Banco Espirito Santo
- Jochen Kauper - Redakteur

Banco Espirito Santo: Portugal rettet die angeschlagene Bank - wird die Aktie von der Börse genommen?

Die schwer angeschlagene Großbank Banco Espírito Santo bekommt eine Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro und wird von faulen Geschäften gereinigt. Zentralbank-Chef Carlos Costa gab den Rettungsplan in der Nacht zum Montag in Lissabon bekannt. Die BES hatte am Mittwoch für das erste Halbjahr einen Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro bekanntgegeben. Die Notenbank sprach von "Hinweisen" auf illegale Geschäfte. Allein vergangene Woche war der Kurs der Bank von 0,45 auf 0,12 Eurocent pro Aktie eingebrochen. Das Institut werde im Rahmen der milliardenschweren Aktion voraussichtlich in einen "guten" Teil sowie eine "Bad Bank" aufgespaltet, sagten mit der Angelegenheit vertraute Personen am Sonntag.

Rettung läuft
Die vielen faulen Kredite und Geschäfte der BES sollen nach Angaben der Notenbank in eine Bad Bank ausgelagert werden. Die Finanzspritze werde unterdessen weder den Staat noch die Einlagenbesitzer in Mitleidenschaft ziehen, versicherte Zentralbank-Chef Costa. Das Abwicklungsprogramm sehe "im Gegensatz zu früheren Lösungen überhaupt keine Kosten" für den Staat oder für den Steuerzahler vor.

Geschäfte werden fortgeführt
Die "neue BES" werde ab Montag "ihre Geschäfte im In- und Ausland normal weiterführen", sagte Costa. Das Finanzministerium hob hervor, dass "alle Einlagen, alle Bankdienste, alle Arbeitsplätze und die geschäftlichen Beziehungen der Bank" geschützt seien. Weniger Glück hatten die Aktionäre, darunter die französische Bank Crédit Agricole (15 Prozent), die mit herben Verlusten rechnen müssen. "Sie werden die Verantwortung für die verbleibenden
Risiken tragen müssen", sagte Costa. Die 1869 gegründete BES gehörte bisher einem Firmengeflecht des Banker-Clans Espírito Santo an. Der Hauptaktionär der Bank, die Espírito Santo Financial Group (ESFG), die 20 Prozent des Kapitals hielt, hatte Insolvenz angemeldet.

Aktie verschwindet von der Börse
Dank der Finanzspritze erhöht sich die Kernkapitalquote (Tier 1) der BES, die im Zuge der Krise auf fünf Prozent gefallen war, auf 8,5 Prozent. Gerüchten zu Folge soll die Aktie der Banco Espirito Santo auch von der Börse genommen werden.

(Mit Material von dpa-AFX)

Artikel kommentieren:

Um einen Kommentar zu schreiben, müssen Sie eingeloggt sein.
Sie besitzen noch kein Login? Dann registrieren Sie sich kostenfrei.

  • Manfred Groth -
    Was machen nun die Aktionäre. Es war m.E. eine Enteignung des Staates. Schließlich gab es auch Werte. Die Zentralbank hat zudem immer e

Videos zum Thema:

Der Aktionär TV

Mehr zum Thema:

| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

Banco Espirito Santo: Der Name geht, das Chaos bleibt

Die Verhandlungen über die Neuausrichtung der portugiesischen Banco Espirito Santo gehen weiter. Aktuell ist aber offenbart immer noch nicht geklärt, welcher Teil der Bank an den Staat – Stand jetzt wäre dies der „gesunde“ Teil der Bank – geht und welcher in Besitz der Aktionäre verbleibt – wohl … mehr
| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

Banco Espirito Santo: Wie groß ist die Lücke?

Die Banco Espirito Santo (BES) hat die Marktteilnehmer mit ihrem dramatisch hohen Quartalsverlust für das zweite Quartal geschockt. Mit einem Fehlbetrag von satten 3,6 Milliarden Euro wurde sogar das eigentlich ordentliche Polster an überschüssigem Kapital von mehr als zwei Milliarden Euro komplett … mehr
| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

Banco Espirito Santo: Ein wahres Blutbad

Die Aktie der Banco Espirito Santo (BES) ist nach den gestrigen Zahlen erheblich unter Beschuss geraten. Nachdem die Papiere in Portugal angesichts des hohen Fehlbetrags des Kreditinstituts in Höhe von 3,6 Milliarden Euro noch bis 10:00 Uhr vom Handel ausgesetzt waren, ging es nach Wiederaufnahme … mehr
| Florian Söllner | 0 Kommentare

Banco Espirito Santo: Mehr Verlust als gedacht

Die Lage der angeschlagen Großbank BES (Banco Espirito Santo) ist noch schlimmer als befürchtet. Die nach Marktwert drittgrößte portugiesische Bank hat im ersten Halbjahr unter dem Strich 3,6 Milliarden Euro verbrannt. Spekuliert worden war zuletzt noch über ein Minus von rund 3 Milliarden. … mehr
| Thorsten Küfner | 0 Kommentare

Banco Espirito Santo: Der Countdown läuft

Heute nach Handelsschluss wird die Banco Espirito Santo (BES) ihre Zahlen für das zweite Quartal veröffentlichen. Bereits gestern ging es mit dem ohnehin schon gebeutelten Aktienkurs der portugiesischen Großbank kräftig nach unten. Der Grund: Die Zeitung „Expresso“ berichtete, dass der Konzern … mehr