Daimler
- Florian Söllner - Leitender Redakteur

Daimler im Interview (2): "Böses Erwachen" bei Batterie-Strategie von Tesla?

Weißes Hemd, blaues Jackett, Bluejeans und Sneakers. Dieter Zetsches lässiger Stil bei der Präsentation des EQ auf der Motor Show in Paris steht sinnbildlich für die Entwicklung des Autobauers Daimler. Mercedes-Benz präsentiert sich jugendlich. „Die Automobilindustrie muss den größten Umbruch seit Henry Ford bewältigen“, sagt Elmar Kades vom Beratungsunternehmen AlixPartners. DER AKTIONÄR hat sich mit Daimler-Elektroauto-Chef Jürgen Schenk darüber unterhalten.

Der EQ ist der Anfang. Wie geht es weiter?

Wir haben einen Plan. Bis 2025 wollen wir mindestens zehn verschiedene Fahrzeuge in den Markt bringen. Bis 2025 werden 15 bis 25 Prozent aller neu verkauften Autos von uns vollelektrisch sein. Wir wollen Elektromobilität großflächig ausrollen. Die Kostenparität mit konventionellen Antrieben könnte bei gleichbleibender Entwicklung bereits 2025 erfolgen. Vielleicht schon zwei Jahre früher.

Dafür braucht es Batterien. Tesla setzt auf einen fixen Partner – wie gehen Sie vor?

Legt man sich mit einer Partnerschaft zu früh fest, kann es ein böses Erwachen geben. Doch mit unserer flexiblen Herangehensweise können wir immer den besten Lieferanten wählen. Die Kunst besteht im Übrigen nicht in der Chemie der Zellen, sondern in der Schaffung eines komplexen Gesamtsystems aus Zelle, Kühlung, Batteriemanagement et cetera – und hier sind wir in einer sehr guten Position.

Und wo werden diese Autos geladen?

In Europa wird bis 2020 der CCS-Standard dominieren. Hier wird die Infrastruktur für das Schnellladen am Ende sogar auf 300 KW ausgebaut. Selbst Tesla ist zwischenzeitlich diesem Konsortium beigetreten.

Verdient Daimler mit Elektroautos Geld?

Wir wollen das Thema Elektroauto auch für unsere Aktionäre effizient und wirtschaftlich betreiben – einen Speckgürtel gönnen wir uns nicht. Wir haben beim Projekt B-Klasse mit Tesla gelernt, dass auch schlankere Teams schlagkräftig sein können.

Dieses Interview ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 43/2016 erschienen.

 


 

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