Heidelberg Pharma
- Marion Schlegel - Redakteurin

Biotech-Geheimtipp Heidelberg Pharma: Vier gewinnt

Mehr als 300, 400 oder gar 500 Prozent Kursgewinn – bei kleinen Biotech-Unternehmen ist das keineswegs eine Seltenheit. Nicht selten ist bei diesen Werten aber auch oft ein Totalverlust drin. Man sollte deswegen bei der Auswahl der passenden Aktie genau hinsehen. DER AKTIONÄR hat aus dem großen Biotech-Dschungel einen Wert ausgewählt, der durchaus das Zeug zum Vervielfacher hat, bei dem aber auch das Risikoprofil hochinteressant ist.

Aussichtsreiches Gesamtpaket

Es handelt sich um die Aktie von Heidelberg Pharma, die 2017 aus der ehemaligen Wilex hervorgegangen ist. Das Unternehmen verfolgt eine vielversprechende Strategie, die im Groben auf vier Säulen beruht (siehe Grafik): dem am weitesten fortgeschrittenen Projekt HDP-101, den weiteren Entwicklungskandidaten, den hochinteressanten Partnerprojekten und dem ehemaligen Wilex-Portfolio. Hochinteressant ist außerdem die Beteiligungsstruktur. Dietmar Hopp und seine Dievini Hopp Biotech Holding halten 75 Prozent der Anteile. Bei den Kapitalerhöhungen in der Vergangenheit konnte sich Heidelberg Pharma regelmäßig auf den Großinvestor verlassen – was gerade für kleine Biotech-Unternehmen enorm wichtig ist.

Der Schlüssel zum Erfolg

Doch zunächst ein Blick auf die Grundpfeiler des möglichen zukünftigen Erfolgs. Heidelberg Pharma ist das erste Unternehmen, das den Wirkstoff Amanitin (ein Toxin aus dem Knollenblätterpilz) für Krebstherapien einsetzt und entwickelt. Dafür verwendet das Unternehmen seine innovative ATAC-Technologie (Antibody Targeted Amanitin Conjugates – Antikörper-Amanitin-Konjugate), die auf sogenannten ADCs (siehe Grafik rechts oben) basieren.

Das Besondere an diesem Wirkmechanismus ist, dass dieser unabhängig von der Zellteilung läuft. Das ist ein großer Vorteil gegenüber der Konkurrenz, da in der klinischen Praxis heute fast alle Zytostatika (Substanzen, die das Zellwachstum beziehungsweise die Zellteilung hemmen) nur auf sich teilende Zellen wirken.

Das am weitesten fortgeschrittene eigene Projekt ist HDP-101 zur Behandlung des Multiplen Myeloms. Hier hat Heidelberg Pharma zuletzt große Fortschritte machen und den Weg in Richtung klinischer Studien ebnen können. Ein ausführliches Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Jan Schmidt-Brand zu HDP-101 lesen Sie in der kommenden Woche auf www.deraktionaer.de. Die Pipeline ist aber noch weitaus größer. In Zukunft ist die Entwicklung einer Vielzahl von Krebsmedikamenten möglich. Hier darf man gespannt sein.

Neuer Top-Partner Magenta

Mindestens genauso gespannt darf man aber auf die Partnerschaftsprojekte sein. Nach dem Forschungs- und Optionsvertrag mit Takeda im Sommer 2017 hat Heidelberg im März dieses Jahres mit Magenta Therapeutics aus Boston einen ähnlichen Vertrag schließen können. Schmidt-Brand zeigt sich hier sehr zufrieden: „Diese Partnerschaft verläuft sehr erfreulich. Magenta ist bereits in die nächste Phase übergegangen und hat eine Lizenzoption ausgeübt. Magenta ist also von dem mehr forschungsorientierten Vertragsabschnitt, wo man Prototypen herstellt, schon in die Phase gekommen, einen der Prototypen als Entwicklungskandidaten auszuwählen, um diesen rasch in Richtung klinische Entwicklung voranzutreiben. Heidelberg Pharma hat hiervon mit einer weiteren Meilensteinzahlung profitiert. Magenta ist ohnehin ein hochinteressanter Partner. Die Firma galt 2017 als ‚hottest Biotech‘ in Boston.“

Magenta will die Knochenmarks-Therapie drastisch verändern. Bislang ist es so, dass Knochenmarks-Transplantationen als letztmöglicher Weg in der Leukämie-Behandlung durchgeführt werden. Man tötet dabei quasi das gesamte erkrankte Knochenmark durch Strahlung und starke Chemotherapie ab und ersetzt es durch Zellen von gesunden Spendern. Die Hoffnung besteht darin, dass diese nicht abgestoßen werden, sich wieder ansiedeln und dann das eigene Knochenmark ersetzen. Magenta hat ein Verfahren in der Pipeline, diese für Patienten sehr belastende Therapie besser verträglich und gezielter zu machen. Es sollen nur noch die erkrankten Zellen aus dem Knochenmark entfernt und ersetzt werden, anstatt das komplette Knochenmark zu ersetzen.

„Um die erkrankten Knochenmarkzellen zu eliminieren, verwendet Magenta ADCs. Damit kann Magenta gezielt bestimmt Zelltypen ansteuern. Die Antikörper sind mit einem Toxin beladen, um die Krebszellen zu eliminieren. Das von uns angebotene Amanitin hat dabei eine Reihe von Vorteilen gegenüber anderen Toxinen. Amanitin ist sehr wirksam, auch bei sich kaum teilenden Knochenmarkszellen, und es ist nicht mutagen, es verändert also die genetische Ausstattung des Tumors und der verbleibenden gesunden Knochenmarkszellen nicht.“, so Schmidt-Brand.

Starkes Chance-Risiko-Profil

Sobald Heidelberg Pharma mit HDP-101 in die klinische Phase übergeht, dürften auch neue Investoren auf den Plan treten, was der Aktie weiteren Auftrieb verleihen dürfte. Zudem könnte durchaus bald ein weiterer großer Partnerdeal unter Dach und Fach gebracht werden. Die Aktie bleibt zwar sehr spekulativ, verfügt langfristig aber über enormes Kurspotenzial.

(Hinweis: Dieser Artikel ist bereits in der AKTIONÄR-Ausgabe 48/2018 erschienen, die Sie hier herunterladen können.)

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