Tesla
- Werner Sperber - Redakteur

Tesla Motors: Um 5.30 Uhr beginnt die neue Zeit

Elon Musk, Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Tesla Motors, stellt am Donnerstagabend in den USA das neue Modell „3“ vor. Zu dieser Zeit ist es in Deutschland Freitagmorgen, 5.30 Uhr. Zu Börsenbeginn ist deshalb mit stärkeren Kursbewegungen zu rechnen, je nachdem ob Musk überzeugt oder eben nicht.

Im vergangenen Jahr setzte Tesla 52.000 rein elektrisch betriebene Automobile ab, wobei die 200 im vierten Quartal verkauften Geländelimousinen „X“ noch nicht ins Gewicht fielen. Der durchschnittliche Verkaufspreis belief sich auf 71.900 Dollar. Von Massenmarkt, Werkstatt-Betreuung für Autos in einem Massenmarkt oder auch nur Verkaufslogistik für den Massenmarkt kann also nicht gesprochen werden; auch nicht, wenn Tesla in diesem Jahr tatsächlich wie geplant 80.000 bis 90.000 Autos absetzt (im ersten Quartal 2016 beträgt das Absatzziel von Tesla 16.000 Autos). In sechs US-Bundesstaaten (US-Kfz-Marktanteil 18 Prozent) ist der Direktvertrieb von Tesla an die Kunden gesetzlich untersagt worden.

Finanziell günstig – in den USA
Nun soll also das Modell „3“ vorgestellt werden, welches ab dem Ende des nächsten Jahres ab 35.000 Dollar verkauft werden soll. Solange hat Tesla also noch Zeit, um die logistischen Voraussetzungen für einen Verkaufserfolg zu schaffen. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Neuwagens in den USA beträgt nach Angaben der Fachzeitschrift „Auto, Motor & Sport“ 31.000 Dollar. Allerdings gewährt Tesla zunächst wohl einen Preisnachlass von 1.000 Dollar, dazu kommen eine US-Steuergutschrift von 7.500 Dollar sowie weitere Kaufprämien von 2.000 bis 6.000 Dollar je nach US-Bundesstaat. Ein „3“er Tesla kostet also tatsächlich lediglich 24.500 oder gar nur 20.500 Dollar. Finanziell ist der „3“er also eher ein Schnäppchen – in den USA. In Deutschland dürfte der „3“er wohl 40.000 Euro kosten, steuer- und zollbedingt, einschließlich 1.000 Euro Reservierungs-Gebühr.

Technisch gut
Die Batterien für den „3”er sollen aus der „Superfabrik” kommen, die ab dem nächsten Jahr im US-Bundesstaat Nevada in Produktion gehen soll. Mit diesen Batterien soll der „3“er, entsprechend den Limousinen „S“ 320 Kilometer weit fahren können. Nicht nur die „Jünger“ von Tesla sind von der technischen Qualität der Fahrzeuge angetan. Nun kommt es noch darauf an, was Tesla tatsächlich zeigen wird: einen Prototyp nur zum Ansehen oder ein Automobil, welches die geladenen Gäste, Händler usw. tatsächlich fahren können. Es besteht also auch technisches Enttäuschungspotenzial, zusätzlich zu dem Enttäuschungspotenzial, welches aufgrund der enormen Erwartungen ohnehin vorhanden ist.

Weiter Finger weg
Der „3”er soll die „eierlegende Wollmilchsau“ von Tesla werden: Ein gehobenen Ansprüchen genügendes und dennoch vergleichsweise günstiges Auto, das Fahrspaß bietet, für den täglichen Weg zur Arbeit, wie für Urlaubsfahrten geeignet ist und dazu noch blendend aussieht. Selbst wenn Tesla diese Erwartungen erfüllt, muss Elon Musk noch glaubhaft erklären, wie er diese Fahrzeuge ausliefern und in Werkstätten warten lassen möchte, um den möglichen und hoffentlich geduldigen Käufern einen Service zu bieten, wie es etwa für Volkswagen üblich ist: In jedem Ort einen VW-Händler mit Werkstatt. Konservative Anleger sollten deshalb weiterhin die Finger von Tesla lassen.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Michael Rath -
    Werkstätten wie bei VW ?!?

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema: