- Markus Bußler - Redakteur

Gold, Goldpreis und Minen: Hier irren die meisten

Der Goldpreis befindet sich auf Talfahrt. Und schon beginnt die Diskussion, welche Auswirkungen dieser Kurssturz auf die Goldunternehmen hat. Zudem stellt sich die Frage: Kann der Goldpreis mittelfristig unter die Produktionskosten der großen Produzenten fallen? In Internet-Foren wird dies kontrovers diskutiert.

Schon jetzt sind viele Goldprojekte nicht mehr profitabel. Diese Erkenntnis ist angesichts des deutlich eingebrochenen Goldpreises kaum mehr überraschend. Dass es nach einigen Berechnungen aber bereits 40 Prozent der Projekte sein sollen, die nicht mehr profitabel sind, dürfte überraschen. Dabei muss man natürlich unterscheiden: Die reinen Cash-Kosten liegen in der Regel noch weit unter dem aktuellen Kursniveau. Es sind die all-in-sustaining Kosten, also die Kosten, in die Verwaltungskosten, Minenerhalt und so weiter mit eingerechnet sind, die bei einigen Goldkonzernen schon über dem aktuellen Goldpreis-Niveau liegen. Mit anderen Worten: Die Unternehmen erzielen zwar noch einen positiven Cashflow, machen beim Verkauf der Unzen aber dennoch unterm Strich ein Minus.

Sparmaßnahmen
Sicherlich, solche Durststrecken können die Unternehmen überstehen. Wenn, ja wenn, die Kosten schnell gesenkt werden können, oder aber wenn der Goldpreis wieder steigt. In Sachen Kostensenkungen haben die Unternehmen jedoch nur einen geringen Spielraum. Die Hauptkostentreiber der Minenindustrie sind in den vergangenen Jahren die Arbeitslöhne und die Energiekosten gewesen. Beide Positionen können kaum verändert werden. Sicherlich ist es möglich, in der Verwaltung etwas zu sparen oder aber das eine oder andere Gerät länger zu verwenden. Doch dem Einsparpotenzial sind Grenzen gesetzt. Wird der Goldpreis langfristig unter die Produktionskosten fallen, dürften einige Projekte schlicht und ergreifend still gelegt werden.

Gold wird nicht knapp
Die Folge: Das Minenangebot von zurzeit rund 2.700 Tonnen pro Jahr dürfte dramatisch schrumpfen. Kein Problem, meinen die meisten, wenn man die Internet-Foren so durchstöbert. Schließlich wird Gold im Vergleich zu anderen Bodenschätzen kaum verbraucht. Demnach ist nahezu das gesamt jemals geförderte Gold noch im Umlauf. Die jährliche Inflationierung durch die Minenproduktion beträgt lediglich rund 1,5 Prozent. Darauf könne man auch einige Zeit verzichten, ohne dass Gold wirklich knapp werde. Und diese Argumentation scheint auf dem ersten Blick schlüssig.

Oder vielleicht doch?
Doch was geschieht eigentlich mit dem Gold? Je nachdem, welcher Statistik man glauben will, landen rund 70 Prozent in der Schmuckindustrie, 20 Prozent dienen als Investment in Form von Münzen und Barren und etwa zehn Prozent gehen tatsächlich in die Industrie und finden ihre Verwendung in Handys, Laptops oder auch in der Luft- und Raumfahrttechnologie. Die Argumentation derjenigen, die sagen, eine Verknappung der Produktion würde zu keinem Angebotsdefizit bei Gold führen, begründet sich darauf, dass die 70 Prozent, die in der Schmuckindustrie landen, und die 20 Prozent, die zu Münzen und Barren verarbeitet werden, nach wie vor im Umlauf sind. Aber ist das wirklich so?

Die Investmentseite
Werfen wir zunächst einen Blick auf die Investmentseite: Hier lagert ein nicht unerheblicher Teil Münzen und Barren bei den Zentralbanken dieser Welt. Ein Verkauf ist nicht zu erwarten, im Gegenteil: Zentralbanken, vor allem in Asien, traten zuletzt als Käufer auf dem Markt auf. Mithin ist dieser Teil dem Kreislauf entzogen. Die so genannten Gold-Bugs, also diejenigen, die praktisch in Gold verliebt sind, werden sich von ihren Anteilen kaum trennen. Damit dürfte klar sein: Auch dieses Gold ist dem volkswirtschaftlichen Kreislauf entzogen. In Sachen Investment ist es also tatsächlich so, dass viel Gold in festen Händen liegt.

Die Schmuckindustrie
Was aber nicht so schlimm wäre, wenn die 70 Prozent, die in die Schmuckindustrie geflossen sind, nach wie vor im Handel wären. Man kann davon ausgehen, dass ein Großteil des Goldschmucks, der schon verkauft ist, in heimischen Schatullen lagert. Und jetzt kommt die große Frage: Wann wird dieses Gold wieder in den Umlauf gelangen? Werden Erbstücke und selbst erworbener Goldschmuck dann verkauft, wenn in den Medien zu lesen ist, dass Gold nichts mehr Wert ist? Ja, möchte man meinen – aber bedenken Sie: Diejenigen, die Goldschmuck gekauft haben, haben dies nicht aus Gründen der Wertanlage getan, sondern aus ästhetischen Gründen. Wieso sollten sie verkaufen – noch dazu, wenn ein deutlicher Verlust vorprogrammiert ist? Nein, dieser Auffassung kann ich nicht folgen. Ich glaube, Goldschmuck wird vor allem dann verkauft, wenn in den Zeitungen zu lesen ist, dass mit Gold viel Geld zu verdienen ist. Und das wäre in so einer Phase nicht der Fall. Mit anderen Worten: Auch der Großteil des Goldschmucks würde im heimischen Schmuckkästchen verbleiben. Und das wiederum würde mittelfristig sehr wohl zu einer Verknappung des Goldangebots führen. Und das hätte nach allen volkswirtschaftlichen Regeln einen steigenden Goldpreis zur Folge.

Kurzfristig ist es sehr wohl möglich, dass der Goldpreis unter die durchschnittlichen Produktionskosten fällt. Doch eine Verknappung des Minenangebots würde sehr wohl zu einer Verknappung von Gold auf dem Weltmarkt führen. Und das wiederum würde höhere Preise nach sich ziehen.

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