Gold
- Markus Bußler - Redakteur

Gold: 1.000 Dollar bis Sommer?

Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen deutlich Federn lassen müssen. Ein stärkerer Dollar, die anstehende Zinsanhebung in den USA und die Charttechnik belasten das Edelmetall. Und schon werden die Stimmen lauter, die Gold unter 1.000 Dollar fallen sehen. Und das womöglich schon in diesem Sommer. Woher kommt der Pessimismus?

Die meisten Charttechniker, die dieses Szenario am Horizont erblicken, berufen sich dabei auf den Trendkanal in dem sich Gold nach wie vor befindet. Ausgehend vom Hoch im Jahr 2011 ist Gold im vergangenen Sommer beim Ausbruchsversuch über die ober Begrenzung jäh gebremst worden. Eine deutliche Konsolidierung war dieser Argumentation nach die Folge. Und wenn der Ausbruch aus diesem Kanal nach oben nicht gelingt, dann ist ein Test der unteren Begrenzung häufig die Folge. Und wenn man diesen Trendkanal nach unten fortschreibt, dann ist die untere Begrenzung mittlerweile unter der 1.000-Dollar-Marke. Je nachdem, wo man die Linie zieht, wird man sogar in den Bereich von 900 Dollar kommen.

Gold unter 1.000 Dollar? Möglich

Um es vorweg zu nehmen: Natürlich kann das passieren. Es gibt keine Garantie, dass Gold nicht noch einmal unter 1.000 Dollar fällt. Das sollte sich jeder Goldbulle vor Augen führen. Und fundamentale Argumente sind hier zweitrangig. Erinnern Sie sich bitte, dass der große Goldbullenmarkt von 2011 bis 2015 in eine Zeit fallender Zinsen, steigender Staatsverschuldung und allgemein höchst unsicherer geopolitischer Zeiten fiel. Interessanterweise sendete Gold ausgerechnet mit der ersten Zinsanhebung der Fed seit neun Jahren, im Dezember 2015, ein erstes ernsthaftes Lebenszeichen. Meine Meinung dazu sollte aber hinreichend bekannt sein.

 

Zurück zu unserem Trendkanal. Ich schicke es vorweg: ich bin ein Freund vieler Dinge, gute Musik, manche Fernsehserie, ein gutes Essen. Aber es gibt zwei Dinge, mit denen ich mich nie anfreunden werde: Gold/Silber-Ratio (einzig und allein zur Umrechnung bei Gold- oder Silberäquivalentunzen geeignet, keinesfalls aber zur Bestimmung der weiteren Richtung von Gold oder Silber) und Trendkanäle, schon gleich nicht in der Ausprägung, wie wir sie hier sehen. Warum? Ganz einfach: Damit unterstellen wir in einem nichtlinearen System wie den Finanzmärkten ein lineares Verhalten. Und das sehen wir meines Erachtens nicht. Zudem verkennen diejenigen, die jetzt einen Kurs von unter 1.000 Dollar sehen, dass wir erstmals seit 2011 wieder signifikant ansteigende höhere Tiefs sehen. Natürlich: Werden diese beiden Tiefpunkte gerissen (Dezember 2016 und Dezember 2015) dann müssen wir tatsächlich Richtung 1.000 Dollar blicken. Doch dazu bedarf es keines ominösen Trendkanals, dessen unter Begrenzung zudem arg konstruiert erscheint.

Um das Chartbild perfekt zu machen, müssten wir jetzt ein höheres Hoch ausbilden. Ein Hoch also, das über dem aus dem Sommer 2016 liegt. Damit wäre dann übrigens auch der Trendkanal nicht länger existent. Und genau darauf sollten Anleger mehr Augenmerk richten.

Ich rate Ihnen: Bewahren Sie die Ruhe. Aus heutiger Sicht deutet meines Erachtens wenig auf ein neues zyklisches Tief hin. Die Welt wird sich nach dem Zinsentscheid weiterdrehen. Und etwas mehr Gelassenheit ist dabei sicher nicht der schlechteste Ratgeber. Und die Furcht vor Trendkanälen ist meines Erachtens übertrieben.

 


 

Gold - der sichere Hafen in turbulenten Zeiten?

Gold - Player, Märkte, Chancen

Autor: Bussler, Markus
ISBN: 9783864703980
Seiten: 208
Erscheinungsdatum: 14.09.2016
Verlag: Börsenbuchverlag
Art: gebunden
Verfügbarkeit: als Buch und als eBook erhältlich

Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten finden Sie hier
Das Edelmetall zieht die Menschen seit Jahrhunderten in seinen Bann. Papiergeldwährungen sind gekommen und gegangen. Doch Gold hat den Wohlstand seiner Besitzer gesichert – und dieser Aspekt ist in Zeiten der ultra­lockeren Geldpolitik der Notenbanken aktueller denn je. In »Gold – Player, Märkte, Chancen« entführt Markus Bußler die Leser in die faszinierende Welt des Goldes. Egal ob Münzen, Barren oder Goldminen-Aktien – hier erfährt der Leser, welche Fallstricke es zu ­meistern gilt und wie man sein Geld im wahrsten Sinne des Wortes am besten und sichersten zu Gold macht.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: Der Beginn von etwas Großem?

Der Goldpreis kann auch zum Wochenauftakt wieder zulegen. Wichtig: Die Bullen konnten die Marke von 1.220 Dollar verteidigen. Und damit steigen die Chancen, dass die Bewegung bis in den Bereich von 1.240 Dollar führt. Dort allerdings dürften die Bären noch einmal alles in die Waagschale werfen, um … mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Goldexperte Bußler: Startschuss oder Fehlzündung?

Der Goldpreis zieht deutlich an. Das Edelmetall konnte am Donnerstag die Marke von 1.200 Dollar überwinden. Doch damit ist der Kampf noch nicht gewonnen. „Auch wenn es einige Indizien gibt, dass das mehr als eine Eintagsfliege gewesen ist, müssen sich die Bullen jetzt beweisen“, sagt Markus Bußler. mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold + Goldminen: Schnelles Chartupdate

Gold und Goldminen hatten gestern den stärksten Tag seit langem. Der Goldpreis kletterte dabei über die Marke von 1.220 Dollar, der Goldminen-ETF GDX notierte knapp unter der Marke von 20 Dollar. Interessant auch: Die Umsätze im GDX waren die höchsten, die man in den vergangenen Monaten gesehen hat. mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: Kommt jetzt die Monster-Rallye?

Die Standardaktien knicken ein, der Dow verliert über 800 Punkte, der Nasdaq bricht vier Prozent ein und der DAX rutscht bis in den Bereich 11.500 Punkten. Und nahezu jeder hat eine Flucht der Anleger in den sicheren Hafen Gold erwartet. Doch die blieb aus. Der Goldpreis kann nur marginal zulegen. … mehr