nicht ohne vorausschauende mutige Unternehmer und einer Belegschaft, die bereit ist sich auf neue Themen einzulassen.

Dieses Interview ist in unserem Heft DER AKTIONÄR Nr. 31/2020 erschienen, welches Sie hier als PDF herunterladen können.