08.05.2017 Florian Söllner

Elektroauto nein, Aktie ja. Öko-Pionier Platow: „Der Erfolg ist mir fast unangenehm“

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OEKOWORLD-KLIMA C
Trendthema

Ein Held ist, wer sich der Verantwortung bewusst ist, welche die Freiheit mit sich bringt“, so Bob Dylan, der von Steve Jobs verehrt wurde und Ökoworld-Chef Alfred Platow inspirierte. Auch wer Geld anlegt, hat immer auch ein Stückchen Macht und Verantwortung. Die große Frage ist: Schadet mein Investment indirekt der Umwelt, Armen oder dem Frieden?

Investieren und gleichzeitig „das Menschsein im Auge behalten“ hat sich vor allem Ökoworld auf die Fahne geschrieben. Der „Rhythmus und die Botschaft aus Rock‘n‘Roll-Zeiten“ wehen durch die Zentrale in Hilden und locken immer neue Investoren an. Das Konzept geht auf. Mittlerweile sind in den Ökoworld-Fonds rund 950 Millionen Euro angelegt. „Wir sind unangefochtener Marktführer“, so Platow.

DER AKTIONÄR: Herr Platow, Sie sind Vorreiter für ethische Investments. Welcher Trend wird in den nächsten Jahren die Branche bestimmen?

Alfred Platow: Unsere Schwerpunkte sind Ernährung, Bildung und Gesundheit. Sehr große Spannung für die nächsten 20 Jahre liegt im Thema Wasser. Wasser verbraucht die Menschheit im Moment hauptsächlich für die Produktion. Wir investieren etwa in eine Firma, die Mini­filteranlagen für indische Familien anbietet. Ein gewaltiger Markt – die Bevölkerung wird hier in den nächsten Jahren massiv wachsen. Oder in den USA in eine Firma, die mit 25 Prozent des Wassers für die Bewirtschaftung der Felder und Äcker auskommt.

Noch viel heißer in den Medien diskutiert wird die E-Mobilität. Ist dieses Thema nicht wie gemacht für Ökoworld?

Ich habe drei Jahre alltäglich den Nissan Leaf gefahren – doch bei diesem Elektroauto wie auch bei anderen handelt es sich aufgrund der noch zu geringen Reichweite um eine Katastrophe. Ich bin mir sicher, dass vielmehr die Brennstoffzelle das Rennen macht.

Doch noch steht die Brennstoffzelle am Anfang. Fürchten Sie, dass der neue US-Präsident umweltfreundlichen Technologien Steine in den Weg legt?

Trump wird den Etat für umweltfreundliche Projekte kürzen. Doch man muss sagen, dass die Trump-Rhetorik und -Thematik viel zu heiß gekocht wird.

Jeder hat eine Meinung zu Trump – doch immer noch wenige Deutsche einen Bezug zum eigenen Investieren ...

Ja, leider! Ich bin seit Jahren Leser des aktionär und würde mir wünschen, es würden sich noch viel mehr Menschen für Aktien interessieren. Ich finde es sehr schade, dass die Aktienkultur in Deutschland so vernachlässigt wird. Wieso gibt es an Gymnasien nicht Unterricht in Steuern, Finanzen und Recht? Die Jugend kann Cicero und Plato zitieren und Faust interpretieren, weiß aber nicht, was es beutet, wenn eine Anleihe fällt.

Was wollen Sie tun, um neue Altersschichten dafür zu begeistern?

Wir planen ein Produkt für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene: einen Elternfonds. Erwachsene 50 plus und auch Senioren 70 plus sollen unkompliziert und mit gutem Gewissen Fondsanteile an Kinder und Enkelkinder verschenken können.

Öko und Kapital: Wie schaffen Sie glaubwürdig den Spagat zwischen Birkenstock-Sandalen und Business-Lackschuhen?

Generationen von Eltern und Großeltern sind und waren politisch versiert und voller sozialem Bewusstsein – Rock‘n‘Roll im Kopf und hoher Anspruch im Herzen. Dazu passt Ökoworld mit den Investitionsthemen Gesundheit, Bildung und Ernährung. Für einen alternativen Kapitalismus, der das Menschsein im Auge behält.

Der „Beat“ in der Bewegung des Rock‘n‘Roll war immer eine friedliche Revolution ohne Gewalt. Peace and Love. Das sind der Rhythmus und die Botschaft, die auch in den Adern der Ökoworld-Philosophie menschlich den Takt angeben. Unsere Anleger tanzen gerne friedlich mit klarer Meinung aus der Reihe in den kalten Zeiten von Erdogan und Co.

Sie managen mittlerweile fast eine Milliarde Euro in Ökoworld-Fonds. Das lohnt sich.

Ja, der große finanzielle Erfolg ist mir fast schon unangenehm. Es brummt weiter. Der Bedarf an ethischen Fonds und Versicherungsprodukten bleibt hoch.

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Als Contrarian mehr Erfolg an der Börse?

Autor: Dellinger, Elisabeth / Fisher, Ken
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Verlag: Börsenbuchverlag
Art: gebunden
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Ken Fisher ist unter Investoren und Börsianern eine Legende. Als Anleger ist er ein sogenannter Contrarian. Das heißt, er denkt und handelt anders, als es die Masse der Anleger tut. Sind alle skeptisch, steigt er ein. Sind alle euphorisch, wird er vorsichtig.
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