Beim Verpackungsspezialisten Gerresheimer rücken die Aufseher noch enger heran. Wie der Düsseldorfer Konzern mitteilte, hat die Finanzaufsicht Bafin eine bereits laufende Prüfung ausgeweitet und zugleich eine zusätzliche Untersuchung angestoßen. Die Aktie rauscht erneut weiter nach unten.
Im Fokus stand bislang der Geschäftsbericht 2023/24. Nun nehmen die Kontrolleure auch den Zeitraum vom 1. Dezember 2024 bis zum 31. Mai 2025 unter die Lupe. Damit verschärft sich der regulatorische Druck auf das Unternehmen deutlich.
An der Börse sorgte die Nachricht für Unruhe. Im nachbörslichen Handel geriet die Aktie am Mittwoch bereits spürbar unter Druck, auch am Donnerstagmorgen geht es weiter nach unten. Investoren reagieren sensibel, denn die Bafin hatte zuvor insbesondere den Umgang mit sogenannten „Bill-and-hold“-Geschäften kritisch hinterfragt. Jetzt scheinen darüber hinaus weitere bilanzielle Fragestellungen aufgekommen zu sein.
Bei „Bill-and-hold“-Vereinbarungen werden Produkte bereits fakturiert, obwohl sie noch nicht an den Kunden ausgeliefert wurden – etwa weil dieser die Ware aus logistischen Gründen erst zu einem späteren Zeitpunkt abnehmen möchte. Solche Modelle sind grundsätzlich zulässig und in der Praxis verbreitet. Allerdings existieren klare Vorgaben, unter welchen Bedingungen entsprechende Umsätze verbucht werden dürfen. Hintergrund ist die Sorge, dass Erlöse vorzeitig erfasst und Geschäftszahlen dadurch günstiger dargestellt werden könnten, als es der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage entspricht.
Die charttechnische Erholung der Gerresheimer-Aktie über die Marke von 20,00 Euro war nur von kurzer Dauer. Am Donnerstagmorgen notiert die Aktie nur noch bei 15,69 Euro. Damit rückt nun sogar das Rekordtief aus dem Jahre 2009 bei gut 13 Euro immer näher. Anleger sollten weiterhin nicht ins fallende Messer greifen und die Entwicklungen bei Gerresheimer von der Seitenlinie aus verfolgen.
Heute, 08:21