An der Wall Street herrscht trügerische Stille. Bevor die Tech-Giganten ihre Bücher öffnen und die Notenbank Fed ihre Karten auf den Tisch legt, gehen Anleger in Deckung. Der Dow Jones notiert vor Handelsstart nahezu unverändert bei 49.097 Punkten. Der technologielastige Nasdaq 100 signalisiert mit einem vorbörslichen Minus von 0,2 Prozent hingegen leichte Nervosität. Der Grund ist eine Zerreißprobe zwischen unsicherer Geldpolitik, massiven KI-Ausgaben und einem historischen Rohstoff-Boom.
Am Mittwoch steht der Zinsentscheid der US-Notenbank an. Zwar rechnet der Markt fest damit, dass die Leitzinsen unangetastet bleiben, doch der eigentliche Krimi spielt sich auf der Personalebene ab. Die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell endet im Mai und der Druck aus dem Oval Office wächst. US-Präsident Donald Trump drängt auf einen Wechsel. Als potenzielle Nachfolger werden bereits BlackRock-Manager Rick Rieder und der ehemalige Notenbanker Kevin Warsh gehandelt.
Erschwerend kommt hinzu, dass in Washington erneut ein „Government Shutdown“ droht. Die Demokraten im Senat blockieren die Finanzierung des Heimatschutzministeriums – eine Reaktion auf tödliche Vorfälle bei der Einwanderungsbehörde in Minnesota. Politische Börsen haben zwar oft kurze Beine, doch die Unsicherheit bremst die Kauflaune.
Showtime für Big Tech
Während die Politik streitet, müssen die Schwergewichte im Silicon Valley liefern. Apple, Microsoft, Tesla und Meta legen in dieser Woche Quartalszahlen vor. Anleger schauen dabei weniger auf den Umsatz der Vergangenheit als auf die Rendite der Zukunft. Die zentrale Frage lautet, wann sich die massiven Milliarden-Investitionen in Künstliche Intelligenz in harter Währung auszahlen. Entsprechend dünnhäutig reagieren Tech-Investoren derzeit auf jede Unsicherheit.
Gold schreibt Geschichte
Ein völlig anderes Bild zeigt sich bei den „Hard Assets“. Der Goldpreis hat Historisches geleistet und erstmals die Marke von 5.000 Dollar durchbrochen. Ein Mix aus geopolitischen Risiken, Zentralbankkäufen und der Spekulation auf langfristig sinkende Zinsen treibt die Notierung. Die Minenwerte fungieren als Hebel auf diese Entwicklung, was sich in den vorbörslichen Kursen widerspiegelt.
Merck lässt Deal platzen
Auf dem Boden der Tatsachen landeten hingegen die Aktionäre von Revolution Medicines. Der Pharma-Riese Merck & Co hat laut „Wall Street Journal“ die Übernahmegespräche abgebrochen, da man sich schlicht nicht auf einen Preis einigen konnte. Die Strafe des Marktes folgt prompt und brutal. Die Aktien von Revolution Medicines kollabieren vorbörslich um 21 Prozent, während Merck-Papiere sich unbeeindruckt zeigen.
Heute, 15:05