Silber: Ein Teufelskreis

Silber: Ein Teufelskreis
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Lars Friedrich Heute, 19:39 Lars Friedrich

Die Luft muss raus! Neben Bitcoin und Software-Aktien korrigiert auch der Silberpreis heute weiter. Silber wird erneut abverkauft und verliert zeitweise bis zu 18 Prozent. Der Preis rutscht im Tagesverlauf unter 73 Dollar je Unze. Damit ist die kurze Erholung der vergangenen zwei Tage komplett ausgelöscht.

Nach der Rekordrally, die zuletzt völlig überhitzt wirkte, ist der Rückwärtsgang eingelegt. Seit dem Allzeithoch der vergangenen Woche hat Silber mehr als ein Drittel an Wert verloren. Die Volatilität schießt nach oben. Solche Ausschläge gab es zuletzt 1980. Für viele Marktteilnehmer ist das Neuland.

Auslöser ist weniger das physische Angebot als das, was den Preis zuvor nach oben getrieben hat: Spekulation. Vor allem in China floss massiv Kapital in Edelmetalle – von Privatanlegern bis hin zu großen Fonds. Silber, Kupfer, Gold: alles auf Rekord. Jetzt läuft die Bewegung rückwärts.

Als die Preise am Freitag während des asiatischen Handels drehten, setzte eine Verkaufswelle ein. Stopp um Stopp wurde ausgelöst. Der Abverkauf zog sich durch das Wochenende und beschleunigte sich zu Wochenbeginn weiter. Seitdem bleibt Silber extrem schwankungsanfällig.

Volatilität frisst Vertrauen

Es gilt damit weiterhin, was unter anderem vor zwei Tagen in „Gold und Silber: Der Zock geht weiter“ zu lesen war: „Der Ausverkauf der letzten beiden Sitzungen hat zwar Luft rausgelassen, aber es bleibt ein sehr spekulativ getriebener Markt für Trader. So hohe Schwankungen sind jedenfalls definitiv nicht normal. Schon gar nicht für vermeintliche Stabilitätsanker im Depot.“

Silber ist wegen seiner kleineren Marktgröße ohnehin volatiler als Gold. In Kombination mit hohen Preisen und dünnem Handel verstärken sich die Ausschläge. Dazu kommt: der gehebelte Handel verstärkt die Bewegungen ebenfalls. Einige Profis haben beim ersten Anzeichen von Schwäche mit massiven Leerverkäufen begonnen. Händler berichten, dass es zunehmend schwierig wird, Positionen zu stellen. Kreditlimits geraten unter Druck, Gegenparteien ziehen sich zurück. Die Folge: weniger Liquidität. Das bedeutet: noch heftigere Bewegungen.

Ein Teufelskreis, bei dem im Extremfall noch immer viel Luft nach unten bleibt. Schließlich liegt Silber auf Sicht von zwölf Monaten immer noch rund 173 Prozent im Plus.

Silber (WKN: 965310)

Mit Fundamentaldaten oder handfesten Neuigkeiten haben die aktuellen Kursbewegungen bei Silber praktisch nichts zu tun. Das ist derzeit somit kein Markt für Rohstoff-Investoren, sondern einer für erfahrene Trader und Glücksritter. Silber bleibt vorerst Spielball für Spekulanten. Mehr dazu unter anderem in der neuen AKTIONÄR-Ausgabe.

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