Wirecard
- Nikolas Kessler - Redakteur

Wirecard: Trotz Short-Verbot – hier wetten Investoren auf den nächsten Crash

Die Entscheidung der BaFin, Aufbau oder Ausbau von Netto-Leerverkaufspositionen bei Wirecard zu verbieten, hat zu Wochenbeginn eine Erholungsrallye der Aktie ausgelöst – und gleichzeitig heftige Diskussionen ausgelöst. Fragen nach der Verhältnismäßigkeit und ob die Behörde womöglich mehr weiß, als die Öffentlichkeit, stehen seitdem im Raum. Zudem ist die Wirksamkeit eines solchen Verbots umstritten. Anleger können nämlich auch weiterhin auf fallende Kurse spekulieren.

Wie Bloomberg am Freitag berichtet, sei der Handel mit Derivaten auf Wirecard nicht explizit verboten – auch wenn Anleger damit auf sinkende Kurse setzen können. So gäbe es beispielsweise Put-Optionen, die an der Terminbörse Eurex gehandelt werden. Ein Sprecher vom Börsenbetreiber Deutsche Börse bestätigte der Nachrichtenagentur, dass der Handel mit solchen Zertifikaten bislang nicht ausgesetzt sei.

Auch auf der Euwax der Börse Stuttgart wird noch munter weiter auf fallende Notierungen der Wirecard-Aktie gewettet, und zwar mit Optionen sowie Faktor- oder Knock-out-Zertifikaten. Rund 6.500 verschiedene Produkte alleine auf den Basiswert Wirecard sind in Stuttgart notiert und auch Put-Produkte könnten weiter gehandelt werden, sagte ein Sprecher der Börse.

Auch über synthetische Shorts ließe sich gegen den Zahlungsabwickler wetten. Dabei werden Verfahren DAX-Futures leerverkauft und anschließend sämtliche DAX-Aktien mit Ausnahme von Wirecard gemäß ihrer Indexgewichtung gekauft. Das komplexe Verfahren dürfte jedoch allenfalls von Finanzprofis angewendet werden.

Ob diese „Schlupflöcher“ für das Leeverkaufsverbot geschlossen werden sollen, dazu wollte sich die BaFin gegenüber Bloomberg nicht äußern. Auch die Frage, wie die Behörde die Einhaltung ihrer Allgemeinverfügung durchsetzen will, blieb demnach unbeantwortet.

Aktie auf Erholungskurs – aber volatil

Nach dem Durchhänger zur Wochenmitte kann die Aktie von Wirecard am Freitag wieder über drei Prozent zulegen und klettert damit an die DAX-Spitze. Für Unterstützung sorgen dabei die Aussagen vor Vorstandschef Markus Braun zur Entwicklung des operativen Geschäfts. Auch die Analysten gehen nach wie vor von einer Fortsetzung der Wachstumsstory aus (siehe Grafik).

Geschäftsentwicklung von Wirecard 2017 bis 2021e

 

Daten: Bloomberg

Was Braun zu der Auseinandersetzung mit der Financial Times zu sagen hat, klingt inzwischen allerdings weniger kämpferisch als noch in den letzten Wochen (Das Börsen.Briefing. von DER AKTIONÄR berichtete am Morgen). Das liefert erneut Material für wilde Spekulationen.

Wünschenswert wäre daher, dass die internen Untersuchungen der Vorwürfe schnell abgeschossen und die Vorwürfe der Financial Times idealerweise entkräftet werden. Solange die angebliche Bilanz-Manipulation im Raum stehen und theoretisch jederzeit neue Negativ-Schlagzeilen folgen könnten, sollten sich Trader auf eine hohe Volatilität einstellen.

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  • Dennis Pagel -
    Hier über Recht und Unrecht von Börsenabstürzen zu philosophieren hat schon etwas religiöses... wäre ein Börsenabsturz von 50% denn gerechtfertigt gewesen, wenn es nicht ein paar, sondern 100 Millionen EUR gewesen wären? Bei Aktien geht es halt ums Vertrauen, genauso wie beim Arbeitsverhältnis. Rechtfertigt es die fristlose Kündigung, wenn Sie Schrauben im Wert von 2,50 EUR mitgehen lassen? Oder erst, wenn Sie eine komplette Kiste für 500 EUR klauen? In beiden Fällen können Sie fristlos entlassen werden. WireCard hat mit diesem Vorfall massiv Vertrauen verspielt und niemand weiss wirklich zu 100% ob es dann schon gewesen ist oder ob morgen der nächste Skandal enthüllt wird. Bei der Deutschen Bank dachte man auch "Jetzt ist endlich alles raus"... und dann kam der nächste Skandal...
  • Thorsten Beyer -
    In Anbetracht der Summe, die in Rede steht, hätten sich Dementi nicht gelohnt, wenn auch nur etwas dran wäre an der Story. Ein Statement wie "In der Tat gab es eine Unregelmäßigkeit, an deren Aufklärung wir mit Nachdruck arbeiten.." hätte einen kurzen Einbruch, aber sicher nicht diesen Absturz nach sich gezogen. Vielmehr wäre man wohl längst wieder bei "business like usual".
  • Chillside
    Chillside -
    Ich bin absolut Ihrer Meinung, Herr Barzen. Immerhin sagt Herr Maydorn klar, dass es sich bei den Untersuchungen um einen kleinen Betrag handelt und dies wohl kaum Auswirkungen auf die Geschäfte von Wirecard haben dürfte.
  • Georg Barzen -
    Entscheidend ist, ob die Aktie leerverkauft wird oder nicht, der kauf oder Verkauf von Optionen beeinfluß den Kurs nicht direkt. Ich kann nur empfehlen, die Aktie zu kaufen, auf die Sicht von 6 Monaten wird man mehr verdienen als in Anleihen. Sehr geehrter Herr Kssler, latent kommen ihre Artikel bei mir immer mit einem negativen Touch an, statt mal klar zu sagen: erhebliches jährliches Wachstum, was bedeutet es wenn ein kleiner Manger in Singapur um ggf. weniger als paar Millionen gepfuscht hat, rechtfertigt das einen Aktienabsturz von 50% ?, bitte fördern sie mit einem rationalen Ansatz und Sprachgebrauch die Versachlichung des Themas, damit jeder selbst das Risiko abschätzen kann.

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