Der Bitcoin sucht seine Identität – und findet sie derzeit nicht im Narrativ des „digitalen Goldes“. Anstatt in stürmischen geopolitischen Zeiten als sicherer Hafen zu glänzen, bestätigt die Krypto-Leitwährung aktuell eher das Narrativ einer hoch volatilen Tech-Aktie. Doch ein Termin könnte das Ruder noch einmal herumreißen.
Zwar konnte sich der Kurs von den nächtlichen Tiefstständen von rund 88.000 Dollar erholen, doch der Aufwärtsdrang fehlt. Eine leichte Entspannung an den globalen Anleihemärkten lieferte zwar einen temporären Boden für Risiko-Assets – japanische Staatsanleihen stiegen, nachdem Offizielle zur Ruhe gemahnt hatten. Doch die geopolitische Gemengelage drückt die Stimmung.
Im Zentrum der Unsicherheit steht US-Präsident Donald Trump. Seine erneute Forderung nach US-Kontrolle über Grönland, gepaart mit neuen Zolldrohungen gegen verschiedene europäische Nationen, sorgt für Nervosität. Während europäische Staaten bereits Vergeltungsmaßnahmen vorbereiten, richten sich alle Augen auf Trumps Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos, die um 14:45 Uhr deutscher Zeit beginnt.
„Enttäuschende Performance“
Auch Krypto-Schwergewichte zeigen sich skeptisch. Mike Novogratz, CEO von Galaxy Digital, sieht zwar im steigenden Goldpreis ein Indiz dafür, dass der US-Dollar seinen Status als Reservewährung „mit beschleunigter Rate verliert“. Doch vom Bitcoin kann er derzeit nicht profitieren. Novogratz bezeichnete die Performance der Kryptowährung als „enttäuschend“, da jeder Anstieg sofort mit Abverkäufen beantwortet werde.
High-Beta statt Hedge
Analysten von QCP Capital bestätigen dieser Einschätzung. Das Momentum habe Mühe, sich neu zu etablieren, da den Märkten schlicht der Risikoappetit fehle. Ihr Befund ist eindeutig: „Anstatt als Absicherung (Hedge) zu fungieren, handelt BTC wie ein High-Beta-Risiko-Asset, das hochsensibel auf Zinsen, Geopolitik und marktübergreifende Volatilität reagiert.“
Solange keine klaren politischen Signale – etwa aus Davos – kommen, dürfte der Krypto-Sektor in der Defensive bleiben.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 14:36