Gold
- Markus Bußler - Redakteur

Gold fällt auf 700 Dollar

Keine Sorge, dieses Kursziel stammt nicht von mir. Dieses Kursziel stammt aus einem am Wochenende in den USA veröffentlichten Artikel. Interessant sind die Thesen, die darin aufgestellt werden. Zum einen werde der Dollar weiter steigen und damit Druck auf den Goldpreis ausüben, zum anderen könnten die Zentralbanken damit beginnen, ihre Goldbestände zu verkaufen. Schauen wir uns die Argumente einmal genauer an.

Ich bin mir nicht sicher, ob der Autor weiß, dass sich die Europäische Zentralbank sowie 20 weitere europäische Zentralbanken bereits Mitte 2014 auf eine Verlängerung des „Central Bank Gold Agreements“ bis 2019 verständigt haben, dass die Goldverkäufe durch die Zentralbanken reglementiert. Aber gut, der Autor könnte argumentieren, Russland, die USA oder gar China könnten Gold verkaufen. Freilich gibt es bislang keine Anhaltspunkte, dass dies geplant ist. Dennoch: Die Möglichkeit besteht natürlich immer.

Die Geschichte lehrt etwas anderes

Aber sollten sich Anleger davor fürchten? Die Zentralbanken waren Anfang des Jahrtausends bis einschließlich 2009 Netto-Verkäufer auf dem Goldmarkt gewesen. Was hat der Goldpreis in dieser Zeit gemacht? Richtig, er ist gestiegen. Erst 2010 sind die Zentralbanken auf die Netto-Käufer-Seite gewechselt. Und bis heute sind die Notenbanken Nettokäufer. Mit anderen Worten: Während des gesamten Bärenmarktes von 2011 bis 2015 waren die Notenbanken Käufer. Doch gebracht hat das dem Goldmarkt vergleichsweise wenige. Wenn also der Bullenmarkt in eine Zeit von Zentralbank-Verkäufen gefallen ist und der Bärenmarkt in eine Zeit von Zentralbank-Käufen – warum sollten sich Anleger vor möglichen Verkäufen durch die Zentralbanken fürchten. Ein Blick auf die Geschichte offenbart: Das Verhalten der Zentralbanken steht in keinem Zusammenhang zum Kursverlauf des Goldpreises.

Das gilt übrigens mit Abstrichen auch für den US-Dollar. Derzeit besteht eine vergleichsweise hohe Korrelation zwischen Dollar und Gold. Das mag niemand bestreiten. Allerdings kann man hier durchaus die Diskussion um Henne und Ei führen. Offensichtlich nimmt jeder an, dass der Wechselkurs des Dollars den Goldpreis steuert. Genauso gut könnte man jedoch argumentieren, dass der Goldpreis den Wechselkurs beeinflusst. Beweisen wird man das nicht können. Sei´s drum. In der Geschichte liefen der US-Dollar-Index und der Goldpreis auch lange Zeit in die gleiche Richtung, sprich der Dollar wurde stärker und Gold stieg. Dazu muss die Frage gestattet sein: Wer sagt, dass der Dollar weiter steigt? Das scheint eine Behauptung zu sein, an der niemand wirklich rütteln mag. Und Sie wissen wie das ist: Wenn an der Börse alle von etwas überzeugt sind, geschieht meist das Gegenteil.

Mit anderen Worten: Hinterfragen Sie solche Artikel, wenn Sie sie lesen. Oft stecken nicht viele Fakten dahinter. Meist wird mit der Angst der Anleger gespielt. Und mit reißerischen Kurszielen wird versucht, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Mehr aber auch nicht.

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