07.04.2020 Fabian Strebin

Commerzbank: Kommt eine Kapitalerhöhung?

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Commerzbank

Während des Crashs im Februar und März haben sich Aktienanalysten mit Bewertungen sehr zurückgehalten. Zu groß war vielen anscheinend die Unsicherheit, das galt gerade auch für Bankaktien. Die Commerzbank-Aktie legt dagegen nach einem starken Wochenauftakt heute ebenfalls wieder kräftig zu. Auch eine negative Einschätzung der UBS kann das Papier nicht aufhalten.

Die Schweizer Großbank UBS hat ihre Einschätzung für die Aktie zwar auf „Neutral“ belassen, das Kursziel wurde von 5,70 auf 3,60 Euro aber drastisch gesenkt. Der tiefe Aktienkurs könnte ein Indiz sein für Sorgen vor einer Kapitalerhöhung und vor einer sinkenden oder gar negativen Kapitalrendite (ROTE), schrieb Analyst Daniele Brupbacher in einer am Montag vorliegenden Studie. Angesichts erheblicher Unsicherheiten in vielerlei Hinsicht habe er seine Schätzungen für den bereinigten Gewinn je Aktie bis 2022 deutlich gekürzt.

Sparen ist angesagt

Richtig ist, dass sich die Commerzbank seit Jahren im Umbau befindet und erst im letzten September die Strategie verschärft wurde. Die Corona-Krise dürfte die Restrukturierung beschleunigen. So soll eine von der Bank engagierte Beratungsfirma weiteres Einsparpotenzial von 500 Millionen Euro identifiziert haben. Ursprünglich wollte die Commerzbank bis 2023 600 Millionen Euro einsparen. Die Kosten-Ertrags-Quote lag Ende 2019 bei 78 Prozent und damit deutlich über dem EU-Durchschnitt, was Luft nach oben lässt.

KfW-Darlehen helfen nicht nur Unternehmen

Die Bundesregierung versucht mit massiven Hilfsprogrammen die Auswirkungen auf die Wirtschaft abzufedern. Davon profitieren indirekt auch die Banken, die besonders stark im Geschäft mit Betrieben aller Art sind. Die Commerzbank hat somit nicht nur wie alle anderen Institute Erleichterungen bei den Eigenkapitalvorschriften und der Risikovorsorge für Kredite. Die hohe Absicherung von Firmenkrediten durch die staatliche KfW-Förderbank hat zudem das Ausfallrisiko für Unternehmenskredite deutlich gesenkt.

Staat haftet für KMU-Kredite

Wie im Vorfeld vermutet, wurden gestern von der Bundesregierung weitere Hilfen für Kleine- und mittlere Unternehmen beschlossen. Die Liquidität soll mit voller Staatshaftung bis zu dem Zeitpunkt, zu dem es wieder aufwärtsgeht, gesichert werden. Demnach können Unternehmen bis zu drei Monatsumsätze aus 2019 als Kredit erhalten. Für Firmen mit mehr als 50 Beschäftigten liegt das maximale Kreditvolumen bei 800 .000 Euro, für Unternehmen mit weniger, aber mindestens zehn Beschäftigten bei bis zu 500 .000 Euro. Der Staat übernimmt 100 Prozent der Kreditrisiken, die Kreditlaufzeit wird auf zehn Jahre verlängert.

DER AKTIONÄR teilt die Einschätzung der UBS nur bedingt. Aktuell kann von einer drohenden Kapitalerhöhung keine Rede sein. Niedrigere Gewinnschätzungen für das laufende Jahr sind gerechtfertigt, dass es zu außerordentlich großen Kreditausfällen kommt, ist durch die Haftung der Bundesrepublik aber unwahrscheinlicher geworden.

Mutige Anleger können das positive Momentum nutzen und eine kleine Position aufbauen. Allerdings sollte die Kursentwicklung weiterhin volatil bleiben.

Mit Material von dpa-AFX.

Hinweis auf Interessenkonflikte: Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Commerzbank.

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Commerzbank (WKN: CBK100)