Gold
- Markus Bußler - Redakteur

Gold: 1.000 Dollar? Wie soll das funktionieren?

Goldman Sachs ist durchaus bekannt für seine skeptische Meinung zu Gold. Die Rohstoffanalysten der US-Bank haben kürzlich ein Ziel von 1.000 Dollar noch in diesem Jahr ausgegeben. Bei den Goldproduzenten löst diese Prognose ein Schulterzucken aus. Sie fragen sich: Wie soll das funktionieren?

Gestern hatten wir die Möglichkeit, mit dem Vorstandschef eines kanadischen Goldproduzenten zu sprechen. Als der offizielle Teil zu Ende war, sprach ich ihn auf die 1.000 Dollar von Goldman Sachs für den Goldpreis an. Seine Antwort: „Wie lange soll so etwas funktionieren? Das wäre weit unter den Gesamtkosten der Unternehmen.“

Probleme

Ich habe ihn auch gefragt, was er tun würde, wenn es dennoch eintreten würde. Sein Unternehmen würde in einem solchen Fall faktisch alle Ausgaben für Exploration zusammenstreichen und nur noch die produzierende(n) Mine(n) arbeiten lassen, um einen Cashflow zu generieren. Kurz zur Klarstellung: Auch wenn die Gesamtkosten pro Unze der meisten Unternehmen über 1.000 Dollar pro Unze liegen, würden sie doch bei niedrigeren Goldpreisen noch einen positiven Cashflow erzielen, da die reinen Produktionskosten niedriger sind. Doch in den Gesamtkosten sind beispielsweise Explorationskosten oder auch Kredittilgungen enthalten. All das wäre im Goldman Sachs-Szenario praktisch nicht mehr möglich. Das wiederum würde mittelfristig dazu führen, dass die Unternehmen trotz eines positiven Cashflows Probleme bekommen würden.


Explorationsausgaben zusammengestrichen

Schon jetzt, so bestätigte der CEO, sind die Explorationsausgaben weit niedriger als eigentlich vorgesehen. Das sei auch ein Phänomen in der Branche. Die Unternehmen treten angesichts des niedrigen Goldpreises auf die Kostenbremse. Und am leichtesten lassen sich die Explorationsausgaben begrenzen. Allerdings dürfte das wiederum zeitversetzt in ein paar Jahren dazu führen, dass die Goldproduktion sinkt. Schließlich lassen sich Liegenschaften nicht binnen einiger Monate explorieren – das dauert in der Regel Jahre, bis die entsprechenden Bohrergebnisse, Ressourcenschätzungen und letztlich auch Abbaugenehmigungen vorliegen. Was heißt all das für die Praxis?

Sollte der Goldpreis tatsächlich noch einmal unter Druck geraten, dann könnten die Explorationstätigkeiten der meisten Unternehmen praktisch gegen Null gehen. Das wiederum würde schon psychologisch dazu führen, dass der Eindruck entsteht, Gold könnte knapp werden – und das wiederum würde zu einem höheren Goldpreis führen. In der Branche würde wohl anschließend eine große Akquisitionswelle starten, bei der die größeren Unternehmen Juniorproduzenten und Explorer im weit fortgeschrittenen Stadium übernehmen würden, um die eigene Goldproduktion zu sichern. Doch so weit ist es noch nicht.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: Warten auf den Ausbruch

Der Tisch ist gedeckt. Für die Bullen. Zwar ist Gold charttechnisch angeschlagen. Doch der RSI signalisiert bereits, dass Gold überverkauft ist. Der MACD steht vor einem Kaufsignal. Die COT-Daten haben sich deutlich gebessert. Und dem Dollar scheint die Puste ausgegangen zu sein. Dennoch: Keiner … mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Goldexperte Bußler: Haben wir das Tief gesehen?

Der Goldpreis kam in der laufenden Woche deutlich unter Druck. Vor allem der Verfall von Optionen an den Terminmärkten belastete den Goldpreis. Dazu sorgte auch ein steigender Dollar dafür, dass der Goldpreis nicht zu einer Erholungsrallye ansetzen konnte. Dennoch: Mittlerweile ist Gold … mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Gold: Schock, Einbruch – alles aus?

Der größte Kursverlust seit November 2016. Der Goldpreis ist am Freitag deutlich unter Druck gekommen, riss alle wichtigen Unterstützungen und ist auf ein neues Jahrestief gefallen. Anleger reagieren panisch und resignieren. „Das war´s.“ Warum eigentlich? mehr
| Markus Bußler | 0 Kommentare

Goldexperte Bußler: Ein hartes Stück Arbeit

Die Zinsen steigen, der Dollar steigt – und dennoch versucht sich Gold am Ausbruch. Im ersten Versuch sind die Bullen am Donnerstag gescheitert. Doch noch ist nichts verloren. Gold scheint allen Unkenrufen zum Trotz nach oben ausbrechen zu wollen. Derzeit tobt ein harter Kampf zwischen Bullen und … mehr