Steinhoff
- Andreas Deutsch - Redakteur

Steinhoff? Lieber Gerry Weber!

Während bei Steinhoff mal wieder Geduld angesagt ist – das Unternehmen hat die Bilanzvorlage für 2017 und 2018 erneut verschoben – geht bei Gerry Weber die Post ab. Nach einer Kursexplosion von 37 Prozent geht es am Dienstag munter weiter: Die Gerry-Weber-Aktie klettert um zwölf Prozent. Wie geht es weiter?

Der Schrumpfkurs von Gerry Weber kommt an der Börse exzellent an. Der schwer angeschlagene Modehersteller schließt in Deutschland 120 Geschäfte und baut 454 Stellen ab. Eine entsprechende Einigung mit den Arbeitnehmervertretern sei bereits unterzeichnet worden, so das Unternehmen. Die Maßnahmen würden „umgehend umgesetzt“, hieß es. Die Neupositionierung werde Ende 2021 abgeschlossen sein.

DER AKTIONÄR hatte bereits vor Wochen die Strategie von CEO Johannes Ehling gelobt. Ehling, seit anderthalb Jahren im Gerry-Weber-Vorstand, will die Zielgruppe erweitern. Gerry Weber soll künftig die Frau ab 50 ansprechen und nicht mehr primär die Frau ab 60, so Ehling in einem Handelsblatt-Interview. Dafür will der Manager die Kollektionen komplett auffrischen: mehr fließende Formen und italienische Lässigkeit, keine „genagelten“ Blazer mehr. „Wir haben heute die Probleme, weil in unseren Läden immer noch klassische Kombinationsmode wie vor 15 Jahren hängt“, gibt Ehling zu. Das sollte sich schnell ändern.

Bei der neuen Strategie setzt Ehling auch verstärkt auf Online als Vertriebskanal. Gut so, denn die Generation 50+ ist gewiss internetaffiner als die über 60 Jährigen. Dadurch sinken die Kosten stark, während die Margen hochgefahren werden. Außerdem kann Gerry Weber via App zielgerichtet und individuell seine Produkte bewerben und verkaufen. Bei Adidas zum Beispiel klappt das schon länger ausgezeichnet – der Sportartikelhersteller wächst online deutlich zweistellig.

Gerry Weber spüre schon jetzt Rückenwind im Markt durch die bereits ergriffenen Maßnahmen zur Neupositionierung, sagte Vorstandschef Johannes Ehling am Freitag. „Die Effekte aus den leider unverzichtbaren Sanierungsmaßnahmen werden diesen Rückenwind sicherlich verstärken."

Steinhoff äußert Bedauern

Während die Spekulanten bei Gerry Weber derzeit also allen Grund zur Freude haben, ist beim Penny-Stock Steinhoff Dürre angesagt. Die Aktie gibt am Dienstagmorgen weiter nach, verliert in Frankfurt 1,5 Prozent auf 0,108 Euro. Das Unternehmen gab am Freitag bekannt, dass die Bilanzen für 2017 und 2018 erneut verschoben werden müssen. Der Geschäftsbericht für das Jahr 2017 soll nun am 7. Mai veröffentlicht werden, der Bericht für 2018 am 18. Juni.

„Wir bedauern diese weitere Verzögerung aufrichtig“, so Steinhoff-Finanzvorstand Philip Dieperink. Zwar hätte das Unternehmen erhebliche Fortschritte erzielt. „Doch der Umfang und die Komplexität der Buchhaltungs- und Prüfungsarbeiten haben die Arbeitsbelastung erheblich erhöht.“

Gerry Weber ist eine Wette wert

Steinhoff ist nach wie vor eine Black Box und die Aktie nicht kaufenswert. Gerry Weber macht Fortschritte, die Chancen auf eine Rettung stehen nicht schlecht. Mutige Anleger können mit einer kleinen Position auf ein Überleben spekulieren.

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