Tesla
- Werner Sperber - Redakteur

Tesla Motors: Sechs Jahre warten?

Wann wird das erste Modell „3“ von Tesla Motors geliefert? Wann bekommt der letzte potenzielle Kunde, der an diesem Wochenende reserviert hat, das Auto vors Haus gestellt? Ein Rechenbeispiel, das Mitgründer und Vorstandsvorsitzenden Elon Musk nicht gefallen wird.

Versprechen wird wohl nur zu zwei Drittel gehalten
Angenommen, Elon Musk hält diesmal die versprochene Lieferzeit ein, bekäme der erste der 276.000 Reservierer des Modell „3“ (Stand Sonntag 9 Uhr) sein Fahrzeug zu Weihnachten 2017 geliefert. Angenommen, das Modell „X“ würde sich wie das Modell „S“ verkaufen, also etwa 50.000 Mal pro Jahr, müsste Tesla Motors eben auch 100.000 dieser Autos im Jahr bauen, was wiederum die Kapazitäten für den „3“er beschränkt. Im Jahr 2015 baute Tesla insgesamt 50.600 Autos, das waren 45 Prozent mehr als 2014. Angenommen, diese enorme Zuwachsrate würde dauerhaft beibehalten, könnte Tesla in diesem Jahr 73.400 Fahrzeuge bauen, im nächsten Jahr 106.400, im Jahr 2018 wären es 154.300, im Jahr 2019 schon 223.680 und im Jahr 2020 schließlich 324.400 – weit weniger als die von Musk versprochenen 500.000 Fahrzeuge.

Der letzte „3“er kommt in vier bis sechs Jahren
Im nächsten Jahr würden also 6.400 Fahrzeuge mehr gebaut als für die Modelle „S“ und „X“ veranschlagt. Entsprechend müssten noch immer 270.000 Reservierer des Modell „3“ von vergangenem Wochenende auf das Jahr 2018 vertröstet werden. Im Jahr 2018 wären 54.300 Stück als „3“er-Produktionskapazität frei. So fortgerechnet bekäme der Letzte, der am Wochenende einen „3“er reserviert hat, das Auto im Mai 2020 geliefert, also in vier Jahren und einem Monat. Angenommen, es dauert beim Modell „3“ von der Vorstellung bis zur ersten Auslieferung auch so lange wie beim Modell „X“, kommt der im April 2016 reservierte Mittelklassewagen erst in sechs Jahren vor das Haus. Sechs Jahre lang besitzt die finanzschwache Firma Tesla Motors die Anzahlung von 1.000 Euro. Geld kann Tesla gebrauchen, um die Kapazitäten auszubauen, schließlich belief sich die Eigenkapitalquote zum Ende des vergangenen Jahres nur auf 13,5 Prozent.

Fragen, aber keine Antworten
Elon Musk muss also zwingend schneller werden. Doch, wie soll die Fertigungskapazität für demnächst sogar drei Fahrzeugmodelle ausgebaut werden? Wie viele Menschen stellt Tesla Motors dafür ein? Wie erfolgt der Vertrieb der Fahrzeuge, wenn das Modell 3 für den Massenmarkt taugen soll? Wie erfolgt die Betreuung der Tesla-Modelle in Werkstätten? Fragen, auf die Musk bislang nicht antwortet, weil er die Antworten vielleicht selbst nicht weiß. Was Musk macht, ist zu versprechen, doch diese Versprechen scheint er nicht ernst zu nehmen, wie etwa sein Schmunzeln bei der Zusage des Liefertermins für den „3“er andeutet und die tatsächlich gebrochenen Liefer-Versprechen für den „X“ beweisen.

Weiter Finger weg
Die Jünger von Tesla Motors sind geduldig, das haben diejenigen bewiesen, welche das Modell „S“ oder das „Modell „X“ reserviert und mindestens drei und ein Viertel Jahr darauf gewartet haben. Doch welcher Durchschnittsverdiener in Deutschland kann es sich leisten, so lange auf sein Auto zu warten und dafür 40.000 Euro in Reserve zu haben, wenn er doch täglich ein Fahrzeug braucht? Elon Musk bleibt die Antwort auf die Frage schuldig, ob er Massenmarkt kann. Die potenziellen Käufer werden sich die Frage stellen, ob sie vier Jahre warten möchten und das auch können. Ohne Käufer wird der „3“er aber nicht das dringend benötigte Massenprodukt, mit dem Tesla das noch dringender benötigte Geld verdient. Konservative Anleger sollten deshalb weiterhin die Finger von Tesla lassen. Noch mehr zum Thema ist auch in der aktuellen Ausgabe von DER AKTIONÄR zu lesen. 

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  • Ed Dwolleck -
    "deutsche Arroganz" "euch lieb" ... mein lieber Kollege Meier, dass hat wenig mit deutscher Arroganz zu tun und vielmehr mit Erfahrungswerten. Sie sollten sich mal das Interview mit dem Ex-General Motors Vorsitzenden Bob Lutz durchlesen. Mitnichten ein Teutone aber ein Kenner der Branche. Die Produktionsprobleme des Modell X sprechen für sich, ebenso die mit Augenzwinkern von Musk getätigte Aussage man rechne mit Auslieferungen "Ende 2017". Also.. statt auf die armen deutschen zu schimpfen sollte man sich erst einmal kritisch mit der Materie auseinandersetzen. Nicht mit der Brille eines vor dem Tesla Store kampierenden Early Adopter.
  • Herbert Meier -
    Ich habe noch selten so einen Schwachsinn gelesen! Der Autor hat sich ganz offenbar noch nicht mit TSLA auseinandergesetzt. Kleines Beispiel das Spritzwerk, dass Tesla vor mehr als einem Jahr beschaffen hat, hat eine Kapazität von 500'000 Fahrzeugen im Jahr. Das Model 3 wird schon seit mehreren Jahren entwickelt und davon ist natürlich die Produktion nicht ausgeschlossen. Nun anzunehmen, dass Tesla nichts gelernt und nur mit den bestehenden Produktionsstrassen arbeiten wird, ist schlicht deutsche Arroganz. Tesla lernt schneller als alle deutschen Hersteller zusammen und mit der Software sind Sie euch deutschen schon Lichtjahre voraus. Das Model 3 wird nicht nur schneller auf der Strasse sein als es euch lieb ist, es wird dies auch (für euch) erschrekend autonom tun.
  • Herbert Meier -
    Ich habe noch selten so einen Schwachsinn gelesen! Der Autor hat sich ganz offenbar noch nicht mit TSLA auseinandergesetzt. Kleines Beispiel das Spritzwerk, dass Tesla vor mehr als einem Jahr beschaffen hat, hat eine Kapazität von 500'000 Fahrzeugen im Jahr. Das Model 3 wird schon seit mehreren Jahren entwickelt und davon ist natürlich die Produktion nicht ausgeschlossen. Nun anzunehmen, dass Tesla nichts gelernt und nur mit den bestehenden Produktionsstrassen arbeiten wird, ist schlicht deutsche Arroganz. Tesla lernt schneller als alle deutschen Hersteller zusammen und mit der Software sind Sie euch deutschen schon Lichtjahre voraus. Das Model 3 wird nicht nur schneller auf der Strasse sein als es euch lieb ist, es wird dies auch (für euch) erschrekend autonom tun.

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