Wacker Chemie
- Michael Schröder - Redakteur

Wacker Chemie: Neue Prognose zu niedrig, wenn ...

Das Polysilizium-Geschäft steht bei Wacker Chemie im Fokus. Im laufenden Jahr rechnet der Münchner Konzern auf der einen Seite mit einem Umsatzplus dank einem höheren Absatz von Polysilizium. Auf der anderen Seite ist mit einem EBITDA-Rückgang um zehn bis 20 Prozent zu rechnen – wegen voraussichtlich niedrigerer Durchschnittspreise für Polysilizium. Allerdings sind erstmals seit langem in diesen Tagen die Spotpreise für den wichtigen Rohstoff gestiegen. Ist dieser Trend von Dauer, könnten die Gewinnprognosen zu niedrig angesetzt sein. Doch es gibt noch einen anderen Aspekt.

Hochreines Polysilicium ist der zentrale Rohstoff dieser Industrien. Als Pionier der ersten Stunde zählt Wacker Chemie zu den Weltmarktführern bei der Produktion dieses außergewöhnlich reinen Materials. Die Nachfrage ist hoch: Für den Umsatz rechnet der Wacker-Chemie-Vorstand daher in diesem Jahr mit einem Anstieg um einen mittleren einstelligen Prozentwert. Bei einer angenommenen Steigerung um fünf Prozent wären das etwa 5,2 Milliarden Euro nach 4,98 Milliarden im vergangenen Jahr. Das wäre dann auch ein Schnaps mehr als Experten im Durchschnitt erwarten.

Aufgrund der jüngsten Preisentwicklung wird der Vorstand beim Gewinn aber vorsichtiger: Auf Basis der neuen Prognose könnte das EBITDA im laufenden Jahr im schlimmsten Fall von 930 Millionen in 2018 auf 744 Millionen Euro fallen. Die obere Begrenzung der Prognosespanne sieht einen Wert von 837 Millionen Euro vor. Die Schätzungen der Experten lagen im Schnitt bisher bei 982,5 Millionen Euro. Der Rückgang dürfte sich dann auch auf weitere Ertragskennzahlen wie die EBITDA-Marge, das EBIT und das Jahresergebnis entsprechend auswirken. 

Aber: In dieser neuen Ergebnisprognose für 2019 sind die für das laufende Jahr erwarteten Zahlungen der Versicherung für einen Betriebsausfall in einem US-Werk bislang ausgeklammert. „Zu den erwarteten Versicherungsleistungen nennen wir keine genaue Zahl, weil wir diesbezüglich noch in Gesprächen sind, aber wir rechnen mit einem dreistelligen Millionenbetrag“, erklärt ein Konzernsprecher auf Nachfrage. „Nach Erhalt der Versicherungsleistungen werden wir diese im Segment „WACKER POLYSILICON“ verbuchen. Das bedeutet, dass wir sie sowohl in diesem Segment als auch im Konzern als Ertrag in der Gewinn- und Verlustrechnung sehen werden.“ Hier könnte sich im Jahresverlauf also noch was tun.

Ebenfalls interessant: Sinkende Preise und die Unklarheit über die künftige staatliche Förderung von Solaranlagen im wichtigen Markt China belasten das Geschäft mit Polysilizium seit einiger Zeit. Die Solarindustrie ist hier mit weitem Abstand der größte Abnehmer. Erstmals seit langem sind in diesen Tagen die Spotpreise gestiegen. 

Quelle: Bloomberg

Es ist zwar noch unklar, ob das von Dauer ist. DER AKTIONÄR setzt allerdings weiter auf eine Erholung der Preise. Damit könnte sich der Ausblick als zu konservativ erweisen – zumal der Trend in den anderen Geschäftsbereichen weiter nach oben zeigen dürfte. So war 2018 etwa die Silikon-Sparte, die auch Dicht- und Schmiermittel für die Bau- und Autoindustrie herstellt, stark gewachsen. In der Polymer-Sparte für Bindemittel und Lackharze war der Umsatz im vergangenen Jahr zwar noch leicht gestiegen, allerdings hatten höhere Rohstoffkosten auf den Gewinn gedrückt.

Anleger sollten nach dem Rücksetzer vorerst Ruhe bewahren. Der noch junge Aufwärtstrend ist noch intakt. Und solange sich die Aktie über dem Unterstützungsbereich von 82,25 Euro halten kann, gibt es im Vorfeld der Bilanzpressekonferenz am 19. März und neuen Details zum Ausblick keinen Handlungsbedarf.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Aktien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.

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