Nordex
- Michael Schröder - Redakteur

Mächtig viel Wind: Nordex und PNE Wind in der Analyse

Wind 20100429

Die Rahmenbedingungen stimmen. Der Windanlagenbauer Nordex und der Projektierer PNE Wind befinden sich auf einem dynamischen Wachstumskurs. DER AKTIONÄR hat beide Wind-Aktien unter die Lupe genommen.

Deutschlands Energieminister Sigmar Gabriel hat den Kritikern im Bundestag zuletzt den Wind aus den Segeln genommen: „Niemand muss Sorge haben, die Energiewende werde ausgebremst.“ Seine These belegte er mit eindrucksvollen Zahlen. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Stromverbrauch in Deutschland ist laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft in den ersten drei Monaten auf etwa 27 Prozent gestiegen. Im ersten Quartal des Vorjahres steuerte Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biogas erst 23 Prozent dazu bei. Bis 2025 soll der Ökostromanteil laut Gabriel auf 40 bis 50 Prozent zunehmen. Zuvor wurde dem Minister vorgeworfen, durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) den Ausbau von erneuerbaren Energien abzuwürgen.

Gut acht Prozent des deutschen Strombedarfs werden durch Windenergie abgedeckt. Insgesamt existieren in Deutschland heute bereits über 23.000 Windanlagen mit einer Leistung von über 31.000 Megawatt (MW)– Tendenz steigend. Weltweit erwartet das Global Wind Energy Council (GWEC) für 2014 eine installierte Windleistung von 379 Gigawatt, bis zum Jahr 2020 soll sich diese auf 795 Gigawatt mehr als verdoppeln. Profitieren werden von dieser Entwicklung nicht nur Windanlagenbauer wie Nordex, sondern auch Projektierer wie PNE Wind, die für die Umsetzung großer Windparks verantwortlich sind.

Nordex: Gestärkt aus der Krise
Aus der zurückliegenden Konsolidierung der Windbranche ist der Windanlagenbauer Nordex als Gewinner hervorgegangen. Das Unternehmen, das mittlerweile in 19 Ländern der Erde vertreten ist, hat seine Hausaufgaben gemacht. Die Produktionskosten wurden deutlich gesenkt. Allein zwischen 2010 und 2012 erzielte der TecDAX-Konzern eine Einsparung von rund 15 Prozent. Bis 2015 soll das Gleiche noch einmal gelingen.

Zudem konzentrieren sich die Norddeutschen auf die Entwicklung neuer, effizienterer Turbinen, wodurch sich die Wettbewerbsstellung weiter verbessern dürfte. Alexander Drews, Analyst bei Montega, geht davon aus, dass Nordex seine Position unter den Top 10 der Windbranche weiter festigen wird.

Und die Geschäfte laufen exzellent. Das bestätigen auch die jüngsten Quartalszahlen. Nordex gelang es, Umsatz und Gewinn im ersten Quartal deutlich zu steigern. Der Absatz kletterte um 64 Prozent auf 424,5 Millionen Euro. Das operative Ergebnis des Konzerns lag bei 21,1 Millionen Euro. Im Vorjahr stand hier noch ein Minus von 0,7 Millionen Euro zu Buche. Analyst Christopher Rodler von Warburg Research lobt zudem den sehr starken Auftragseingang getrieben durch den deutschen Markt.

Im Zuge des guten Jahresauftakts hat der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr angehoben. Die Zielvorgabe beim Umsatz liegt nun bei 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro sowie einer EBIT-Marge von vier bis fünf Prozent. Zuvor wurden 1,4 bis 1,5 Milliarden Euro und eine Marge von 3,5 bis 4,5 Prozent in Aussicht gestellt. Rodler hält zudem die Schätzung für 2015 (fünf Prozent Marge) noch für zu konservativ. Er rechnet mit einer EBIT-Marge von sechs bis sieben Prozent.

PNE Wind: Hier wächst was heran
Nicht ganz so stürmisch wie Nordex ist die PNE Wind AG ins neue Jahr gestartet. „Die Zahlen lagen etwas unter meinen Schätzungen, aber bei einem Projektierer sollte man Quartalszahlen nicht überbewerten“, erklärt Karsten von Blumenthal. „Entscheidend ist, dass PNE in Deutschland im ersten Quartal mit dem Bau von Windkraftanlagen mit einer Kapazität von 100 MW begonnen hat und diese bis Jahresende in Betrieb nehmen will“, führt der Analyst von First Berlin aus. Allein diese 100 MW entsprechen einem Umsatzpotenzial von rund 200 Millionen Euro. Zudem ist die Pipeline in Großbritannien, Frankreich und Rumänien gut gefüllt.

PNE Wind plant und realisiert Windparkprojekte an Land (onshore) sowie auf hoher See (offshore). Dabei liegt die Kernkompetenz in der Entwicklung, Projektierung, Realisierung und Finanzierung von Windparks sowie deren Betrieb oder dem Verkauf mit anschließendem Service. Die schlanke Unternehmens- und Personalstruktur ermöglicht das Erzielen von hohen Margen. „Anleger können sich darauf einstellen, dass 2014 ein sehr profitables Geschäftsjahr wird“, so von Blumenthal. Mittelfristig dürfte sich PNE Wind aus seiner Sicht als einer der wesentlichen Spieler unter den Windkraftprojektierern herauskristallisieren.

Auf dem Weg dahin muss der Konzern im Ausland ähnlich erfolgreich werden wie in Deutschland. „Die Internationalisierung, die starke deutsche Onshore-Projektpipeline und die sehr gute Wettbewerbsposition im Offshore-Bereich sollten die Ergebnisvolatilität verringern und die Attraktivität der Aktie steigern“, ist der Analyst überzeugt. Seine Empfehlung lautet daher: Kaufen mit Kursziel 4,70 Euro.

Der Windpark-Projektierer hat auf der heutigen Hauptversammlung eine erneut gesteigerte Dividendenausschüttung beschlossen. Die Aktionäre stimmten mit großer Mehrheit für den Vorschlag von Vorstand und Aufsichtsrat, eine Dividende von 0,10 Euro sowie eine
Sonderdividende von 0,05 Euro je gewinnberechtigter Stückaktie auszuzahlen. Im Vorjahr waren 0,08 Euro plus 0,02 Euro je Stückaktie ausgeschüttet worden.

"2013 war das erfolgreichste Geschäftsjahr unserer Unternehmensgeschichte und konnte mit einem Rekordergebnis abgeschlossen werden. Mit der Übernahme der WKN AG, der Platzierung unserer Unternehmensanleihe und wichtigen operativen Weichenstellungen - onshore wie offshore - haben wir die PNE Wind-Gruppe entscheidend weiterentwickelt. Hiervon profitieren nun erneut unsere Aktionäre", so Martin Billhardt, Vorstandsvorsitzender der PNE Wind AG.

Fazit: Zwei Aktien im Aufwind
Die Aktie von Nordex hat sich in den vergangenen Monaten bereits stark entwickelt. Gelingt die geplante Profitabilitäts-Steigerung und die Entwicklung effizienterer Produkte dürfte der Aufwärtstrend noch lange anhalten. Das Geschäft von PNE Wind ist sehr volatil. Kann die Gesellschaft ihre Pipeline erfolgreich abarbeiten, dürften die Margenziele erreicht werden und die Aktie auch in einen nachhaltigen Aufwärtstrend übergehen. Beide Aktien dürften das Depot auf Sicht beflügeln.

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