Deutsche Bank
- Nikolas Kessler - Redakteur

Deutsche Bank: Bund will CoBa-Fusion bis Mai – UPDATE: Scholz dementiert

Der Druck auf die Deutsche Bank und die Commerzbank steigt: Eine Fusion der beiden Institute könnte bereits in den kommenden Wochen auf den Weg gebracht werden, heißt es nun in einem Medienbericht. Grund für die Eile soll demnach auch die nahende Europawahl Ende Mai sein. Inzwischen hat sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz dazu geäußert.

Dabei hat er die Berichte über einen staatlich verordneten Zusammenschluss als „Spekulation“ bezeichnet. Man diskutiere die Lage der Finanzindustrie und die Entwicklung des Bankensektors, so Scholz. Dabei bestätigte er frühere Äußerungen, wonach ein starkes Bankensystem für die deutsche Industrie unerlässlich sei. Berichte, wonach die Altlasten von Deutscher Bank und Commerzbank im Zuge einer Fusion bei einer Bad Bank abgeladen werden sollen, wies er ebenfalls zurück.

Medienbericht: Bund drückt aufs Tempo

Die Wirtschaftswoche (WiWo) hatte zuvor meldet, dass die Regierung den Druck auf die beiden Institute erhöht und als Grund auf die Europawahl im Mai verwiesen. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Politik anschließend für längere Zeit mit sich selbst beschäftigt ist. Wegen der erforderlichen Zustimmung der EU-Behörden sei es daher sinnvoll, den Zusammenschluss vorher auf den Weg zu bringen. „Wenn es bis dahin keine Einigung gibt, ist das Thema durch“, sagte ein Insider dem Magazin.

Darüber hinaus wächst offenbar die Angst, ein ausländischer Konkurrent könnte der Fusion zuvorkommen und die Deutsche Bank übernehmen. Im schlimmsten Fall drohe dann die Zerschlagung, denn die Einzelteile seien deutlich wertvoller als der gesamte Konzern. Alleine das Privatkundengeschäft und der fast 80-prozentige Anteil an der Fondstochter DWS sei derzeit 16 Milliarden Euro wert, was in etwa dem Börsenwert der Deutschen Bank entspricht. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein ausländischer Wettbewerber zuschlägt“, so ein Insider.

Einer der Gründe sei die Europawahl im Mai. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Politik anschließend für längere Zeit mit sich selbst beschäftigt ist. Wegen der erforderlichen Zustimmung der EU-Behörden sei es daher sinnvoll, den Zusammenschluss vorher auf den Weg zu bringen. „Wenn es bis dahin keine Einigung gibt, ist das Thema durch“, sagte ein Insider dem Magazin.

Vor diesem Hintergrund hält man den Zusammenschluss mit der CoBa in Berlin ganz offensichtlich für die bessere Option. Die Deutsche Bank würde das Thema dagegen am liebsten wegschweigen – Vorstandschef Christian Sewing sagte bei der Vorlage der Zahlen am vergangenen Freitag keinen Ton zu den Fusionsgerüchten.

Risiken überwiegen

Nach Einschätzung des AKTIONÄR würde der Zusammenschluss allenfalls Kostenvorteile und Einsparpotenzial bieten. Im Gegenzug würden jedoch die Komplexität und die Risiken steigen. Zudem würde durch die Fusion der beiden angeschlagenen Institute nicht automatisch ein „nationaler Champion“ entstehen – bestehende Probleme wie die mangelnde Profitabilität würden sich dadurch wohl kaum in Wohlgefallen auflösen. Die bisherigen Äußerungen der EZB-Bankenaufsicht deuten außerdem darauf hin, dass die Banken ihre Investoren im Vorfeld erneut um frisches Kapital bitten müssten.

Auf der Watchlist

Entsprechend reserviert reagieren die Anleger am Freitagvormittag auf den WiWo-Bericht.  Die Aktie der Deutschen Bank gehört erneut zu den größten Verlierern im DAX, die Commerzbank tritt mit moderaten Verlusten nahezu auf der Stelle. Bereits am Donnerstag hatten beide Bank-Aktien Federn lassen müssen und Rückschläge im Chart erlitten. DER AKTIONÄR rät dazu, die weitere Entwicklung beider Aktien an der Seitenlinie abzuwarten.

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Es sind noch keine Kommentare vorhanden.

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Börsen.Briefing. | 2 Kommentare

Deutsche Bank, kauft Wirecard!

Seit Wochen und Monaten wird über einen Zusammenschluss von Deutsche Bank und Commerzbank fabuliert. Ob nun politisch gewollt oder nicht – diese Fusion ist ein Graus für alle. Deutschlands größtes Geldinstitut ist besser beraten, einen ganz anderen Kauf anzustreben: Den des Digital-Herausforderers … mehr
| Nikolas Kessler | 0 Kommentare

Deutsche Bank: Fressen oder gefressen werden

Die Deutsche Bank leidet – das sieht jeder, der einen Blick auf die Kursentwicklung der vergangenen Jahre wirft. In den letzten fünf Jahren ist die Aktie um 75 Prozent gefallen, alleine in den zurückliegenden zwölf Monaten hat sie sich beinahe halbiert. An der Börse ist das Traditionsgeldhaus nur … mehr